Nachtschicht

Was ein Service

Irgendwann kenne ich wahrscheinlich die gesamte Belegschaft der Berliner Polizei. Heute Nacht war es mal wieder so weit. Ich hatte Nachtschicht im Hostel, als gegen 2 Uhr morgens ein Streifenwagen vorfuhr. Zwei Polizisten stiegen aus und öffneten die hintere Tür. „Gefängnis voll, jetzt wird also in Hostels ausquartiert“ war mein erster, freilich nicht ganz ernst gemeinter Gedanke. Tatsächlich entstieg dem Wagen schließlich in einer sich endlos ziehenden Prozedur eine junge Engländerin, absolut volltrunken und mühsam gestützt von ihren beiden Freundinnen. Keine Ahnung, wo die drei gewesen sind oder was sie außer trinken dort getan haben (ich tippe einfach mal auf Pub Crawl), es dauerte jedenfalls eine geschlagene halbe Stunde, bis die junge Frau von ihren Freundinnen ins Hostel und schließlich auf ihr Zimmer bugsiert worden war. Wild schimpfend, übrigens. Worüber genau, kann ich nicht sagen, dafür hat sie zu sehr gelallt, aber über den Service der deutschen Polizei kann es ja eigentlich nicht gewesen sein.

Was war sonst? Das übliche, würde ich sagen. Angefangen bei dem zwar freundlichen, aber um so anstrengendere junge Mann, der sich ernsthaft eine Auswahl von Einkaufszentren mit Klimaanlage erstellen ließ, weil er das warme Wetter nicht mögen würde und die Zeit im Freien möglichst minimieren wollte. Oder die nette, kleine Chinesin, die sich für jede Frage entschuldigte und mir letztlich sogar anbot, mich beim nächtlichen Bettwäsche-Auffüllen zu unterstützen (was ich natürlich abgelehnt habe, die Geste fand ich aber trotzdem nett). Oder die beiden Teenie-Mädchen, die mich baten, ihnen die furchtbar geheime Adresse eines bestimmten, für unschöne Töne bekannten Berliner Plattenlabels rauszusuchen.
Eine ganz normale Nacht halt.

Nicht normal werden dagegen die nächsten drei Tage. Besuch aus Wuppertal ist in der Stadt und ich freue mich darauf, mal wieder für eine Weile Berlin auch für mich wieder mal neu zu entdecken.

In diesem Sinne 😉

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

1 Kommentar Neues Kommentar hinzufügen

  1. Und dann haben die beiden Mädels gar nicht nochmal nach der Adresse gefragt. Schon schade oder 🙂

    Aber weiter so! Bin schon auf die nächsten Stories gespannt 😉

    lg

    rotes plüschiges Etwas

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