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London revisited

Wenn ich einen Ort verlasse, sage ich mir normalerweise, dass ich ja wiederkommen kann. Ohne diesen kleinen mentalen Kniff würde ich vermutlich kaum einen Rückflug antreten können. Dass ich mich hierbei selbst betrüge, ist mir dabei durchaus bewusst. Denn auch wenn ich natürlich wiederkommen kann, ist oft keineswegs sicher, dass ich es auch tatsächlich tun werde. Und selbst wenn ich es tue, ist in der Regel weder der Ort derselbe geblieben noch bin ich es. Frei nach Heraklit: Man kann nicht zwei Mal in den selben Fluss steigen.

Manchmal kann gerade das aber auch sehr reizvoll sein. Im Schnitt fliege ich alle zwei Jahre nach London, meist im November oder Dezember. Meine beste Freundin lebt dort, so dass ich mich immer nur ein bisschen wie ein Tourist fühle und mehr wie ein Teilzeitbewohner (die echten Londoner mögen mir diese Anmaßung verzeihen), der die ohnehin rasante Veränderung der Stadt im Zeitraffer miterlebt. Hinzu kommt, dass mein Trick mit dem Wiederkommen hier mehr ist als nur ein Trick. Ich weiß, ich werde wiederkommen.

Besonders angenehm ist aber, dass sich nach dem zweiten oder dritten Besuch das Gefühl einstellte, jetzt eigentlich alles gesehen zu haben. Zusammen mit der Sicherheit, wiederzukommen, entspannt das die folgenden Besuche ungemein. Denn auch wenn man in einer Stadt wie London natürlich nie alles gesehen hat, stand ich nun nicht mehr unter dem Druck, gewisse Sehenswürdigkeiten unbedingt gesehen haben zu müssen, um auch wirklich in dem London gewesen zu sein, von dem alle (Reiseführer) reden.

Statt dessen kann ich mir Zeit nehmen, einzutauchen in das alltägliche London, einfach einmal mitzuschwimmen beim Alltag dieser Metropole. Dabei sind die obigen Bilder entstanden.

In diesem Sinne, frohe Weihnachten und so!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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