Zeitreisen

Zeitreiseuhren

Der Laden ist nur ein paar Gehminuten von der Redaktion entfernt, dennoch hat man das Gefühl, in einer anderen Zeitzone gelandet zu sein. Oder besser: in 50 anderen Zeitzonen. Mindestens so viel Uhren gibt es in dem Laden nämlich – und alle zeigen eine unterschiedliche Zeit an.

Es ist, als wäre man versehentlich in die Anfangsszene von „Back to the Future“ hineinmarschiert (woher das Bild zu diesem Eintrag stammt), nur dass dort wenigstens alle Uhren gleich falsch gehen.

Hinter dem Tresen des kleinen Geschäfts steht normalerweise ein kleiner, unscheinbarer Mann mit Brille und schütterem Haar, der mindestens zehn Jahre jünger ist, als diese Beschreibung vermuten lässt. Meist repariert er Uhren. Mit kleinen Schraubendrehern, Mini-Zangen und einem Uhrmacher-Monokel, das er vor sein rechtes Auge geklemmt hat. Dass er auch mal eine Uhr aus dem reich bestückten Schaufenster verkauft hat, habe ich noch nicht beobachtet, will es aber deswegen nicht ausschließen.

Manchmal beneide ich den kleinen Mann hinter seinem großen Uhren-Reparatur-Tresen um seinen Beruf. Dabei habe ich eigentlich schon als Kind gewusst, dass ich Journalist werden möchte. Die alte Schreibmaschine meiner Mutter hatte es mir mit acht Jahren angetan. Trotzdem habe ich immer getüftelt. Mit Lego-Technik habe ich Autos und Maschinen entworfen. Ich habe Radios auseinander und dann wieder falsch zusammengeschraubt und ganze Notizbücher mit Ideen für (natürlich) bahnbrechende Erfindungen vollgekritzelt.

Ich weiß genau, nach spätestens einem Monat würde mir das langweilig werden. Trotzdem hat mich die Idee nie losgelassen. Tagelang in einer Werkstatt oder einem Labor stehen, still und geduldig ein Problem nach dem anderen lösen und am Ende etwas gänzlich Neues erfinden – das hatte für mich kleinen Jungen einfach was. Und hat es manchmal noch heute. Es muss an den Zeitzonen liegen.

In diesem Sinne, wie spät ist es?

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

2 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. ….und du hast aus meinem Dreirad ein „Kampf-Rad“ gebastelt, weißt du noch? Mit Sand, der meinen „Gegnern“ die Sicht nehmen sollte und Steine, die sie an der Verfolgung hindern sollten…das weiß ich noch ziemlich genau! Da hast auf jeden Fall die Muße gehabt längere Zeit an etwas zu basteln!

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