Berliner Leben Splitter

Das Strafgericht

Leider, und damit spreche ich wohl zumindest einigen Menschen aus der Seele, ist nicht den ganzen Tag EM. Im Gegenteil: zwei mickrige Spiele pro Tag, Beginn immer erst um 18 Uhr – selbst ausführliche Analysen nach und exzessive Berichterstattung vor dem eigentlichen Spiel kann da nur bedingt Abhilfe schaffen.

Ärgerlich ist das besonders für viele Gastwirte, die teilweise Unsummen in Beamer, Leinwände und sonstiges Equipment gesteckt haben oder sich von Lock-Rabatten wie “40% auf jedes Steak während des Spiels” zumindest ein Mehr an Laufkundschaft erhoffen (etwa das Steakhaus in meiner Straße). Zumindest hier in Berlin scheint mittlerweile sogar jede Dönerbuden – und sei sie noch so mickrig – zum EM-Quartier mutiert zu sein, und sei es nur, indem man den Fernseher aus dem heimischen Wohnzimmer auf eine Obst-Kiste vor dem Laden transferiert hat.

Was also tun mit den vielen EM-freien Stunden zwischen den Spielen?

Zumindest einige Läden haben eine Lösung gefunden: hier läuft jetzt tagsüber das gewöhnliche Nachmittagsprogramm. Von der Gerichtsshow bis hin zur Daily Soap bleibt keine Sparte unberücksichtigt. Ja, Berlin wird langsam aber sicher zu Bangkok, hier wird man nämlich, zumindest in den Backpacker-Ghettos, ebenfalls den ganzen Tag mit bunten Bildern aus der Flimmerkiste unterhalten. Nur sind das dann zumindest meist aktuelle Kinofilme und nicht “Das Strafgericht”.

In diesem Sinne, gute Unterhaltung!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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