Dorfleben

Ein Angebot

Er sprach mich an, als ich schon auf dem Weg zurück war. Wie an den anderen Abenden auch hatte ich zunächst eine kleine Runde durch meine, am Ortsrand gelegene Straße gedreht. Anschließend war ich über die Felder und in Richtung Berg gelaufen, bevor ich auf dem selben Weg zu meiner Wohnung zurück trabte.

„Hallo“, rief er und kam durch seinen Garten auf mich zugestapft. „Hallo“, wiederholte er, während ich stehen blieb. Nur ein Gartenzaun trennte uns jetzt noch. Er habe mich laufen gesehen, sagte er. Heute und auch an den übrigen Tagen. Auch seiner Frau sei ich aufgefallen. Darum müsse er mich nun einfach fragen. Ich sei doch neu hier, was mich hierher verschlagen hätte, und wo ich denn überhaupt wohnen würde.

Ich antwortete brav, erzählte von meinem Ferienwohnungs-Domizil, meiner Arbeit und warum ich nun hier wohnte. Als ich fertig war, rückte der Mann ein wenig näher an den Zaun heran. „Seit Januar gibt es diesen Verein“, erzählte er. „Wir treffen uns einmal in der Woche. Manchmal sind wir nur zu dritt, manchmal auch bis zu 20.“

Der Mann hinter dem Gartenzaun machte eine Kunstpause. „Vielleicht haben Sie ja Lust, mal mitzumachen?“, sagte er anschließend. „Der Lauftreff trifft sich immer Dienstags.“ Ich schätze, mit diesem Angebot bin ich nun offiziell in der Dorfgemeinschaft integriert.

In diesem Sinne, frohes Laufen!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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