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(Keine) Schuhe

Natürlich bestellt man Laufschuhe nicht im Internet. Zumindest normalerweise nicht. Da ich seit ungefähr 15 Jahren immer Laufschuhe derselben Marke nutze und normal auch desselben Modells, wollte ich eine Ausnahme machen. Und ich wurde bestraft.

Bestellt habe ich im Online-Shop von 21run.com. Den kannte ich bisher noch nicht, er machte aber eigentlich einen recht sympathischen Eindruck. Auch der Bestellvorgang war einfach und unkompliziert. So einfach und unkompliziert, dass ich direkt überrascht war, dass ich zwar „Kreditkarte“ als Zahlungsvariante auswählen konnte, sich aber offenbar niemand für die Nummer derselben interessierte.

Wie konnte ich die Bestellung überhaupt abschließen, ohne meine Kreditkartendaten einzugeben? Hatte ich etwas übersehen? Und wenn ja: Sollte so etwas nicht ein Pflichtfeld sein, ohne das man den Bestellvorgang gar nicht erst abschließen kann?

Offenbar nicht. Meine Bestellung war angekommen und wurde in meinem eigens und zwangsweise eröffneten Kundenkonto aufgeführt. Mit einem Makel. „Zurückgestellt“ stand da. Das wollte ich ja nun eigentlich nicht. Ich wollte schließlich die Schuhe! Würde man sich irgendwann bei mir melden und nachfragen? Oder würde meine Bestellung bis in alle Ewigkeit „zurückgestellt“ werden? Fragen über Fragen …

In der Hoffnung, das offensichtliche Missverständnis schnell aufklären zu können, schrieb ich eine E-Mail an den Shop. Ob ich da möglicherweise etwas übersehen hätte? Für eine Kreditkartenzahlung würde man doch wahrscheinlich die Nummer derselben benötigen. Auf welchem Weg ich denn diese am besten übermitteln könnte. Die Laufschuhe hatte ich schließlich bestellt und wollte sie daher auch bezahlen.

Keine Antwort. Gar keine.

Nun gut. Sicher ist sicher, dachte ich mir. Ob das Team von 21run.com meine E-Mail vielleicht einfach nicht bekommen hatte? So etwas soll ja auch heutzutage noch dann und wann vorkommen. Also ein weiterer Versuch. Dieses Mal über das Kontaktformular des Online-Shops.

Wieder: Keine Antwort. Gar keine.

Ich gebe zu, ich wollte diese Schuhe. Aber wollte ich wirklich meine Kreditkartennummer an einen Shop übermitteln, der mich so offensichtlich ignorierte?

Auch ein erneutes Klicken durch die Seiten meines „Kundenkontos“ brachten mich nicht weiter. „Zurückgestellt“, mehr war nicht zu erfahren. Dabei wollte ich doch nur ein paar Schuhe kaufen. Selbst google brachte mich bei meinem Problem nicht weiter – sieht man davon ab, dass ich hier noch diverse weitere Shops fand, die das von mir gewünschte Paar zu einem vergleichbaren Preis führten.

Aber wie sollte ich die Bestellung bei 21run.com stornieren, wo man doch ganz offensichtlich nicht gewillt war, mit mir zu kommunizieren (geschweige denn, mir Schuhe zu verkaufen)? Hier überraschte 21run.com mich allerdings. Auf meine höflich vorgebrachte Bitte, die Bestellung zu stornieren, da man ja offenbar nicht gewillt sei, mit mir Geschäfte zu machen, bekam ich binnen nicht mal zwölf Stunden eine Antwort:

Ich finde ja eh, dass die Anrede mit Namen, Entschuldigungen und Erklärungen grundsätzlich überschätzt werden. Storniert ist storniert. Außerdem habe ich die Schuhe inzwischen woanders bestellt. Zwei Euro teurer – dafür mit einem unglaublichem Service: Ich wurde sogar informiert, dass die Schuhe bezahlt und auf dem Weg zu mir seien.

In diesem Sinne, lieber Kunde – danke fürs Lesen!

Autor

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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