Zeitreisen

Déjà Vu

Wiederholungen gehören ins Fernsehen. Behaupte ich jetzt mal. Wiederholungen gibt es auch im Leben. Das behauptet jedenfalls meine SMS-Freundin. Eigentlich, schreibt sie, wäre doch im Prinzip alles nur eine Neuauflage des bereits Erlebten – „Oder kommt irgendwann noch mal was Neues?“

Um mit Dietrich Schwanitz zu sprechen: nein!
Zumindest was das geschriebene Wort angeht, so ist der Autor von „Bildung“ und „Der Campus“ der Ansicht, dass im Endeffekt die gesamte abendländische Literatur im Prinzip schon längst als abgeschlossen gelten kann. Einerseits mit der Bibel, andererseits mit Homers Beschreibungen von Odysseus, alles andere seien nur Variationen dieser Urformen. So Schwanitz zur Literatur.

Mit dem Leben ist das gar nicht so anders. Zwar möchte ich mich hüten, hier Inhalte aus der Bibel oder der Odyssee zu unterstellen. Trotzdem kommt es mir manchmal vor, als wären die meisten Situationen im Leben, ob Höhen oder Tiefen, nichts weiter als Variationen eines bereits erlebten Themas.

Ist Liebeskummer mit Ende 20 denn so viel anders, als er es mit 14 war? Erfahrener sind wir höchstens in der Interpretation der Gefühle. Das Gefühlte selber dagegen ist und bleibt letztlich doch das gleiche.

Dieser Gedanke mag anfangs erschreckend klingen. Irgendwann bekommt er allerdings etwas Beruhigendes. Wer alles erlebt hat, den kann nichts mehr schocken. Obschon er oder sie natürlich nie weiß, ob wirklich schon alles erlebt wurde. Oder ob nicht vielleicht noch irgendwo eine Variation des Erlebten lauert, die bisher noch nicht da gewesen ist. Aber das ist vielleicht doch eine andere Geschichte. 

In diesem Sinne, frohes Wiederleben!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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