Karriere Reisewelten

Generation Bahnhof

Generation Golf? Totaler Quatsch! Wenn wir überhaupt etwas sind, dann wir sind die Generation Bahnhof! Abschiede wie Wiedersehen, irgendwie finden die meisten davon doch noch im Schatten von Bahnhofsuhren und ICE-Zügen statt. Die passen auch viel besser in die Dramaturgie als Parkuhren.

Ich habe Freunde, die reden, als hätten sie ein Kursbuch verschluckt. Kaum machen sie den Mund auf, sprudeln Abfahrtszeiten und Anschlusszüge aus ihnen hervor. Ich nehme ihnen das nicht übel, denn sie können nicht anders. Wer arbeiten will, der muss flexibel sein – ich selbst bin in den vergangenen zwölf Monaten schon vier Mal umgezogen (meine Zeitung hat eben ein großes Verbreitungsgebiet).

Trotzdem ist es immer wieder ein komisches Gefühl, einen alten Freund, eine alte Freundin oder auch eine neue alte Liebe vom Bahnsteig abzuholen. Früher war das Bier am Abend nur einen Anruf und zehn Gehminuten weit weg. Jetzt müssen Terminkalender aufeinander abgestimmt, Umsteigezeiten berücksichtigt und Luftmatratzen aufgeblasen werden. Und am Ende entscheidet die Bahn, wie viel Zeit für den Abschied bleibt – abhängig davon, wie viel Verspätung der jeweilige Zug gerade hat.

In diesem Sinne, gute Fahrt!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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