Tintenherz

Ich habe ein Geständnis zu machen; es wird einfach Zeit, dass ich es sage: Ich schreibe gerne mit Füller und Tinte. Ich tue dies sogar sehr regelmäßig. Ich mag die Art, wie die Feder über das Papier gleitet. Für mich, der ansonsten fast alles tippt, was er aufzuschreiben hat, ist das eine Art Entschleunigung. Ein Luxus, den ich mir gönne, wenn ich privat etwas zu Papier bringen möchte. Briefe, Gedanken oder auch einfach nur kurze Notizen. Mit Füller schreiben sich manche Dinge einfach anders als mit Kugelschreiber geschweige denn mit dem Computer.

So richtig für mich entdeckt habe ich den Füller als Schreibgerät vor circa zwölf Jahren. Ich habe damals in Berlin gewohnt. Geschrieben habe ich vor allem in meiner Küche an einem wackeligen weißen Tisch, der gerade so eben in das kleine Zimmer gepasst hat. Einmal in der Woche oder so habe ich meinen Schreibplatz in eine der zahlreichen nahen Kneipen verlegt, in das „An einem Sonntag im August“, zum Beispiel, oder in die „Eselsbrücke“. Ich mochte es (und mag es bis heute), wenn um mich herum etwas passiert. Menschen die kommen und gehen, Gespräche,  Kellner und Kellnerinnen, die Bestellungen aufnehmen. Sowas halt.

Anfangs hatte ich immer einen schwarzen Fineliner dabei, der viel schöner mit dem cremefarbenen Papier meines Notizbuch harmonierte als jeder Kuli. Die Schrift sah so viel wertiger aus. Der Nachteil dieses Schreibgeräts: es ging regelmäßig kaputt. Auch ermüdete die Hand irgendwann beim Schreiben. Ganz abgesehen davon, dass ich gefühlt dauernd neue Minen nachkaufen musste. Also habe ich statt Minen irgendwann einen Füller gekauft.

Anfangs war das ein recht preiswertes Gerät, ein Parker für 15 Euro oder so. Ich mag ihn immer noch, weil sich der Füller schon aufgrund seines Metallkörpers viel besser anfühlt als die meisten Kugelschreiber. Irgendwann bin ich dann auf einen Kolbenfüller umgestiegen, den man ganz altmodisch befüllt, indem man die Spitze in ein Tintenfass hält und dann am Schaft des Füllers dreht. Ein Kolben saugt dann Tinte in den Vorratstank des Füllers. Das ist etwas komplizierter als einfach eine neue Patrone einzusetzen, fühlt sich aber gerade deswegen gut an.

Wie viel ich inzwischen mit dem Füller schreibe, merke ich vor allem am Tintenverbrauch. Ich werte das allerdings als gutes Zeichen. Mit dem Füller zu schreiben entspannt mich einfach. Meine Gedanken werden auf eine Geschwindigkeit runtergebremst, bei der ich mitlesen kann. Ich bin gezwungen, linear zu denken und mich auf ein Thema zu konzentrieren. Nicht wie beim Schreiben mit dem Rechner, auf dem Tablet oder Handy, wo ich gerne mal Sätze oder ganze Absätze wild hin und her schiebe. Beim Schreiben auf Papier geht das nicht.

Trotzdem möchte ich das Schreiben via Tastatur oder Touchpad auf keinen Fall missen – nicht nur, weil auch dieses Blog davon abhängt. Wie bei so vielem im Leben kommt es nur eben auf die richtige Dosis an.

In diesem Sinne, nein, kein Füller- oder Tintenhersteller war an der Erstellung dieses Beitrages beteiligt.

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