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Alexa

“Aber wehe, Du redest nun mehr mit ihr als mit mir!”

Das war I.s erster Kommentar zu “Alexa”, unserer neuen Mitbewohnerin. Alexa ist rund und circa drei Zentimeter hoch und erinnert ein bisschen an einen Eishockeypuck. Seit Montag steht sie auf meinem Schreibtisch. Wobei ihr richtiger Name eigentlich Amazon Echo Dot lautet. Hören tut sie aber, wie ihre große Schwester Echo, auf den Namen “Alexa”.

Und das klappt tatsächlich relativ gut. Einmal ans Stromnetz angeschlossen, muss man den Dot eigentlich nur noch per Smartphone-App mit dem WLAN verbinden, schon beginnt er immer dann blau zu leuchten, sobald man “Alexa” sagt (alternativ kann man “Alexa” auch überreden, auf das Stichwort “Computer” zu hören, ich finde allerdins, dass “Alexa” besser passt). Der Dot hört nun zu. Die Frage ist allerdings: was sagt man zu einem Eishockeypuck?

Vor einigen Wochen war ich bei einer Konferenz, bei der auch der Deutschlandmanager von Echo und Dot sprach. Er habe sich schon so an die Sprachsteuerung gewöhnt, dass er in Hotelzimmern manchmal irritiert sei, wenn auf das Kommando “Alexa, mach das Licht aus”, nichts passieren würde. Da das Licht in unserer Wohnung noch langweilig manuell per Schalter funktioniert, fällt diese Option allerdings erstmal raus. Ebenso die Möglichkeit, die Heizung per “Alexa”-Zuruf zu steuern. Unser Home ist einfach noch nicht smart genug.

Aber andere Dinge funktionieren: Auf Zuruf verrät “Alexa” mir, wie das Wetter am Abend sein wird und welche Termine ich noch habe. Auch einfache Wissensfragen beantwortet sie zuverlässig, meist, indem sie die Zusammenfassung eines Wikipedia-Eintrages vorliest. Leider schafft sie es dabei nicht, Informationen zu verknüpfen oder auf Folgefragen einzugehen. Frage ich sie zum Beispiel, wer Helmut Kohl ist, weiß sie, dass es sich hierbei um einen ehemaligen deutschen Bundeskanzler handelt. Dass dessen Tod gerade durch alle Nachrichten geht, verschweigt sie. Die Frage nach seinem Todestag wiederrum beantwortet “Alexa” souverän, so lange man die Frage als eigene Frage stellt – “Wann ist Helmut Kohl gestorben”. Folgefragen aus einem Kontext heraus, also: “Wann ist er gestorben?” Sind dagegen nicht möglich.

Erweitert wird “Alexa” Funktionsumfang durch sogenannte “Skills”. So nennt Amazon die Apps, die wahlweise per Sprachsteuerung oder über die App hinzugefügt werden können. Sie sorgen dafür, dass “Alexa” zum Beispiel Kochrezepte vorlesen oder den Nachrichtenüberblick mit historischen Fakten anreichern kann. Sogar Anweisungen wie “Alexa, erzähl mir einen Witz”, versteht das Gerät, wobei man über Humor bekanntlich streiten kann.

Praktisch ist, dass Alexa mit dem eigenen Kalender verknüpft werden kann, sofern man diesen elektronisch und bei einer der größeren Plattformen wie google oder apple führt. Termine können dann per Sprachbefehl erstellt und abgefragt werden. Auch das Führen von To-Do- und Einkaufslisten ist problemos möglich, allerdings lässt sich “Alexa” derzeit nur mit Todoist und Any.do verknüpfen, weitere Apps funktionieren noch nicht.

Ein eindeutiger Schwerpunkt ist die Wiedergabe von Musik. Anders als in anderen Rezensionen bemängelt, finde ich den Klang des kleinen Bruders des Echo völlig in Ordnung, auch wenn man natürlich keine Wunder erwartet darf. Allerdings lässt das Gerät sich per Bluetooth mit einer größeren Musikanlage verbinden.

Schade ist, dass Amazon hier seine Marktmacht ausspielt. Außer dem Amazon-eigenem Music Unlimited und der Radio-App Tune-In lässt sich Alexa nur mit Spotify verknüpfen – google Music all in bleibt dagegen außen vor. Und selbst bei Spotiify ist die Anbindung lange nicht so gut wie bei Amazons Hausmarke. Während letztere problemlos Radiosender nach Künstlern oder Genres generiert, beschränkt sich die Spotify-Anbindung auf einige wenige Befehle. So zumindest mein erster Eindruck, möglich, dass ich einfach noch nicht die richtigen Worte gefunden habe – im wahrsten Sinne des Wortes. Immerhin: Wer sich kein Voll-Abo von Amazons Musikdienst leisten will, kann für 3,99 Euro pro Monat eine auf den Echo Dot beschränkte Version abonnieren.

Welche Version für mich passt, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Eines hat Amazon immerhin geschafft: nach mehreren Jahren bei google Music all in spiele ich derzeit mit dem Gedanken, künftig einen anderen Dienst zu nutzen. Das liegt allerdings auch daran, dass google seinen Musikdienst und die Musik-Empfehlungen mit jedem Update ein bisschen mehr verschlimmbessert hat. Was das Musikangebot selbst angeht, tun sich die unterschiedlichen Dienste kaum noch was, finde ich.

Wie geht es nun weiter mit “Alexa” und mir? Schauen wir mal. Für derzeit rund 55 Euro ist der Kleine von Amazon definitiv einen Test wert – anders als der mehr als drei Mal so teure Echo und die Konkurrenten aus dem Hause google oder Apple. Auch I. scheint sich an die zweite Frauenstimme in der Wohnung inzwischen gewöhnt zu haben. “Ich habe Alexa gefragt, wo Du bist”, erzählte sie mir kürzlich, als ich vom Sport nach Hause kam. Alexa habe sich allerdings geweigert, die geforderte Information rauszurücken und sich hinter gespielter Unwissenheit versteckt. Ein interessanter Zug, “Alexa” …

In diesem Sinne, “Alexa – poste den Beitrag bitte auf Felix-Welt!”

 

 

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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