Beziehungsweise Tresenweisheiten

Topfdeckeltopf

Es gibt ein Sprichwort, dass ganz unverschämt unterstellt, auf jeden Topf würde ein Deckel passen. Nicht zwei, ein halber oder vielleicht zweieinhalb Deckel, sondern ganz genau einer. Außerdem darf es nicht irgendein Deckel sein, sondern nur ein ganz bestimmter – der passende nämlich. Und den hat man gefälligst zu finden. Findet jedenfalls das Sprichwort.

Ein schöner Rat, von der Idee her. Vielleicht ist es aber auch einfach eine Frage des Alters, dass es in meinem Bekannten- und Freundeskreis derzeit von Töpfen und den dazu passende Deckeln nur so zu wimmeln scheint. Es wird jedenfalls geheiratet, was das Zeug hält. Es ist erst Februar, bis Ende August bin ich aber – zumindest was Hochzeiten angeht – einigermaßen ausgebucht.

Ich nehme ab das den Menschen, die mich eingeladen haben, nicht übel. Im Gegenteil, ich mag Hochzeiten. Alle ziehen sich chic an und meist gibt es auch etwas gutes zu Essen und zu trinken. Und wenn sich wirklich zwei vermeintlich Seelenverwandte gefunden haben, freue ich mich auch für sie. Allerdings frage ich mich manchmal, in wie fern bei Hochzeiten wirklich Topf und Deckel zusammenkommen – und ob es nicht doch für jeden Topf mehrere mehrere möglich Deckel gibt.

Vielleicht ist man irgendwann einfach nur müde, nach dem passenden Deckel zu suchen. Die Nudeln kochen eben nach einer Weile einfach so lange vor sich hin, dass auch ein Deckel reicht, der nur irgendwie auf dem Topf liegen bleibt, ohne runterzufallen – selbst wenn er eben nicht perfekt passt. (Ganz generell gedacht – unabhängig von den aktuellen Einladungen natürlich!)

Es gibt Statistiken, die aussagen, dass der Durchschnittsmensch so und so viele Beziehungen führt, bis er schließlich den Mann / die Frau fürs Leben findet (die Zahlen variieren je nach Statistik). Wissenschaftlich gesehen scheint da doch mehr die Zahl im Vordergrund zu stehen, als der Mensch, der die Nummer trägt. Und vielleicht kommt es ja wirklich mehr darauf an, sich selbst irgendwann deckelfertig zu fühlen und weniger darauf, wer eigentlich der Deckel ist?

Ich bin jedenfalls ziemlich sicher, dass das Sprichwort lügt! Für jeden Topf gibt es nicht nur einen Deckel, sondern mehrere – und diese Deckel passen auch nicht nur auf einen Topf, sondern auf mehrere verschiedene Töpfe! Entscheidend ist letztlich nämlich etwas ganz anderes: Nämlich ob Topf und Deckel wollen – der Rest ergibt sich dann meistens von allein. Zumindest wenn es nicht wirklich ums Kochen geht.

In diesem Sinne, viel Spaß bei Töpfern!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

3 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. ha, ha, ha! echt gut geschrieben!
    trotzdem glaube ich, dass bei der wachsenden gleichgültigkeit des findens vom passenden deckel bei manchen auch ein anstieg der ansprüche gegenübersteht, auch auf die gefahr hin nie gedeckelt zu werden…

  2. Wieso wird eigentlich in Südostasien immer im Wok gekocht, gebruzzelt, gebraten – ohne Deckel?

    Und: meine Pasta kocht auch ganz gut ohne Deckel. Ich kann dann auch mal die Küche verlassen, ohne zu fürchten, dass genau in dem Moment das Wasser hochkocht, der Dampf den Deckel hebt und die Brühe sich auf dem Herd verteilt.

    Meine Milch für meinen heißgeliebten Kaffee am Morgen kocht übrigens auch ohne Deckel.

    Also, erweitern wir das Sprichwort:

    es gibt mehr als einen Deckel – davon bin ich auch überzeugt
    und: es muss nicht immer ein Deckel sein!

    Denn (jetzt mal extrem verkürzt ausgedrückt): Deckel auf Topf in Verbindung mit Energie verursacht Druck!

  3. Also, das Bild vom “Deckel” und dem passendem “Topf” hate ich nie richtig im Kopf; das mag daran liegen, dass originärerweise Topf und Deckel vom gleichen Entwickler und Designer stammen, zudem dann im gleichen Werk gefertigt werden. Und ääh: Weder hatte ich in meinem Leben eine biologische Schwester, noch hätte mich der Gedanke angesprochen, selbiger aus erwähnten Gründen als einzig relevanen Kopfschutz, also Topfschutz, begreifen zu sollen. Mmmh. Tisch und Tischdecke passt erheblich besser. Aber welche Partnerin würde sich als bloßer bunten Lappen abstempeln lassen, dessen einzige Funktion es ist, einen ausgesprochen männlichen Tisch zu schmücken. Aber solche Beziehungen gibt, allerdings gehen die Decken immer, bevor der Tisch zu alt und hässlich aussieht…

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