Webwelten

Datenwanderung

Sie kamen mit verschiedenen Namen, aber regelmäßig. Still und heimlich schlichen sie sich jeden Abend in mein Email-Postfach: Als Newsletter deklarierte Werbemails mit Titeln wie „Ab-in-den-Urlaub.de“, „Geld.de“ oder „Auto.de“, versendet allesamt von der Unister GmbH mit Sitz in Leipzig, die sich damit rühmt, eines „der größten Studenten- und Absolventennetzwerke“ zu betreiben. Das Interessante daran: Ich hatte mich nie bei diesem Netzwerk angemeldet.

Entsprechend scheiterte auch der Versuch, mich mit der für die Werbung verwandte Mail-Adresse in das Netzwerk einzuloggen. Die Adresse sei ungültig, teilte mir die Webseite mit. Auch meine Anfragen an die Firma via Online-Kontaktformular blieben unbeantwortet, ebenso die per Email verschickten Nachfragen.

Licht ins Dunkel brachte erst ein Anruf bei der Firma. Man habe meine Adresse von der adRom Media Marketing GmbH, erklärte mir eine freundliche Frau am Telefon und bestätigte mir diese Information auch gleich schriftlich. Ich hätte an einem Gewinnspiel dieser in Österreich beheimateten Firma teilgenommen und dabei die Einwilligung zur Verwendung meiner Daten erteilt.

Zugegeben, das wunderte mich etwas. Da ich ohnehin nie gewinne, habe ich seit Jahren an keinem Gewinnspiel teilgenommen.

Nein, nein, teilte man mir dann auch bei der adRom GmbH mit, ich hätte an keinem Gewinnspiel teilgenommen. Statt dessen hätte ich mich bei der Webseite nic.de.vu angemeldet und hierbei meine Einwilligung zur Weitergabe meiner Daten zugestimmt.


Tatsächlich, ich hatte mich vor einiger Zeit bei nic.de.vu angemeldet, einem Dienst, der Webadressen anbietet. Und ja, in den allgemeinen Geschäftsbedingungen gibt es tatsächlich eine Klausel, die nic.de.vu berechtigt, Daten zu Werbezwecken weiter zu geben.

Letztlich war es also rechtens, dass meine Email-Adresse auf dem beschriebenen Umweg über Österreich letztlich wieder in Deutschland und bei der Unister GmbH landete. Traurig finde ich es dagegen, dass eine Firma, die damit wirbt, eines der größten Studi-Netzwerke zu betreiben, es dennoch nötig zu haben scheint, sich seine Newsletter-Kunden von einem Adresshändler aus Österreich zu besorgen.

Sowohl Unister als auch adRom haben übrigens der Löschung meiner Daten umgehend zugestimmt, nachdem ich darum gebeten hatte. Wenigstens etwas also.

In diesem Sinne, immer schön die AGBs lesen!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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