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Esel in Flip-Flops

image“Just like donkeys”, sagte P., “Just like a herd of donkeys that is led to the next watering hole.” P. hat das im Spaß gesagt. Es umschreibt den Beginn eines ganz normalen Ausgeh-Abends in Chora auf der griechischen Insel Ios aber ganz gut.

Begonnen wird der normalerweise auf der Terrasse des Hostels, das übrigens fast ausschließlich von Australiern bewohnt wird (soweit ich es bisher mitbekommen habe, bin ich der einzige Deutsche). Um 22:30 Uhr griechischer Zeit (also meist etwas später) werden hier Abend für Abend die “Welcome Shots” für Neuankömmlinge serviert, sprich: Es gibt eine Runde Schnaps umsonst für alle und dazu die Aufforderung der Barkeeperin, to relax,enjoy and make some friends. Sonderlich schwer ist das nicht. Australier sind aufgeschlossene Menschen und viele von ihnen zu diesem Zeitpunkt längst techtschaffend angetrunken.

Gegen halb eins kommt dann der Teil mit den Eseln (donkeys). Dann nämlich schließt die Bar und mit einem oder zwei Hostelangestellten als Leittier vorweg geht es mit 50 oder 60 zumeist jungen Leuten durch die engen Altstadtgassen quer durch das sich gerade warmlaufende Partygewühl von Ios – direkt zum nächsten Wasserloch. Mit ein bisschen Phantasie oder den entsprechenden Masken dürfte dieser Umzug tatsächlich an eine Horde Esel erinnern – Esel in Flip-Flops eben.

In mir kommen dabei allerdings noch ganz andere Erinnerungen hoch. Während mich Ios selbst vor allem an die ersten Party-Urlaube auf Mallorca oder an der Costa Brava denken lässt – unzählige Bars und Clubs, die mit Flugblättern, Freigetränken und “Buy 7 shots, get a free T-Shirt” um Kundschaft werben – lassen mich die Feiernden um mich herum an mich selbst vor etwa acht Jahren denken. Ich erinnere mich an feuchtfröhliche Nächte in Buenos Aires oder in Cordoba und an der australischen Ostküste. Während meiner Weltreise habe ich das genossen. Vermutlich war die Erinnerung an diese Zeit sogar der Grund für die recht spontane Entscheidung, diesen Stopp auf Ios einzulegen, bevor ich morgen weiter nach Santorini reise. Gelohnt hat der sich aber auf jeden Fall. Ich hatte meinen Spaß. Drei Tage davon sind allerdings auch definitiv genug.

In diesem Sinne, ich werde wohl doch alt…

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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