Reisewelten Zeitreisen

Malaria

Erst ist es nur ein leichtes Ziehen irgendwo in der Nähe des Magens. Es wird aber schnell stärker, wenn ich daran denke, wie sich die Türen hinter mir schließen. Haustüren, Flugzeugtüren, Zugtüren, U-Bahntüren. Selbst das Papier, auf dem ich nach dem Online-Check-In die Flugtickets ausgedruckt habe, fühlt sich irgendwie anders an als die übrigen 499 Blätter in dem dicken Stapel Kopierpapier in meiner Schreibtischschublade.

Tief in meinem Herzen und offenbar auch in meinem Bauch bin ich ein Reisender. Ich mag es anzukommen. Noch mehr genieße ich es aber, wenn ich wieder aufbrechen kann. Selbst wenn es nur für ein paar Tage ist. Ich liebe es, unterwegs zu sein nicht genau zu wissen, was auf mich zukommt.

Ich werde wieder nur mit Handgepäck fliegen, denn ich reise gerne leicht. Schon jetzt freue ich mich auf die flüchtige Flughafenwelt, die ganz explizit auf die Durchreise optimiert ist. Ich freue mich auch auf den nächtlichen Weg quer durch London, vom Flughafen Stansted im Norden bis nach Croydon im Süden. Selbst wenn die Landschaft größtenteils aus U-Bahntunnel besteht, es ist schön, wenn sie an mir vorbeizieht. Verrückt, nicht wahr?

Es ist schon eine Weile her, da habe ich mit Fieber und Magenkrämpfen in einem Hotelzimmer in Laos, Südostasien, gelegen. Damals hatte ich befürchtet, ich könnte mir irgendwo unterwegs Malaria eingefangen haben. Als nach ein paar Tagen alles wieder gut war, schien mir eine leichte Lebensmittelvergiftung wahrscheinlicher.

Vielleicht war es aber auch etwas ganz anderes: Reisefieber. Das würde passen: Reisefieber ist nämlich nicht heilbar – und macht sich gerne mit einem leichten Ziehen irgendwo in der Nähe des Magens bemerkbar.

In diesem Sinne, Grüße an die Frau Doktor!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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