Frauen Reisewelten

Shawna

Travellerweisheit I: Wenn Du in einer Bar irgendwo in Madrid eine andere Backpackerin kennenlernst, kann es gut sein, dass Du laengst ein Zimmer mit ihr teilst.

Ich habe Shawna in einem kleinen Tapas-Restaurants ein paar Strassen abseits des Puerta del Sol getroffen. Ich hatte dort am spaeten Nachmittag gegessen und wollte eigentlich nur noch einen Absacker trinken. Irgendwie sind wir trotzdem ins Gespraech gekommen.

Shawna ist aus Colorado und seit ein paar Wochen in Europa unterwegs. Ihr Traum: in Europa ein Hostel oder einen kleinen Laden eroeffnen, irgendetwas, das mit Reisen zu tun hat. „Wenn ich in Europa wohnen wuerde, waere ich jedes Wochenende unterwegs“, erzaehlte sie auf Englisch. „In Europa ist alles so nah beieinander, man kann mal eben uebers Wochenende in ein anderes Land fahren“, sagt sie. Dass die wenigsten Europaer das tun, kann sie nicht verstehen.

Wir unterhalten uns ziemlich lange. Als folgten wir einem ungeschriebenen Traveller-Codex wechseln wir immer wieder zwischen dem allgemeinen Blabla – wo warst Du schon, kennst Du eine gute Unterkunft in, ist Dir in xy auch passiert – und persoenlichen Themen hin und her.

Der Kellner, ein kleiner Bolivianer, hat mich inzwischen von meinem Besuch am Nachmittag wiedererkannt. Er spendiert uns eine Runde aufs Haus und empfielt dringend am naechsten Tag wiederzukommen. Dann haetten sie sogar deutsches Bier.

Wir haben schon gezahlt, als Shawna und ich ueber unsere Unterkunft in Madrid sprechen. Die selbe Strasse, stellen wir fest, ja sogar das selbe Hostel – und das selbe Mehrbettzimmer. Manche Zufaelle sind so komisch, dass man sie als unrealistisch abtun wuerde, wenn sie in einem Filmdrehbuch stattfinden wuerden.

In diesem Sinne, gute Nacht Shwana!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

Kommentar verfassen