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Arschloch-Bonus

Frauen stehen auf Arschlöcher, heißt es. Zielsicher suchen sie sich ausgerechnet den Typen, der sie schlecht behandeln wird. Das tun sie nicht einmal, sondern immer wieder. Schön blöd, würd ich sagen. Aber, ehe nun ein Sturm der Entrüstung losbricht, lasst mich ergänzen: wir Männer stehen ihnen da in nichts nach! Auch wir scheinen einen recht sicheren Riecher dafür zu haben, was nicht gut für uns ist. 

Nun gilt keine Regel absolut und erst recht keine, welche die menschliche Partnerwahl zum Thema hat. Trotzdem bin ich sicher, dass zumindest den meisten derer, die das hier lesen, eine passende Episode aus dem eigenen Leben einfällt. Ich will mich da nicht mal ausnehmen.
Trotzdem frage ich mich, warum dem so ist. 
Wissenschaftler haben heraus gefunden, dass Frauen gerade während ihres Eisprungs einen Faible für den ungehobelten, vermeintlich durchsetzungsstarken Macho entwickeln. Ansonsten sind sie durchaus gewillt, auch freundliche, “nette” Männer als Partner zu akzeptieren. Die Erklärung ist ebenso einfach wie Jahrtausende alt: der Nachwuchs soll mit möglichst “starken” Genen in die Welt entlassen werden. Bis er aber soweit ist, sich selber durchzusetzen, braucht er einen zuverlässigen Versorger als Vater – den familientauglichen Softie eben.
Das ist zunächst mal schlüssig, als Erklärung für den Arschloch-Bonus aber nur bedingt hilfreich, zumindest für mich – schließlich kann ich als Mann mit keinerlei Eisprüngen aufwarten. Eine biologische Tatsache, die ich mit praktisch allen meiner männlichen Artverwandten gemeinsam haben dürfte. Doch selbst die noch so auf den A-Typ fixierten Frauen haben nur einen Eisprung pro Monat. 
So ganz hinreichend ist die oben genannte darwinistische Begründung also nicht. Meine These daher: Jagdinstinkt!
Je schwerer die Beute zu erlegen scheint, desto interessanter ist sie. Männer wie Frauen wollen sich selbst (oder sonstwem) beweisen, dass sie das vermeintlich Böse bezwingen können oder, weniger drastisch, dass Unmögliche eben doch irgendwie hinbekommen. Je mehr wir meinen, dass wir ihr oder ihm nicht gewachsen sind, um so motivierter sind wir, es trotzdem zu versuchen.
Freundlicherweise hat es die Natur so eingerichtet, dass wir lernfähig sind, zumindest im Großen und Ganzen. Entsprechend schaffen es die meisten mit der Zeit (und nicht selten nach einer besonders unschönen Erfahrung), den eigenen Jagdinstinkt zu kontrollieren. Zumindest bis zu einem gewissen Grad. So ganz scheint der Arschloch-Bonus seinen Reiz nämlich niemals zu verlieren. Schade eigentlich?
In diesem Sinne, frohes Aufreißen!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

5 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Erinnerungsfehler lassen grüßen, in Phoenix’ Fall vielleicht auch noch selektive Wahrnehmung.

    Eineweg: Der Effekt heisst nach seiner Benennerin Zeigarnik. Und bedeutet soviel wie: Unerledigte Sachen bleiben besser in Erinnerung als erledigte.

    Oder mit anderen Worten: Alles, was einen fiesen Geschmack hinterlässt, bleibt im Gedächtnis. Ob das jetzt die vom Arschloch ausgespannte Frau ist, die letzte Trennung von einer ach so bösen Weiblichkeit oder eine auf halbem Weg gescheiterte Eroberung…

    Aber Identifikation mit anderen ist doch schon mal was ;-)
    Das heißt nämlich immer noch: Auch anderen gehts schlecht, und das kann einem schon wieder den Tag retten…

  2. Na gut zu wissen, dass ich zu dem Zeitpunkt als ich mich für deinen zukünftigen Schwager entschieden habe, definitv KEINEN Eisprung hatte…;-)

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