Desillussionierend Frauen Gedankenwelten

Date-Domino

Wenn man beim zweiten Date merkt, was man beim ersten Date alles falsch gemacht hat, ist das komisch. Komischerweise ist es aber nicht ungewöhnlich. Dass es trotzdem zu einem zweiten Date kommen kann, muss in der menschlichen Natur liegen. Die ist schließlich ebenfalls oft genug komisch.

„Bei einer ersten Verabredung merke ich normalerweise schon nach ein paar Minuten, ob ich noch eine zweite möchte“, gestand mir vor einiger Zeit eine gute Freundin. „Kommt er pünktlich oder zu spät? Redet er nur über sich oder kann er auch zuhören? Strahlt er eine gewisse Sicherheit aus? Und wie enttäuscht ist er, wenn er merkt, dass er mich heute Abend nicht ins Bett bekommen wird“, zählte sie an ihren Fingern auf.

Klingt an sich schlüssig. Ich bin allerdings überzeugt, dass das nur eine Seite der Medaille ist. Nicht gleich den quasselnden Angeber auf der Suche nach einem One-Night-Stand raushängen lassen? Ich dachte immer, das sei selbstverständlich. Ist es aber anscheinend nicht … Das kann aber doch nicht wirklich alles sein?

Ist es auch nicht. Ich behaupte sogar, das Meiste davon ist mehr als nur zweitrangig. Was zählt ist ein einziger, kleiner Impuls. Ja – oder nein. Vor einer Frau (und auch vor einem Mann) kann das größte Arschloch sitzen, senkt oder hebt dieser Impuls den Daumen, ist (erstmal) alles entschieden, ganz egal, was danach kommt. Das Deprimierende – oder das Gute dabei (je nachdem): Dieser Impuls ist praktisch nicht steuerbar. Weder bei anderen, noch bei sich selbst.

Schmerzhaft spürbar ist das, wenn man sich unglücklich verliebt. „Kämpf um sie!“, sagen gute und vermeintlich schlaue Freude. Doch das ist Quatsch! Wer nicht will, der will nicht. Meistens zumindest. Wer will, der sieht auch über das eine oder andere Fettnäpfchen hinweg (zumindest in einem gewissen Rahmen – um das hier nicht als Fettnäpfchenfreibrief verstanden zu wissen!).

Richtig bewusst wird einem diese gewöhnungsbedürftige Tatsache, wenn es zum zweiten oder drittem Date kommt. Die erste Aufregung ist verflogen, genau so wie die erste Unsicherheit. Man spricht plötzlich offener miteinander. „Ich mag es nicht, wenn er mir andauernd die Tür aufhält“, sagt sie und ihm wird schmerzhaft bewusst, dass er genau das die ganze Zeit getan hat. „Gute-Nacht-SMS nach dem Verabschieden finde ich schön“, erklärt sie ein paar Gesprächsthemen weiter und ihm wird klar, dass er sich eben diese immer mühselig verkniffen hat.

Auch wenn man doch so gerne alles richtig gemacht hätte, am Ende war es das genaue Gegenteil, so scheint es. Nach und nach fällt all das in zusammen, was man sich Date für Date aufgebaut hat – oder was man zumindest dachte, dass man es sich aufgebaut hätte.

Erstmal hat das etwas furchtbar Frustrierendes. Allerdings nur, wenn man nicht weiter darüber nachdenkt. Bei genauerem Hinsehen wird nämlich klar: Fehler sind in der menschlichen Natur durchaus mit einkalkuliert. Wäre es überhaupt zum zweiten Date gekommen, wenn der erste Stein gleich das Gesamtbild umgeworfen hätte?

In diesem Sinne, Luft holen und langsam bis drei zählen!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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