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Peng!

Wer mich kennt, weiß es: Manchmal bin ich furchtbar ungeschickt. Ich habe das großartige Talent, Dinge ohne erkennbaren Grund um- oder runterzuwerfen. Ich bin toll darin, gegen den einen Stuhl zu laufen, der mutterseelenallein im Raum rumsteht. Oder eben diesen Stuhl nicht zu treffen, wenn ich mich darauf niederlassen möchte.

Man könnte das als eine Art Fluch bezeichnen. Manchmal hilft es aber auch. Zum Beispiel kürzlich auf Paros, einer griechischen Insel ein paar Fährstunden von Athen entfernt. Irgendwo im Labyrinth der Altstadtgassen hatte ich diese Bar gefunden. Ein kleiner Raum mit einem Tresen, dazu vier oder fünf Tische auf dem ohnehin schmalen Weg vor dem Lokal. Und Katzen, viele Katzen.

Die Katzen sind in so fern wichtig, weil sie natürlich als erste verdächtigt wurden, als das Glas auf dem Kopfsteinpflaster aufschlug. „Was it one of the cats?“, wollte die freundliche Kellnerin wissen. „No“, antwortete ich ehrlich, „it was me.“

Es war mein zweites Bier gewesen, auf den Alkohol konnte ich es also nicht schieben. Aus irgendeinem Grund war ich beim Griff nach meinem Glas gegen den Tisch gestoßen. Der wiederum stand auf dem holprigen Pflaster ohnehin alles andere als stabil. Hinzu kam, dass mein Versuch, das Glas aufzunehmen, wohl etwas impulsiver gewesen war als eigentlich nötig. Zusammen mit dem schwankendem Tisch eine tödliche Kombi – für das Glas. Mit Schwung landete es auf dem Boden, wo es mit lautem Krachen in tausend Teile zerbrach. Peng!

Das Ganze wäre wohl schnell vergessen gewesen, wenn mir gegenüber nicht zwei Schweizerinnen gesessen hätten. „Du hättest sagen sollen, dass es eine der Katzen gewesen ist“, sagte eine von ihnen freundlich lächelnd, „ich hätte Dich nicht verraten.“ „Das ist nett“, sagte ich, „aber normalerweise bin ich ziemlich gut darin, mit Gläsern zu werfen – ich hatte also einen Ruf zu verlieren.“

Die interessantesten Gespräche ergeben sich manchmal ganz unerwartet. So auch an diesem Abend. Ich weiß nun, dass die beiden Schweizerinnen aus Bern kommen, dort als so etwas ähnliches wie Lehrerinnen arbeiten (allerdings doch irgendwie nicht wirklich als Lehrerinnen … it’s complicated) und zumindest eine von ihnen gerade um ihre Vertragsverlängerung bangt. Ein banales Gespräch eigentlich, aber nett. Und vor allem eins, mit dem ich an diesem Abend gar nicht gerechnet hätte.

In diesem Sinne, sorry about the glas …

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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