Karlsruhe Mitmenschen

Hier unterschreiben

2009-03-23-fueller

Neulich im Bürgerbüro. “Jetzt müssen Sie nur noch hier unterschreiben”, sagt die freundliche Frau und reichte mir einen Stift und ein Blatt Papier mit einem großen, schwarz umrandeten Feld, das mit dem Wort “Unterschrift” gekennzeichnet ist. Ich nehme den Stift und das Papier und unterschreibe das Formular, mit dem ich einen neuen Personalausweis beantragen will.

“Mhm”, sagt die Frau und neigt den Kopf erst nach links, dann nach rechts, während sie auf meine Unterschrift schaut. “Mhm”, macht sie erneut. Dann schüttelt sie missbilligend den Kopf und sieht mich tadelnd an.

“Nein!”, sagt sie, “Nein! So geht das nicht! Sie müssen beim Unterschreiben schon innerhalb des schwarzen Kästchens bleiben.” Dabei deutet sie auf die Schleife, die ich beim Unterschreiben mache, wenn ich das ‘F’ von ‘Felix’ schreibe. Und tatsächlich: an zwei Stellen habe ich hier wohl zu schwungvoll Anlauf genommen und dabei über den Rand hinaus geschrieben.

Die junge Frau nimmt das Blatt mit dem zu schwungvollem ‘F’ wieder an sich, faltet es und wirft es in den Mülleimer. “Ich drucke Ihnen ein Neues aus”, sagt sie dann.

Dummerweise, und ich kann wirklich nicht so genau erklären, wieso, landet dieses Mal die linke, obere Ecke meines ‘N’ einen Tick zu weit oben und touchiert somit die obere Linie des schwarzen Kästchens etwa in der Mitte. Nicht doll, aber offensichtlich doll genug. Erneut sieht mich die nun nicht mehr ganz so freundliche Angestellte des Bürgerbüros tadelnd an. “Mhm”, macht sie. “Mhm. Nein, ich fürchte, das wird auch nicht funktionieren. Sie müssen wirklich innerhalb des Kästchens bleiben.”

Sagt es, nimmt das Blatt, legt es in den Scanner, wartet einen Moment, wiegt erneut den Kopf hin und her und schüttelte ihn schließlich entschieden. “Nein”, erklärt sie dann und wirft auch diesen Zettel gefaltet in den Papierkorb. “Nein, das geht so nicht.”

Erneut surrt der Drucker. Versuch Nummer drei. Ich kann die Gedanken förmlich hören, die der inzwischen offensichtlich genervten Bürgerbüroangestellten dabei durch den Kopf gehen. Das “Der Hellste bist Du aber auch nicht” steht ihr quasi auf die Stirn geschrieben, während sie mir Ausdruck #3 hinlegt.

Dieses Mal schaffe ich es. Zwar komme ich mit dem ‘r’ am Ende meines Nachnamens gefährlich nahe an den Kästchenrand, aber entweder hat die Bürgerbürofrau nun einfach genug, oder es passt wirklich. Das Formular verschwindet samt Foto im Scanner. Dass ich offensichtlich nicht in der Lage bin, mit meiner Unterschrift innerhalb eines sehr deutlich gezeichneten Rahmens zu bleiben, schiebe ich nun einfach mal auf meine offenbar sehr einnehmende und schwungvolle Persönlichkeit.

In diesem Sinne, dieser Blogeintrag wurde maschinell erstellt und ist auch ohne Unterschrift gültig!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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