Gedankenwelten

Regenwellen

2016-07-12-Gewitter

Ich mag Gewitter. Gewitter ist wie Wellen von oben – und Wellen mag ich auch. Ich habe keine Ahnung, woher das kommt. Seit ich denken kann, empfinde ich eine seltsame Faszination für Naturgewalten, die mit Wasser zu tun haben. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass meine Eltern mich schon mit 6 Jahren in einem Schwimmverein angemeldet haben. Wasser war und ist irgendwie schon immer mein Element.

Gerade jetzt, in diesem Augenblick, sitze ich hier, habe die Balkontür neben meinem Schreibtisch geöffnet, und lausche dem Sturzregen, der seit gut einer halben Stunde auf Karlsruhe herab prasselt. Ich genieße das Gefühl, drinnen im Trockenen zu sitzen und zugleich nur die Hand rausstrecken zu müssen, um zu fühlen, mit welcher Kraft und welcher Intensität der Regen niedergeht.

Ich denke an einen Campingurlaub vor 15 Jahren. Zusammen mit meinem guten Freund B. war ich damals nach Kroatien gefahren. Unser Zelt hatte im wesentlichen aus zwei Teilen bestanden: den beiden Schlafkojen aus Stoff und mit einem festen Boden aus Gummi, die in das Gestänge eingehängt wurden, und dem Vorraum, der zwar überdacht war, aber keinen eigenen Boden hatte.

Das Zelt hatte am Hang gestanden und binnen weniger Stunden hatte sich das Wasser einen Weg geradewegs durch unser Zelt gesucht. So saßen wir da und spielten Schach, während sich unter unserem Campingtisch ein kleiner Sturzbach seinen Weg in Richtung Meer bahnte. Meine größte Angst damals war gewesen, dass der Hang abrutschen könnte und uns samt Zelt in die Adria spülen würde. Zum Glück geschah nichts dergleichen. Es blieb bei dem Sturzbach unter dem Campingtisch.

Weil ich Regen und Gewitter besonders dann mag, wenn ich im Trockenen sitze, bin ich auch ein großer Fan von Dachfenstern. Ich liebe es, wenn der Regen in großen, schweren Tropfen auf das Glas trommelt, während der Himmel hin und wieder von Blitzen erhellt wird und Donner die Scheibe erzittern lässt.

Ich weiß nicht, woher diese Vorliebe kommt. Möglicherweise mischen sich hier Urinstinkt – Gewitter und Wellen = Gefahr – mit der neuzeitlichen und freudigen Erkenntnis, dass eben diese Gefahr inzwischen weitestgehend gebannt ist? Ähnlich einer Achterbahnfahrt, bei der permanente Grenzerfahrung simuliert wird, Leib und Leben dank diverser DIN-Normen aber (normalerweise) nie ernsthafte Gefahr droht.

In diesem Sinne, eine gute Nacht Euch allen!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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