Eitelkeiten Webwelten

Fight Club

Ich hab Dich gestern gegoogelt – wer mit diesem Satz ein Date beginnt, hat von Anfang an schlechte Karten. Dabei erfüllt er (oder sie) doch eigentlich eine Vorgabe, die wohl die meisten Menschen sich bei einem Partner wünschen: Ehrlichkeit!

Zumindest in meiner Generation scheint es mir mittlerweile üblich, den Namen potenzieller Beziehungspartner, des neuen Schwarms oder auch alter Klassenkameraden zu googeln und/oder zumindest versuchsweise einmal in das StudiVZ-Suchfeld einzugeben. Nur zugeben, das würden es wohl die wenigsten – vor allem nicht gegenüber dem, den man da gesucht hat.

Von den Nutzerstatistiken dieses Blogs weiß, dass immer wieder Leute hier landen, die bei Google einfach nach meinem Namen gesucht haben.
Wer sind diese Leute? Aktuelle oder potenzielle Chefs? Ex-Freundinnen? Verrückte Stalker? Und was schließen all diese Leute aus dem, was sie über mich finden?

Vor ein paar Monaten habe ich mal etwas über die verräterischen Fotoalben im StudiVZ geschrieben. Auch heute noch finde ich es unheimlich, dass man mittlerweile bei jeder Party damit rechnen muss, am nächsten Tag unschön verlinkt in irgendwelchen Bildersammlungen aufzutauchen – gut sichtbar für all diese oben genannten Leute.

Die “Webidentität” eines Menschen ist längst nicht mehr nur irgendeine Spielerei. Im Gegenteil – sie ist wertvoll genug, dass es mittlerweile Firmen gibt, die daraus ein lukratives Geschäft gemacht haben. Reputation-Defender etwa wirbt damit, alles zu finden, was über eine Person im Web zu finden ist – und dann dafür zu sorgen, dass ungewünschte Infos wieder verschwinden. Gegen entsprechendes Entgeld, versteht sich.
Andere Firmen wiederum versprechen, die eigene Identität publikumswirksam aufzumotzen oder – dem Datenschutz zu liebe – sogar ein komplett neues Web-Ich zu kreieren.

Ich habe mir angewöhnt, mich hin und wieder selber zu googeln. Selbst wenn ich es nur bedingt steuern kann, so möchte ich doch zumindest wissen, was in den Weiten des Internets über mich zu finden ist. “Vanity Search” heißt diese Art der Suche, denn egal wie man sie begründet, letztlich hat das sich-selber-Googeln eben immer auch etwas mit persönlicher Eitelkeit zu tun.

Diese Eitelkeit kann man übrigens seit einigen Monaten auch lustig animiert ausleben: “Googlefight” heißt eine Seite, wo man Suchbegriffe im wahrsten Sinne des Wortes gegeneinander antreten lassen kann. Zum Beispiel mich gegen George W. Bush (er gewinnt, leider) oder Hillary Clinton gegen Barack Obama. Aber das ist ein anderes Thema.

In diesem Sinne, einen fairen Kampf bitte!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

3 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Besonders gerne habe ich die Variante “Im StudiVZ hast Du aber einen Bart…” – mein Bruder will sich partout nicht rasieren.

    Aber solange sich die vorgefaßten Bilder auf meine Gesichtsbehaarung beschränken, fühle ich mich geehrt, dass jemand Fremdes seine kostbare Zeit darauf verwendet, 10.000 hits auf Infos zu meiner Person zu scannen!

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