Beziehungsweise

Täglich Silvester

2009-11-02-solo

Silvester ist so ein Datum. Mit Partner ist es einfach – da kann man notfalls immer noch romantisch zu zweit ins neue Jahr rutschen. Bei Sekt, Nudelsalat und aufgezeichneten TV-Spektakeln. Doch was ist mit den Menschen, die diese Alternative nicht haben? Nudelsalat alleine geht an Silvester einfach nicht. Das sehe sogar ich ein – und ich bin normalerweise ein großer Verfechter singlelärer Unternehmungen. (Ich weiß, dass es eigentlich singulär heißt).

Nicht nur zum Jahreswechsel, auch sonst: Ich bin überzeugt, die Herausforderungen eines gewöhnlichen Single-Lebens werden immer noch sträflich unterschätzt.

Natürlich meint die obligatorische “mit Partner”-Formulierung auf Einladungen nicht, dass man ohne lieber wegbleiben sollte. Trotzdem ist es oft genug komisch, wenn man wirklich ohne Anhang auftritt. Nicht selten stellt das sogar ganze Sitzordnungen auf die Probe – wenn man zum Beispiel mit sechs liierten Menschen, drei Paaren, an einem Tisch sitzen muss, und als siebtes Rad am Wagen den Gleichlauf aller anderen Räder irritiert.

Selbst sitzordnungsfreie Parties sind eine Herausforderung. Zwar mag ich eigentlich gerade die Feiern, bei denen ich kaum jemanden oder vielleicht sogar nur den Gastgeber kenne. Andererseits wird immer wieder verkannt, wie emotional anstrengend der Anlauf zu eben so einer Veranstaltung sein kann.

Mit Freund oder Freundin hat man zur Not immer jemanden, mit dem man sich unterhalten kann, wenn das mit dem Anschluss-Finden nicht auf Anhieb funktioniert. Ohne wird dagegen schon das Eintreffen zum Politikum: Lieber früh kommen, weil sich die alten Gruppen dann noch nicht gefunden haben, oder spät, weil die Party dann schon im Gange und das entspannte Gesprächspartner-Finden vermutlich leichter ist?

Ich bin gut alleine. Mit 18 Jahren bin ich das erste mal alleine in den Urlaub geflogen – und ich habe es geliebt. Ich war seitdem unter anderem alleine auf Mallorca und Ibiza, in Barcelona, Prag, New York und Riga. Kurz nach meinem 25. Geburtstag bin ich alleine nach Buenos Aires geflogen, um von dort quer durch Süd-Südamerika zu touren und über Neuseeland, Australien und Südostasien rund um den Globus zu reisen.

Um nichts in der Welt wollte ich auf diese Erfahrungen verzichten. Trotzdem komme ich mir manchmal blöd vor. Wenn ich zum Beispiel als einziger Single auf einer Party auftauche. Oder wenn ich mir auf einmal Gedanken machen muss, was ich eigentlich an Silvester tun könnte, ohne  gleich das Mann-Frau-Kontinuum bei meinem besten Freund durcheinander zu würfeln.

In diesem Sinne, viele Grüße!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

3 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Kannst zu uns nach Stuttgart kommen und beim Silvesterlauf von der ai-Truppe mitmachen :) Das mache ich jedenfalls so. Im Anschluss ergibt sich dann schon der Rest.
    Ehrlich gesagt, Silvester ist doch das letzte Datum, wo sich die Single-Frage stellt. Parties gibt’s überall und Single oder Paar ist doch echt total egal, Hauptsache Spaß dabei.

  2. Jaja, dieses Silvesterproblem.
    Das ist aber ziemlich mutig von dir, zu so vielen Orten alleine zu reisen. Wie ist das so? Findet man schnell Anschluss?
    allerdings muss ich stuttgal zustimmen. Im Prinzip ist es doch egal, ob man mit Pärchen oder Singles feiert.
    Hauptsache man hat Spass und versteht sich mit den anderen Leuten…

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