Mitmenschen Tresenweisheiten

Single-Supermarkt

Singles sollen in den Supermarkt gehen. Ein Blick in den fremden Einkaufswagen sagt schließlich mehr über den oder die andere aus, als es tausend oder mehr Worte beim ersten Gepräch je könnten. Was für ein Mensch ist sie? Was mag sie, was nicht? Kauft sie nur für sich ein, oder warten zu Hause ein Mann und drei Kinder?

Ich weiß nicht mehr genau, wo ich das gelesen habe. Es macht aber Sinn, zumindest theoretisch. Besonders schlau müsste es, den Gedanken einmal weitergesponnen, dann auch sein, kurz vor Ladenschluss einkaufen zu gehen. Singles arbeiten lang, sie scheuen keine Überstunden und hetzten auf dem Rückweg noch kurz vor Ladenschluss durch die Regalreihen, um sich mit Tiefkühlpizza und Rotwein einzudecken.

Soweit die Theorie. In der Praxis scheinen es aber vor allem die Verrückten zu sein, die kurz vor knapp noch ihre Einkäufe auf das Band an der Kasse hieven. Diesen Eindruck hatte ich jedenfalls gestern.

Ich war an diesem Abend verabredet und wollte nach der Arbeit noch schnell eine Flasche Wein besorgen. Schon am Eingang wäre ich aber fast über eine alte und fast haarlose Frau gestolpert, die sich mit einem tiefschwarzen Kajalstift Augenbrauen auf die blanke Stirn malte. In der freien Hand hielt sie ihre beiden Einkaufstüten, welche sie sanft hin und her wogte.

Als ich mit meinem Wein an der Kasse stand, wippte vor mir ein Typ in Trainingshose unruhig hin und her. Unter dem einen Arm hielt er tatsächlich besagte Tiefkühlpizza, mit dem anderen dirigierte er seine Freundin zwischen den Regalreihen hin und her. Beeilen solle sie sich gefälligst, er sei nämlich gleich mit Bezahlen dran.

Die Eile war dabei völlig unnötig, denn die Frau vor ihm brauchte geschlagene viereinhalb Minuten, um sich zu entscheiden, ob sie zwei Jogurts, eine kleine Packung Toastbrot, eine Packung Streichkäse und einige weitere Kleinigkeiten in einer kleinen oder doch lieber in einer großen Tüte verstauen wollte. Ich glaube, sie war solo. Ich fürchte, ich weiß aber auch warum.

In diesem Sinne, jeder Tipp hat offenbar zwei Seiten!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

1 Kommentar Neues Kommentar hinzufügen

  1. Ich glaube, die Theorie trifft v.a. auf Studenten nicht zu. Mein Mitbewohner hat vor einiger Zeit ungefähr zehn Packungen Spaghetti gekauft. Und eine vergebene Freundin hat momentan immer Pizza zum Abendessen, aus Zeitmangel (Semesterende…).
    Und der Penny am Kottbusser Damm bildet wohl sowieso eine Ausnahme ;-)

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