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28/7

C. sieht nicht aus, wie man sich einen australischen Miner, einen Bergmann also, vorstellt. Auf den ersten Blick wirkt er eher schmächtig. Erst auf den zweiten Blick sieht man die Muskeln. „Von der Arbeit? „, will ich wissen, während wir mit Blick auf den Hafen von Ios auf der Terasse des Hotels sitzen. „Nein“, winkt C. ab, „vom Fitnessstudio.“ Nach der Schicht, die zehn oder zwölf Stunden dauere, habe man im Outback nicht viel anderes zu tun, als in die Kantine zu gehen und zu trinken oder Sport zu treiben. „Ich tue meist beides“, sagt C. und grinst.

C. ist 30 und arbeitet erst seit acht Monaten als Miner. Seine Freundin habe ihn darauf gebracht, weil er einen Job gesucht habe, wo er schnell viel Geld verdienen kann. Anschließend habe sie sich von ihm getrennt, weil sie festgestellt hatte, dass sie doch nicht mit einem Miner zusammen sein könnte.

Normalerweise arbeite er 28/7,sagt C.. Vier Wochen schuften, dann 7 Tage plus einen Extratag frei. „Wenn Du das machst, läuft das sonstige Leben völlig an Dir vorbei. Hochzeiten, Geburtstage – nichts bekommst Du mit!“

Trotzdem wolle er nach der Rückkehr nach Australien noch mindestens ein Jahr so weiter machen. Sein Vertrag sei gerade verlängert worden.

Und  danach? „Mal schauen“, sagt C. und zuckt mit den Schultern. Vielleicht Kanada, ergänzt er dann nach einer kurzen Pause. In Athen habe er da ein Mädchen kennengelernt…

In diesem Sinne, Gruß aus Griechenland!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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