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Drogenstadt Ravensburg

Manchmal fehlt mir der Puff im Vorderhaus. Auch der „Darkroom“ schräg gegenüber meines alten Wohnhauses in Berlin hatte einen gewissen Charme. Selbst wenn ich nie auf die Idee gekommen wäre, dort hinein zu gehen, so verbreitete er doch dieses Großstadtflair: Jeder soll nach seiner Fasson glücklich oder zumindest befriedigt werden.

Man mag es Ignoranz nennen, ich jedenfalls mochte dieses anonyme aneinander vorbei Leben.

Ravensburg ist da natürlich anders. Schon wegen meines (noch) fremden Kennzeichens falle ich auf. Auch meine Vermieter wissen in der Regel, ob ich zuhause oder unterwegs bin. Qua meines Berufs werde ich nicht immer, aber immer öfter erkannt, zumindest wenn es um offizielle Stellen geht. Mir geht es nicht anders: laufe ich an einem Samstag über den Marienplatz im Stadtzentrum erblicke ich mittlerweile zumindest dann und wann bekannte Gesichter.

Anonym kann man hier schwerlich leben, das habe ich schon in der ersten Woche zu spüren bekommen, als mich eine neugierige Nachbarin ausgefragt hat. Wie beruhigend ist es da, dass Ravensburg doch nicht ganz so unschuldig ist, wie es immer tut.

Gleich zwei mal war ich letzte Woche im Landgericht, um von einem Prozess gegen einen vermeintlichen Großdealer zu berichten. Haschisch, Koks, Heroin, Pillen, Speed, das ganze Programm eben, soll der 33-Jährige vertickt haben. Vor allem mit kleineren Dealern soll er Geschäfte gemacht und dabei mehrere zehntausend Euro Gewinn eingefahren haben.

Schon irgendwie beruhigend, dass auch hier nicht alles so brav und friedlich ist, wie es auf den ersten Blick scheint.

In diesem Sinne, viele Grüße aus dem Drogensumpf Ravensburg!

Autor

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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