Mitmenschen Nachbarn Wunschträume

Beobachtet

Manchmal fühle ich mich beobachtet. Das mag daran liegen, dass ich Hochparterre wohne. Mein Balkon geht nach hinten zu einem kleinen Innenhof hinaus, der gleich von mehreren weiteren Innenhöfen und Wohnhäusern umschlossen wird. Hier gibt es nicht nur Tauben, Spatzen und diverse andere Vögel, die neugierig in mein Schlaf- und Arbeitszimmer gucken. Ich kann auch ganz gut das Leben meiner Nachbarn verfolgen – und sie meins.

Mich stört das nicht. Im Gegenteil, ich finde es sogar ganz unterhaltsam. Um mich herum sind so viele Balkone, dass ich mich noch einigermaßen anonym und trotzdem nie allein fühle.

Vielleicht liegt es daran, dass ich in einem ruhigen Zweifamilienhaus aufgewachsen bin. Als Kind konnte ich mit den anderen Kindern aus den anderen Ein- und Zweifamilienhäusern auf der Straße spielen. Normalerweise bis es dunkel wurde – dann mussten alle nach Hause.

Spätestens mit der Pubertät wurde mir das allerdings zu langweilig. Zwar musste ich nun nicht mehr nach Hause, nur weil es dunkel wurde. Wirklich viel passierte aber auch nach Sonnenuntergang nicht. Das Haus meiner Eltern steht in einer bequemen Wohnstraße mit einem Wald in der Nähe. Man kann hier stundenlang aus dem Fenster gucken, ohne dass etwas zu beobachten. Es gibt es keine Geschäfte, keine Gaststätten und nur selten Fremde. Man kennt und grüßt sich, wenn man sich auf der Straße begegnet.

Vielleicht habe ich deshalb bisher bei (fast) allen eigenen Wohnungen darauf geachtet, möglichst mittendrin zu wohnen. Ich genieße es, zur Kneipe (und wieder zurück!) laufen zu können, kein Auto zum Einkaufen zu brauchen und beim Blick aus dem Fenster immer wieder überrascht zu werden. Und wenn es nur eine Taube ist, die mich kritisch beäugt, während sie nach Großstadtabfällen fahndet.

In diesem Sinne, Gruß an meine Nachbarn!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

1 Kommentar Neues Kommentar hinzufügen

  1. Felix! Ich hatte auch so eine freche Taube! Stand auf dem Dach und hat mich beobachtet. Manchmal hat sie ne Kurve gedreht und ist dann wieder auf ihrem Stammplatz gelandet. In der neuen Wohnung beobachtet mich keine Taube mehr-mhmmm wie es wohl der kleinen Wedding-Taube geht?

    VLG Jenny

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