Großes Kind

Als Kind war die Sache ganz einfach: Irgendwann ist man halt erwachsen. Konkreter wurde dieser Gedanke selten. Wie auch, als Erwachsener ist man schließlich ein ganz anderer Mensch, so meinte man. Um so verwirrender die Erkenntnis, dass man als Erwachsener auch nicht viel mehr ist, als ein großes Kind.

Irgendwann stellt man fest, dass man auch mit weit über 20 nicht aus seiner Haut kann. Vielleicht ist es nicht mehr der Mathelehrer, der einem Angst macht. Die Angst hinter sich gelassen hat man deswegen aber noch nicht. Einzig der Wille, sie zu überwinden, ist möglicherweise stärker geworden. 

Ich finde es manchmal schön, manchmal unheimlich, dass gewisse Züge meiner Persönlichkeit auch über die Jahre nicht zu verändern scheinen. Ich bin noch immer furchtbar neugierig, was ich glücklicherweise zum Beruf machen konnte. Gleichzeitig ärgere ich mich, wie lange sich vor allem manche Sorgenkategorien gehalten haben. 

In diesem Sinne, Gruß an das Kind in Euch!

Gezwitscher

2009-02-16-twitter

140 Zeichen, weniger als in eine SMS passt. Wikipedia nennt es Mikroblogging, ich habe mich lange dagegen gesträubt.

“Twittern”, das bedeutet Zwitschern. Banales wie Wichtiges, exklusive Nachrichten genau so wie werbewirksame Unternehmens-Infos. Millionen Menschen und Unternehmen sorgen mittlerweile weltweit für eine Art Hintergrundrauschen für alle, die mitlesen möchten. 

Es ist ein Experiment, das ich wagen möchte: Der Felix-Welt-Twitter. Bloggen werde ich weiter alle zwei oder drei Tage. Wer mehr möchte, sollte bei Twitter einmal nach FelixWelt suchen. Zusätzlich zum eigentlichen Blog werde ich hier öfter Kurznachrichten unabhängig von Blogeinträgen veröffentlichen.

Übrigens: Rechts in der Leiste wird unter “Frisch gezwitschert” ebenfalls der jeweils aktuellste Twitter-Eintrag eingeblendet.

Ob das Sinn macht? Genau das möchte ich von Euch wissen! 

In diesem Sinne, ich bin auf Eure Meinung gespannt!

Platz 47

Die Rangliste als Bestseller: Nick Hornby hat das schon vor Jahren mit seinem Roman “High Fidelity” bewiesen. Der Pop-süchtige Held des Buchs, Rob Gordon, deklamiert darin sogar die Top Five der besten Songs für die Beerdigung des Vaters seiner Ex-Freundin Laura. Das Buch wurde ein Hit und gilt heute als das männliche Gegenstück zu “Bridget Jones Diary”.

Schwierig wird es mit Ranglisten bei zwischenmenschlichen Beziehungen. Es tut weh, wenn man bei der unangefochtenen Nummer Eins der eigenen Top 100 nur auf Platz 47 steht. Schließlich gibt es da auch in der eigenen Hitliste jemanden, der sich mit einer mittleren, zweistelligen Position begnügen muss – und mit dem möchte man bei einer solchen Konstellation nicht tauschen.

Man kann die Sichtweise des oder der anderen zu gut nachvollziehen. Genau das ist das Problem. Man weiß, wie unangenehm es ist, wenn man ungewollt bei jemanden die Spitze der Charts erklommen hat, dieses Gefühl aber nicht erwidert. Um so schlimmer ist es, wenn man sich selbst in eben dieser Situation wieder findet.

“Eigentlich ist es ein Wunder, wenn sich zwei Menschen finden, die sich einig sind, füreinander die Nummer Eins zu sein”, hat meine Schwester einmal gesagt. In weniger als drei Monaten heiratet sie ihre Nummer Eins. Schön, dass es auch das noch gibt.

In diesem Sinne, ich wünsche alles Gute!

Unheimisch

2009-02-11-hotelHotelzimmer sind nicht schön. Zumindest nicht in der Preisklasse, in der ich sie normalerweise buche. Trotzdem liebe ich Hotelzimmer. Vielleicht gerade weil sie nicht schön sind.

Es gibt Menschen, die wohnen dauerhaft in Hotels. Udo Lindenberg zum Beispiel (im Kempinski in Hamburg). Für die meisten anderen Menschen sind Hotels vor allem eines: Mittel zum Zweck. Sie sind Schlafzimmer auf Geschäftsreisen oder bieten ein Bett während des Urlaubs. Ihre Einrichtung ist funktional, praktisch, unpersönlich – eine Art weiße Leinwand. Wer ein Hotelzimmer bezieht, der kann gar nicht anders, als diesem gesichtslosen Raum seinen eigenen Stempel aufzudrücken.  

Wie viel Stempel bleibt allerdings jedem selbst überlassen. Ich packe normalerweise nur wenig aus und lebe weitestgehend aus dem Rucksack. Ich habe gar nicht das Bedürfnis, mich häuslich einzurichten. Warum auch? Kein anderer Raum kann so sehr Freiheit verkörpern, wie es ein Hotelzimmer tut, das man jederzeit schnell wieder verlassen kann. 

In diesem Sinne, Check Out bitte!

Gefährliches Rührei

2009-02-07Rührei, Sonntagszeitung und Radio Eins, für mich gehört das zu einem gelungenem Sonntag-Morgen einfach dazu. Es ist eine Art Ritual. Ich habe in Berlin damit angefangen und seitdem nicht wieder damit aufgehört. Vielleicht ist genau das Problem.

Der entscheidende Vorteil der Vergangenheit ist, dass wir wissen, wie sie ausgeht. Es ist leicht, sich auf ihr wie auf einem Ruhekissen auszustrecken. Ganz im Gegensatz zum Hier und Jetzt scheint die Vergangenheit kontrollierbar. Wie bei einem Film, den man schon kennt. Auch wenn es zwischendurch brenzlich aussieht, letztlich weiß man, dass der Held am Ende als strahlender Sieger da stehen wird. 

Vielleicht flüchte ich mich deshalb manchmal in Gedanken nach Berlin. Ich habe gerne dort gewohnt und habe die Stadt zumindest aus Sicht meines Lebenslaufs als Sieger verlassen. 

Manchmal frage ich mich allerdings, ob meine nicht nachlassende Affinität zu Berlin vielleicht kontraproduktiv für mein zukünftiges Leben ist. Ist es wirklich sinnvoll, Rührei zu essen und via Internetradio den Wetterbericht für eine Stadt zu  hören, die sieben Monate und 783 Kilometer entfernt ist?

In diesem Sinne, beim Blick in den Rückspiegel – Gruß an die Rodenbergstraße!

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