Gedankenwelten

Gutes Taxi, böses Taxi

Es gibt Menschen, die zahlen 30 Euro für ein Taxi und lassen sich von Mitte aus zum Flughafen Schönefeld bringen. Andere wiederum zahlen den selben Betrag und fahren keinen Meter weit. Statt dessen sorgen sie dafür, dass ich bei der Nachtschicht wieder mal von einem Polizeieinsatz unterhalten werden.

Fünf Mexikaner, allesamt recht anstrengend, wollen zum Bahnhof und bestellen sich für kurz nach drei Uhr morgens ein Taxi. Das steht dann auch pünktlich um 3:15 Uhr in der Einfahrt. Weniger pünktlich die fünf Mexikaner. Sie bräuchten noch einen Moment, müssten noch was im Internet raussuchen. Der Taxifahrer nickt geduldig.

Es wird 3:30 Uhr. Mittlerweile haben die fünf Reisenden ihr Gepäck im Kofferraum des Minivan verstaut. Sie bräuchten allerdings noch ein paar Minuten. Der Taxifahrer erinnert vorsichtig daran, dass auch während des Wartens der Taxameter liefe. Die Mexikaner surfen im Internet.

3:40 Uhr. Der Taxifahrer stellt die Mexikaner vor die Wahl: entweder es geht jetzt los oder er haut wieder ab. Für die Wartezeit bekäme er 15 Euro, so oder so. Die Mexikaner diskutieren, kommen zu dem Schluss, dass sie noch einen Moment bräuchten. Der Taxifahrer beginnt das Gepäck wieder auszuladen.

3:50 Uhr. Der Taxifahrer weist darauf hin, dass er die Mexikaner sie nun nicht mehr zum Bahnhof fahren würde. Auf das Geld für die Wartezeit besteht er. Die Mexikaner sind sauer, schimpfen und verlangen nach einem neuen Taxi. Der Taxifahrer schimpft ebenfalls und verlangt nun 20 Euro.

3:55 Uhr. Aus 20 Euro sind 25 Euro geworden, die Mexikaner beschließen, die 15 Euro von 3:40 Uhr zahlen zu wollen. Der Taxifahrer wedelt mit seinem Handy und droht mit der Polizei. Die kommt um kurz nach 4 Uhr. Zwei Polizisten, von denen einer auf der Seite des Taxifahrers ist, der andere auf der Seite der Mexikaner. Beide wirken ratlos. Ich übrigens auch. Keiner mag meine Vermittlungsvorschläge. Der Taxifahrer verlangt 30 Euro.

4:10 Uhr. Der eine Polizist erzählt von einem Spanienurlaub, bei dem er Taxi gefahren ist. Der andere kann zur Überraschung seines Kollegen spanisch sprechen. Keine Lösung in Sicht. Der Taxifahrer beginnt arabische Kraftausdrücke zu benutzen.

4:20 Uhr. Die Mexikaner bezahlen 30 Euro und bestellen ein neues Taxi. Der Taxifahrer stellt eine Quittung aus und droht den Fünf mit Schlägen bevor er verschwindet. Die Mexikaner haben Angst und verlangen nach der Polizei. Ich beruhige sie mit einem Zettel, auf den ich groß 110 schreibe.

4:30 Uhr. Die Mexikaner, die Polizisten und auch der Taxifahrer sind ihrer Wege gegangen. Ich habe endlich meine Ruhe und kann mich dem überlaufendem Email-Posteingang widmen. Brauche weder Kredit noch Penisvergrößerung, verschiebe daher fast alle Mails in den Spam-Ordner. Beginne damit, mich auf den Feierabend zu freuen.

8:00 Uhr. Fahre nach Hause.
Mit der Bahn, nicht mit dem Taxi.

In diesem Sinne, frohe Kreisfahrt!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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