Reisewelten Rom

„Jump the Line?“

Wenn es eine Tuer gaebe, koennte man ein Schild daran machen: „Wegen Ueberfuellung geschlossen“. Es gibt aber keine Tuer. Und ich bin ja auch selbst schuld. Wer um Ostern rum nach Rom fliegt, muss damit rechnen, dass es voll ist.

Rom ist trotzdem grossartig. Die Stadt ist extrem chaotisch, unglaublich teuer und total schoen. Und sie hat etwas von London: Man muss andauernd und ueberall Schlange stehen. Ganz egal ob man nun ins Kolosseum moechte oder in einen Club – man kann sicher sein, dass mindestens 300 andere Menschen die selbe Idee hatten und bereits vor dem Eingang warten.

Diesen Umstand machen sich zahlreiche echte und selbst ernannte Tourguides zu nutze. Kaum einen Satz habe ich in den vergangenen drei Tagen so oft gehoert wie „You want to jump the line?“. Das bieten die zahlreichen Tourguides an, die vor saemtlichen Sehenswuerdigkeiten warten. Um sofort aus der Schlange heraus- und dann am Eingang durchgewunken zu werden, muesse man nur ein paar Euros mehr bezahlen und sich fuer eine gefuehrte Tour entscheiden.

Da zwar all diese Guides unterschiedliche Ausweise um den Hals haengen haben, von denen zumindest nicht alle selbst gebastelt aussehen, moechte ich die Seriositaet ihrer Angebote nicht generell in Abrede stellen. Faszinierend finde ich allerdings, welchen Druck sie mit ihrem Angebot offenbar aufbauen. Denn Schlangestehen ist nur dann ein notwendiges Uebel, wenn man es nicht vermeiden kann.

Eroeffnet sich aber die (theoretische) Moeglichkeit, drum herum zu kommen, werden die Menschen nervoes. Wohl auch, weil es sich eben um eine theoretische Moeglichkeit handelt – warnen die Reisefuehrer doch ausdruecklich vor den falschen Guides, die Touristen mit ueberteuerten Angeboten aus der Schlange ziehen … Aber wenn dies nun ein echter Guide ist und man wirklich eine 1A-Tour bekommt und zugleich um das laestige Schlangestehen herumkommt … Manch einem scheinen diese Gedanken wirklich den Schweiss auf die Stirn zu treiben.

Ich finde das ganz unterhaltsam. Den zum Teil hitzigen Diskussionen zuzuhoeren, die gerade in deutschen Familien gefuehrt werden, wenn sie von einem Guide angesprochen werden, ist eine tolle Ablenkung vom Schlangestehen.

In diesem Sinne, you want to jump the line?

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

2 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Vielleicht sollte man geführte Touren im Tengelrewe in der Oststadt einführen. „Hier sehen Sie unsere gut sortierte Sammlung an Fertigchiligerichten und hier unsere ‚motivierten‘ Mitarbeiter“

    „Jump the Line“ wäre mir da, gerade in den Abendstunden, schon ein paar Cent wert – und die Führung alle mal 😀

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