Reisewelten Splitter

Das Untier

Es war irgendwo da draußen, das konnten wir hören. Schnaufend bewegte es sich auf die Hecke zu, bis es ganz darin verschwunden war. „Ein Hund“, war G. sicher, „ein ziemlich großer Hund!“

„Für einen Hund klingt das zu groß“, befand R., „es muss etwas anderes sein.“ Wieder Schnaufen, Blätterrascheln. Was immer es war, es bewegte sich nun parallel zur Hecke und kam dabei langsam näher.

„Kann das ein Wildschwein sein?“, sagte nun ich, mich an eine nächtliche Übung aus meiner Bundeswehrzeit erinnernd. Immer wieder war unsere Stellung dort von Wildschweinen misstrauisch beäugt und beschnauft worden. Aber ein Wildschwein – hier, auf einem Campingplatz?

Das Geräusch war inzwischen an uns vorbei weiter nach rechts gewandert. Trotz der nur von wenigen Laternen matt durchbrochenen Dunkelheit konnten wir nun deutlich die Bewegung in der Hecke ausmachen. Dazu wieder dieses Schnaufen. Es hatte sich offenbar um 90 Grad gedreht, das Dickicht verlassen und kam nun direkt auf uns zu.

Vorsichtig richtete ich meine Taschenlampe auf die Stelle der Hecke, an der das schnaufende Untier sie verlassen haben musste. Matt wurde das Licht von zwei schwarzen Augen reflektiert. Lange Stacheln glänzten im künstlichen Lichtkegel. Kleine Pfoten verharrten mitten in der Bewegung. So erschrocken war der kleine Igel, dass er sogar vergessen hatte, sich zusammenzurollen.

In diesem Sinne, unglaublich, wie viel Lärm ein so kleines Tier machen kann!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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