Pawlowsche Weihnachten

„Vielleicht wäre es weniger schlimm, wenn nicht alle auf die gleiche Idee gekommen wären.“ Habe ich das letztes Jahr nicht auch schon gedacht? Könnte auch vorletztes Jahr gewesen sein. Im Zweifel hatte ich diesen Gedanken in beiden Jahren. Daraus gelernt habe ich offensichtlich nicht. Statt dessen stehe ich zwischen unzähligen dick angezogenen Menschen, drängle mich an gefährlich vollen Bechern mit Glühwein vorbei, bloß um dann selbst einen Becher in der Hand zu halten. Dabei mag ich Glühwein nicht einmal besonders.

Er gehört nun einmal dazu. Wie der Besuch des Weihnachts Christkindlesmarktes (in Karlsruhe heißt das nicht Weihnachtsmarkt, verdammt noch mal!) in der Vorweihnachtszeit nun einmal dazu gehört. Vielleicht weil erst so greifbar wird, was ohnehin schon in der Luft hängt: Weihnachten eben.

Ich mag Weihnachten. Ich mochte Weihnachte immer schon. Als Kind wegen der Geschenke und der vielen Süßigkeiten, die ständig in großen Schalen auf den Tischen standen und von denen man bloß nicht zu viel naschen durfte, damit es nicht auffiel. Heute mag ich Weihnachten, weil das Fest das Ende des Jahres einleitet. Während es draußen immer dunkler wird, setzt die Weihnachtszeit warme Lichter gegen die Tristesse. Ganz anders als der Januar, der dann einfach nur noch kalt und dunkel ist und bleibt, bis irgendwann gegen Ende Februar wieder so etwas wie Frühling zu erahnen ist.

Vor allem aber bedeutet Weihnachten: abzuschließen. Gefühlt ist kurz vor Weihnachten die einzige Zeit im Jahr, wo die To-Do-Liste von Tag zu Tag ein bisschen kürzer wird, statt stetig zu wachsen. Was natürlich eine Illusion ist. Aber eine sehr gut gemachte. Die neuen To-Dos gibt es schließlich trotzdem. Aber sie landen auf einer andere Liste, die mit der Jahreszahl des kommenden Jahres überschrieben und irgendwo ganz unten in einer der unteren Schreibtischschubladen verstaut ist. Da sich auch hier (fast) alle einig sind, funktioniert das erstaunlich gut.

Weihnachten ist die einzige Zeit, bei der zwar nicht alle den Büro-PC irgendwann zum letzten Mal für dieses Jahr runterfahren, dies aber zumindest prinzipiell bei allen anderen antizipieren. Entsprechend hat man viel mehr Ruhe, wenn man arbeitet, und sowieso, wenn man frei hat.

Ich mag Weihnachten und die Vorweihnachtszeit. Manchmal schaue ich schon im November das erste Mal einen meiner persönlichen Weihnachtsklassiker wie die „National Lampoon’s Christmas Vacation“ oder „Christmas with the Kranks“. Für mich ist das wie ein Signal an meinen Kopf, sich langsam aber sicher auf Weihnachten einzustellen. Vermutlich ist es mit dem Christkindlesmarktbesuch ähnlich. Das Glühweingedränge ist meine Pawlowsche Weihnachtsglocke. Ob es mir gefällt oder nicht, ich brauche das offenbar einfach, um mit der Weihnachtsstimmung zu beginnen.

In diesem Sinne, oh Du fröhlich klingen die Glühweintassen … oder so.

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