Feierei

Völkerverständigung

Dann und wann klaffen Idee und Realität weit auseinander, so auch heute. Die Idee war ein Spaziergang im Treptower Park mit Anja, Realität wurde ein Spaziergang im Park mit Anja mit anschließendem deutsch-französisch-israelisch-japanischem Völkerverständigungsgrillen am Flutgraben in Treptow.

Aber von vorne:
Nachdem mein Nachbar sich am am frühen Sonntag- Nachmittag wieder mal zum fröhlichen Hämmern entschied (vielleicht ist er doch Bildhauer? Oder Hammer- Tester??) war ich trotz Nachtschicht recht früh wach. Immerhin, ich wurde von meinem Handy mit ein einem fröhlich aussehendem, kleinem, gelben Briefumschlag begrüßt: SMS von Anja; ob ich, entsprechende Wachheit vorausgesetzt, Lust auf einen Spaziergang im Treptower Park hätte.

Gesagt getan: nach Frühstück, Zeitung und einer Viertelstunde S-Bahn spazierten wir also bei strahlendem Sonnenschein und umzingelt von unzähligen anderen Spaziergängern, Joggern und Fahrradfahrern und komischerweise keinem einzigen Inline-Skater an der Spree entlang (Fotos). Eine gute halbe Stunde dauerte der Weg zur Insel, vorbei an den mit lautem 90er Jahre Technopop beschallten Biergärten und unzähligen Sonnenanbetern in Richtung Insel. Hat sich fast ein wenig wie Urlaub angefühlt.

Gegen sieben dann Anruf von Clementine, einer in Berlin lebenden Französin: um halb acht Grillen am Flutgraben beim Schlesischen Tor, also ganz in der Nähe. Ob wir Lust hätten. Ursprünglich hatte ich ja nach spätestens zwei Stunden wieder nach Hause fahren wollen, schon weil ich noch auf einen Anruf respektive Verabredung mit einer bestimmten Person gehofft hatte, andererseits war eben dieser Anruf noch nicht gekommen und das Handy hatte ich schließlich dabei – und verschwinden würde ich schließlich jederzeit können. Also Grillen.

Zwanzig Minuten später trafen wir also Uri, einen lustigen Israeli und derzeitiger Wahl-Berliner, am Flutgraben nahe dem Schlesischen Tor. Wenig später kamen auch Clementine, der Deutsche Gerd, dessen japanischer Freundin und, nach und nach, eine ganzer Reihe anderer Grillwilliger und ca. eine Millionen Moskitos dazu. Es wurde angestoßen, gegessen und geredet.

Und auch wenn der Abend seinem durchaus improvisierten Charakter treu blieb – es gab keinen Flaschenöffner für den Wein, wir mussten uns das Feuerzeug zum Entzünden der Grillkohle von einem vorbei kommenden Fremden leihen, und insgesamt gab es für elf Personen nur zwei, später nur noch ein Weinglas (dafür reichlich Flaschenbier) – Spaß hat es gemacht! Nebenbei war es zudem ein wahrlich internationaler Abend. Umgangssprache war zwar englisch, nichts desto trotz wurde je nach Grüppchenbildung ein recht spontaner Mix aus deutsch, englisch, französisch und hebräisch, manchmal auch alles gleichzeitig gesprochen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: ich hatte viel Spaß!
Immer wieder schön, wenn sich aus einem scheinbaren Nichts plötzlich etwas richtig schönes ergibt. Oder etwas völlig verrücktes. Aber das ist eine andere Geschichte, die dann eher mit der Rückfahrt via U1 und M10 zusammen hängt.

In diesem Sinne, Geduld ist auch eine Tugend!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

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