Fremde Federn Tresenweisheiten

Promillegrenze

Toyota will serienmäßig das Auto mit Promillegrenze einführen. Ab 2009 soll über die Atemluft des Möchtegern-Fahrers der Blutalkoholspiegel bestimmt werden. Bei zu einem zu hohen Promillewert blockiert automatisch die Wegfahrsperre. Das System ist nicht neu und wird schon seit einigen Jahren getestet. Komisch ist nur, dass nur Autos damit ausgestattet werden sollen.

Was ist zum Beispiel mit Kühlschränken?
Fressattacken nach einer durchgezechten Nacht gehörten damit der Vergangenheit an. Die Leute würden einfach betrunken ins Bett fallen und nicht noch vorher den Wocheneinkauf in sich hineinstopfen. (Ich kenne Leute, die fangen Sonntag morgens um fünf noch volltrunken an, sich nach dem Feiern Nudeln zu kochen!)

Am Nützlichsten aber wäre die Promillegrenze wohl beim Mobiltelefon. Welchen Quatsch hat man nicht schon nach ein paar Bieren leichtfertig in die Welt geschickt. Schlimmerweise sind ja gerade die Exfreundin oder eben die potenzielle Nachfolgerin (zunächst ohne Ex) Ziel einer solchen Kurzschlusshandlung.

Erinnert man sich am nächsten morgen noch daran ist es unangenehm. Noch unangenehmer ist es, wenn man die Nachricht ohne zugehörige Erinnerung im Gesendet-Ordner entdeckt und im Sendebericht was von “zugestellt um 4:33 Uhr” steht. Eine Freundin und Kollegin hat vor einiger Zeit im StudiVZ die Gruppe “Ich will ein Handy mit Promillegrenze” gegründet. Und soll ich Euch was sagen: Recht hat sie!

Musste man vorher noch zu Pergament und Federkiel greifen, um eine Dummheit zu begehen, bedarf es heute nur noch eines flinken Daumens, wahlweise um eine Nummer aus dem Telefonbuch anzuwählen oder eine SMS zu tippen. Anders als der im Suff verfasste Brief geht die Kurznachricht respektive der Anruf raus, ohne dass man am nächsten Morgen (Mittag) noch mal drüber nachdenken könnte. Das ist der Fluch der modernen Kommunikationsmittel!

Wie praktisch wäre da die Wegsendesperre fürs Mobiltelefon? Die modernen Handys können doch eh schon fast alles, wieso nicht auch das? Einmal anhauchen und das Gerät entscheided, ob man noch zurechnungsfähig genug ist, um sich und seine Gedanken leichtfertig an die Welt zu verteilen. Wenn man sich nur mal überlegt, wie viele peinliche, selbstentblößende Situationen so ein Gimmick einem ersparen könnte!

Andererseits – wer sagt denn, dass das immer gut ist?
Wer weiß, wie viele SMS eine potenzielle Beziehung erst ins Rollen oder zumindest mit dem nötigen Schwung versehen haben? Kinder und Betrunkene lügen nicht, heißt es doch. Wäre es da nicht tragisch, wenn gerade das heute ja allgegenwärtige Handy dafür sorgt, dass die Menschen nicht einmal im Suff die Wahrheit sagen?

Vielleicht sollte es ein Handy mit Promillegrenze geben. Allerdings würde das dann ab einem gewissen Alkoholgehalt nicht blockieren, sondern seinen Besitzer statt dessen mit Nachdruck (vielleicht mit Stromstößen oder so) dazu auffordern, endlich diesen oder jenen Anruf zu tätigen oder endlich die überfällige “wollen wir mal nen Kaffee trinken gehen”-SMS zu tippen. Ob deswegen auch gleich der Kühlschrank zum essen auffordern sollte, lasse ich mal offen. Darüber denke ich dann ein anderes Mal nach.

In diesem Sinne, viel Spaß beim Trinken und beim Telefonieren!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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