Beziehungsweise Frauen

Job-Liebe-Analogien

Wer einen Job sucht, hat bessere Aussichten, wenn er schon einen Job hat. Das ist leider so. Wenn der Bewerber nicht auf die neue Stelle angewiesen ist, verbessert er damit automatisch seine Verhandlungsposition. Zugleich ist er natürlich für den potenziellen neuen Arbeitgeber interessanter. Schwingt bei ihm doch nicht der (vermeintliche) Makel der Arbeitslosigkeit mit.

Ich frage mich, ob das bei Beziehungen ähnlich ist.
Immer wieder stelle ich fest, dass ich anscheinend vor allem dann interessant für das andere Geschlecht bin, wenn ich eigentlich liiert bin. Solo hingegen muss ich so etwas wie einen Abwehrgeruch versprühen. Eine Art Insektenschutzmittel, dass eben nicht bei Mücken, aber dafür hervorragend bei Frauen funktioniert. (Mücken mögen mich eigentlich immer.)

Überträgt man das eingangs Gesagte auf Männer und Frauen, ist das auch durchaus schlüssig. Jemand, der schon einen Job hat, beweist damit, dass er offenbar zumindest grundsätzlich dazu in der Lage ist, einem Tagewerk nachzugehen. Analog dazu lässt bestehende Beziehung zumindest im Großen und Ganzen darauf schließen, dass er oder sie nicht völlig beziehungsunfähig ist.

Gleichzeitig stimuliert das vermeintliche vergeben-Sein natürlich den Jagdinstinkt des Anderen. Ein Faktor, den man nicht unterschätzen sollte, auch wenn er naturgemäß ausgerechnet dann nicht mehr ins Gewicht fällt, wenn das Ziel einmal erreicht ist. So lange dem aber noch nicht so ist, steigert das Vergeben-Sein aber durchaus den Marktwert.

Und schlussendlich ist es auch so, dass man vergebenem praktisch mit Netz und doppeltem Boden flirtet. Zumindest offiziell sind schließlich weder weitere Konsequenzen aus der Plänkelei geplant noch sind sie gewollt. Wer sich also all zu dumm anstellt, kann sich immer wieder auf die Position zurückziehen, ohnehin kein Interesse gehabt zu haben – schließlich sei man doch in festen Händen und die vermeintlich Auserkorene somit passé.

Ja, man muss wohl leider festhalten, dass wer einen Job sucht, besser dran ist, wenn er schon einen Job hat, und wer Beziehung sucht es zunächst mal leichter hat, wenn er schon in einer Beziehung ist.

Doch was fängt man an mit dieser Erkenntnis? Mietet man sich in Zukunft eine Freundin auf Zeit, wenn man eine auf Dauer finden möchte? Hierauf, lieber Leser, habe ich auch keine Antwort. Aber was fragst Du auch mich – ich bin schließlich solo.

In diesem Sinne, das Kleingedruckte im Mietvertrag nicht vergessen!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

1 Kommentar Neues Kommentar hinzufügen

  1. Ist vielleicht auch eine Frage von Angebot und Nachfrage:
    Vergriffene Artikel sind wesentlich höher im Handel, zumindest hypothetisch, als noch frei verkäufliche.

    Und das heißt dann auf Beziehungen übertragen, dass die bereits vergebene Person quasi Sammlerwert hat, wohingegen die Singles dieser Welt als Restposten gehandelt werden – bis sie wieder in Mode kommen.

    Für Liierte bedeutet das: Immer fleißig Inspektion machen, damit bei Abgabe des Oldtimers wenigstens „scheckheftgepflegt“ dabeisteht.

    Und was heißt das für Singles? Try not to become a „Ladenhüter“ – also Werbung drauf und raus damit!
    Nur aufpassen: Nicht unter Wert verramschen. Eigentlich easy, oder?

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