Mitmenschen

Wahrnehmungsfrei

Es gibt dieses Gerücht, Leute die pfeifen, seien fröhlich. Ich behaupte, Menschen die pfeifen, sind komisch. Zumindest die meisten. 

Es war gegen halb sieben, als ich die Umkleidekabine in meinem Fitness-Studio betrat. Meist ist die Kabine leer, heute nicht. Ein Mann stand vor seinem Spind und war offensichtlich damit beschäftigt, sich umzuziehen. Dabei pfiff er vor sich hin. Nicht leise oder nebenbei, sondern laut und offensichtlich erpicht darauf, gehört zu werden. Ich grüßte, er grüßte zurück, dann pfiff er weiter.

Nachdem ich mich umgezogen und aufgewärmt hatte, war ich gerade mit der ersten Runde im Kraft-Ausdauer-Zirkels beschäftigt, als ein anderer Typ sich zu mir und den vier oder fünf anderen trainierenden gesellte. Schon bei der ersten Übung stöhnte er laut auf. „Ho, ho“, sagte er weihnachtsmännisch und blickte in die Runde, „ho, ho, ganz schön schwer.“ Keiner der Anwesenden reagierte, was den Weihnachtsmann nicht zu stören schien. Im Gegenteil: bei praktisch jeder Übung kommentierte er lautstark und durchweg aussagenfrei, was er gerade tat. 

Auch wenn mir der Kerl irgendwann Leid tat, so ganz begriffen habe ich ihn nicht. Auch aus dem Pfeifer bin ich bis jetzt noch nicht schlau geworden. Natürlich ist es schön, wenn sie Menschen mitteilen wollen, doch wieso sind manche auf gar so seltsame Weise erpicht darauf, von ihren Mitmenschen wahrgenommen zu werden?

In diesem Sinne, her mit den Antworten!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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