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Freie Kakerlaken

2013-05-26-Road-to-Cafayate-1

Angst vor Kakerlaken sollte man natürlich nicht haben. Die sind nämlich fast immer dabei, wenn in amerikanischen Filmen jemand in ein neues Leben aufbricht. Sie wohnen in den billigen Motels in der Nähe des Highways, und sie sind auch in den Absteigen zuhause, in denen der oder die Heldin später in New York oder Los Angeles unterkommt. Amerika ist das „land of the free“ – freie Kakerlaken eingeschlossen.

Trotzdem träume ich manchmal davon. Ein paar Habseligkeiten in den Kofferraum eines alten Chevy packen, losfahren und ganz woanders ganz von vorne anfangen. In den Filmen sieht das immer so schön einfach aus, trotz (oder wegen?) der Kakerlaken.

Wir Deutschen sind da schwieriger. Das fängt schon beim Meldewesen an. Umzuziehen ist in Deutschland ein gewaltiger bürokratischer Akt, jeder Wohnortwechsel eine Herausforderung, die abgestempelt und in dreifacher Ausführung bestätigt werden muss. Dabei sind die USA flächenmäßig gut 27 mal größer als Deutschland. Sollte ein Wechsel des Wohnorts hier nicht komplizierter statt einfacher sein?

Natürlich weiß ich, dass gerade das klassische Filmmotiv – junger Mensch zieht in die Großstadt, um es dort endlich zu schaffen – romantischer Quatsch ist. Natürlich ist nicht alles Gold, was 50 Sterne hat. Dennoch träume ich manchmal genau davon. Ein paar Sachen in den Kofferraum packen, ein letzter Blick zurück und auf und davon.

In diesem Sinne, gute Reise!

PS: Um korrekt zu bleiben: das Bild habe ich in Süd-, nicht Nordamerika aufgenommen. Aber das nur am Rande.

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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