Tresenweisheiten Zeitreisen

Zweckgebunden

Sie ist praktisch. Ihr ist es zu verdanken, dass man auf die Toilette gehen kann, ohne etwas zu verpassen. Leider funktioniert sie nur bei DVDs. Was das reale Leben angeht, sucht man die Pause-Taste – zumindest bis jetzt – noch vergebens. Dabei ist es, wenn man so darüber nachdenke, schon unheimlich, wie gnadenlos die Zeit vergeht. Denn seien wir ehrlich: meistens vergeht sie falsch.

Achterbahnfahrten zum Beispiel: immer zu kurz. Genau wie Urlaube. Kaum hat man angefangen mit dem Erholen sind sie auch schon wieder vorbei. Die letzten Tage vor dem Urlaub dagegen ziehen sich normalerweise wie Kaugummi. So wie die Zeit beim Anstehen vor der Achterbahn.

Kurios wird es, wenn man etwa auf ein Vorstellungsgespräch oder ähnliches wartet. Die fünf Minuten zwischen dem freundlichen „Hallo, nehmen Sie doch schon mal Platz“ der Sekretärin und dem Eintreffen des Personalchefs haben die Tendenz zum Kriechen. Trotzdem wäre eine Pause-Taste jetzt genau das richtige, um die letzten Sekunden vor dem entscheidenden Gespräch doch noch ein wenig zu verlängern (und im Zweifelsfall noch mal auf die Toilette zu gehen).

Zugegeben, das sind jetzt nichts weiter als Gedankenspiele. Schlimmer noch: Denkt man sie zu Ende, bleibt nicht viel mehr als die Erkenntnis, dass die Zeit so oder so vergeht. Ich interessiere sie dabei nicht die Bohne. Hätte ich mir eigentlich denken können: Das mit dem Zwischenspeichern hat schließlich auch schon nicht funktioniert.

In diesem Sinne, ich geh mal auf Toilette …

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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