Gedankenwelten

Brötchengeber

Manchmal ist es schon komisch, welche Erinnerungen man mit bestimmten Lebensphasen verbindet. Gerade habe ich an die Bäckerei in Berlin denken müssen, in der ich immer meine Brötchen gekauft habe. Abgesehen davon, dass die irgendwann nicht mehr zehn, sondern zwölf Cent gekostet haben, waren es immer die gleichen „Schrippen“. Geändert hat sich das Drumherum – mein Leben.

Anfangs habe ich die Brötchen vor allem morgens gekauft und nachmittags gegessen. Das war noch zu meiner Zeit als Nachtportier. Die Bäckerei lag auf dem kurzen Weg von der S-Bahn zu meiner Wohnung, also habe ich gleich für mein nachmittägliches Frühstück eingekauft.

Später war ich vor allem Sonntags da und habe mir zu den Schrippen immer gleich die Sonntagszeitung(en) mitgenommen. Auch wenn ich mal Besuch hatte, der bis zum Frühstück blieb, war „mein“ Bäcker ein zuverlässiger Ansprechpartner. Oder wenn ich morgens früh joggen war, denn der kleine Laden lag direkt auf meinem Weg zum Sportplatz.

Wenn ich jetzt darüber nachdenke, wundert es mich ein wenig, dass mir gerade diese Bilder durch den Kopf schießen, wenn ich an meine Zeit in Berlin denke. Andererseits sind es nun mal selten die vermeintlich großen Augenblicke, an die man sich als erstes erinnert. Meist sind es doch die kleinen, ganz banalen Situationen – das Alltägliche eben. Vielleicht sollte man da mal drüber nachdenken.

In diesem Sinne, immer schön die Augen offen halten!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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