Gedankenwelten

Kinderparadies

Ich hätte gerne ein Bild gemacht. In dem Moment zu fotografieren, wäre aber wahrscheinlich nicht so gut angekommen. Zumindest die beiden Mädchen wäre mir böse gewesen. Die anderen Leute hätten mich vermutlich verstanden.

Das Ganze war im Erdgeschoss eines größeren Drogeriemarktes in der Innenstadt passiert. Zwei junge Frauen, Teenager, beide werden so 15 oder 16 Jahre alt gewesen sein, hatten es lustig gefunden, das Kinderparadies unter der Rolltreppe in Beschlag zu nehmen. Hier können einkaufende Eltern ihre Kinder mit Bauklötzen spielen oder auf hölzernen Schaukeltieren toben lassen. Ihre kleinen Kinder, wohlgemerkt.

Die beiden Mädchen setzten sich auf eben diese Schaukeln, was beide offenbar sehr witzig fanden. Für alle anderen im Laden war es dagegen eher nervig. Die beiden Mädchen alberten nämlich ziemlich laut rum. Besonders eine der Beiden lachte sogar so laut, dass irgendwann eine Verkäuferin auf sie aufmerksam wurde und sie bat, doch bitte das Kinderparadies zu verlassen.

Eben das, so gestand das Mädchen nun, könne sie nicht. Sie stecke fest.

Hätte man die Szene in einem Film gesehen, hätte man als Zuschauer vermutlich gesagt: das ist aber nun doch ein wenig unrealistisch. Wie real es war wurde zumindest dem feststeckenden Mädchen spätestens dann bewusst, als die Verkäuferin sich anschickte, die Feuerwehr zu rufen.

Dieser Schock wirkte. Vielleicht weil nun genügend Blut aus den Gliedmaßen in den Kopf gestiegen war. Der war nämlich inzwischen hochrot. In jedem Fall gelang es dem Mädchen nun doch, sich aus eigener Kraft zu befreien.

In diesem Sinne, vorsichtig im Kinderparadies!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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