Beziehungsweise Frauen Fremde Federn

Delmenhorst

2009-09-23-delmenhorst

Ich bin schon mal durchgefahren, mit dem Zug. Wenn ich mich recht erinnere, hatte ich hier  sogar ein oder zwei Minuten Aufenthalt. Hätte aber nicht sein müssen. Viel gab es nicht zu sehen.

Bekannt geworden ist der kleine Ort in Niedersachsen durch Sarah Connor, die hier aufgewachsen ist. Ihrer Nase übrigens auch. Und durch Sven Regener, der ein Lied über “Delmenhorst” geschrieben hat. “Ich bin jetzt immer da, wo Du nicht bist”, singt Regener, “und das ist immer – Delmenhorst”.

Wenn eine Beziehung endet, ist es mit der Freiheit danach so eine Sache. Frauen haben sie das komische Bedürfnis, ihre Freunde erziehen zu wollen. Liebenswürdig und dogmatisch zugleich haben sie es sich dem Ziel verschrieben, aus vermeintlich ungehobelten Mannsbildern wahre Kavaliere oder wenigstens bessere Menschen zu machen. Um so dramatischer, wenn die Beziehung zu Ende geht, bevor sie dieses Ziel verwirklichen konnten. Ihre Bemühungen leben nämlich fort, so oder eben so.

“Es ist schön, wenns nicht mehr weh tut”, singt Regener und dass sein lyrisches Ich die Klamottenfarbe nun selbst bestimmt. Ich muss bei dabei immer an eine Kette denken, die mir eine Freundin mal geschenkt hat. Bis dato war ich nicht der Mensch gewesen, der Schmuck getragen hat. Die Kette gefiel mir aber. Daran änderte auch nichts, dass besagte Freundin und ich uns wenige Wochen später getrennt haben. Die Trennung war von mir ausgegangen, trotzdem habe ich die Kette noch gut ein halbes Jahr lang getragen. So lange, bis sie irgendwann den selben Weg gegangen ist, wie die Beziehung (sie ist kaputt gegangen).

Heute frage ich mich, was ich mir dabei gedacht habe. Gefiel mir die Kette so gut, dass ich sie weiter als eine Art modisches Ascessoir  mit mir rumtragen wollte? (Das wäre unheimlich. Sollte ihre Erziehung wirklich derart tiefenwirksam gewesen sein?) Vielleicht habe ich mir auch gar nichts dabei gedacht und die Kette einfach aus Gewohnheit weiter getragen? (Auch keine besonders realitätsnahe Vorstellung, dafür denke ich zu viel.)

Jede Beziehung hinterlässt ihre Spuren, selbst dann, wenn man sich diese nicht um den Hals hängen kann. Manche dieser Spuren verlieren sich irgendwann, andere hinterlassen Narben oder sogar tiefe Krater. Alles andere wäre wohl komisch. Trotzdem habe ich keine Ahnung, wie Regener ausgerechnet auf Delmenhorst gekommen ist. Zumal es sich bei dem im Song immer wieder besungenen Geschäft, “Getränke Hoffmann”, um eine originär Berliner Getränkehaus-Kette handelt. Aber das ist ein anderes Thema.

Jedenfalls schön, wie der Element of Crime-Sänger das Ende einer Beziehung umschreibt, die zumindest im Kopf noch nicht wirklich zu Ende ist.

In diesem Sinne, hinter Hurting ist ein Graben …

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

1 Kommentar Neues Kommentar hinzufügen

  1. Wirst Du doch noch zum EoC-Fan? Gerade läuft bei mir nonstop die neue, gerade eine Woche alte CD.
    “Es ist schön, wenns nicht mehr weh tut und wo zu sein, wo du nie warst”, so geht es eigentlich weiter. Jedenfalls kann man wie wohl auch Regener davon ausgehen, dass die meisten Menschen noch nie in Delmenhorst waren. Du bist hier eine große Ausnahme! ;-)
    Lieebe Grüße,
    Julia

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