Gedankenwelten

Herbstseebilderzeit

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Es ist noch nicht so lange her, dass I. und ich Schwierigkeiten hatten, einen Platz im Schatten zu finden. Jetzt ist es einsam geworden am Badesee in Wiley in Neu-Ulm. Nur ein paar Gänse gucken uns böse an, während wir mit unseren Kameras im Anschlag über das feuchte Gras in Richtung Ufer stapfen.

Natürlich: Nach dem Sommer kommt der Herbst. Mit 35 Jahren sollte ich das wissen. Dennoch habe ich manchmal das Gefühl, dass mich das Verstreichen der Zeit mit jedem zusätzlichen Lebensjahr ein bisschen mehr in Erstaunen versetzt.

Kennt Ihr das, wenn man morgens zu früh aufwacht und nicht mehr einschlafen kann? Anfangs freut man sich, wenn man auf die Uhr schaut und weiß, dass man noch zwei, drei oder mehr Stunden hat, bevor der Wecker klingelt. Irgendwann allerdings beginnt die Zeit gegen einen zu laufen. Aus drei Stunden werden erst zwei, dann eineinhalb und irgendwann weniger als eine halbe Stunde, während man sich müde hin und her wälzt. Egal was man tut, die Zeit verrinnt unaufhaltsam. Dabei wünscht man sich in solchen Momenten nichts mehr, als das Ticken der Uhr ein bisschen zu verlangsamen, zumindest so lange, bis man endlich wieder eingeschlafen ist.

Dann wieder gibt es diese Momente, wo die Zeit eigentlich gar nicht schnell genug vergehen kann. Wenn man auf etwas wartet – oder etwas endlich hinter sich bringen will. Wenn man immer wieder auf die Uhr guckt, die Minuten aber einfach nicht verrinnen wollen.

Im Soziologie-Teil meines Studiums habe ich gelernt, dass man Menschen nicht nach Zeiträumen fragen sollte. Sinnvoller ist es, emotional besetzte Orientierungspunkte zu nutzen. Statt in einem Fragebogen zu erheben, ob man innerhalb der vergangenen zwölf Monate einen neuen Fernseher gekauft hat, soll man lieber fragen, ob man seit dem letzten Weihnachtsfest ein neues Fernsehgerät angeschafft habe. Die Anschaffung eines neuen TV-Geräts könnte den Befragten schließlich so sehr emotional bewegt haben und bis heute bewegen, dass er sicher ist, diese tolle Erfahrung im laufenden Jahr gemacht zu haben, selbst wenn sie schon über eineinhalb Jahre her ist. In Relation zu einem anderen markanten Ereignis gesetzt fällt die zeitliche Einordnung im Allgemeinen leichter.

Was den zeitlichen Ablauf angeht, tue ich mich gerade wahnsinnig schwer, die Orientierungspunkte des aktuellen Jahres zeitlich einzusortieren. Gefühlt sind I. und ich gerade erst über die völlig überfüllte Liegewiese gelaufen. Wir waren gerade erst in München und haben uns gefreut, im Februar schon im Biergarten sitzen zu können. Und wann habe ich eigentlich meinen einwöchigen Roadtrip durch Deutschland unternommen?

Es wird wohl wirklich langsam Zeit für Weihnachten … in diesem Sinne!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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