Homer Simpson

Vor zwei oder drei Jahren gab es in den USA eine Umfrage mit einem seltsamen Ergebnis: ein nicht geringer Prozentsatz der befragten Amerikaner gab an, am liebsten sein zu wollen wie Homer Simpson.

Das ist gleich in mehrerer Hinsicht überraschend: zum einen ist Homer Simpson kein Mensch, sondern eine Zeichentrickfigur. Zum anderen zeichnet er sich weder durch besondere Intelligenz, noch durch besonders gutes Aussehen oder sonstige vermeintlich erstrebenswerte Eigenschaften aus. Im Gegenteil: Homer Simpson hat genau drei Haare auf dem Kopf, ist übergewichtig, faul und nicht besonders schlau. 

Dass sein Leben offenbar trotzdem so erstrebenswert ist, liegt wohl vor allem daran, dass er so leicht zufrieden zu stellen ist. Es braucht nicht viel, um Homer glücklich zu machen: einen Doughnut, ein kaltes Bier – seine Ansprüche sind nicht besonders hoch. Auch wird sein Glück nicht durch großes Grübeln geschmälert. Er nimmt, was er bekommt und macht sich nicht großartig Gedanken über den Rest. 

Beneidenswert – oder?
Mal angenommen, die sprichwörtliche gute Fee käme vorbei und böte einem an, seinen IQ mal eben auf die Hälfte zu reduzieren. Damit einhergehend das Versprechen, danach zwar um einiges dümmer, aber eben auch um einiges zufriedener und glücklicher zu sein. Würde man für mehr Zufriedenheit auf Intelligenz verzichten wollen?

Homer Simpson hätte eine klare Antwort. In Folge 257 wird festgestellt, dass Homer einen Buntstift im Gehirn stecken hat (als Kind hatte er sich immer Buntstifte in die Nase geschoben). Der Stift wird entfernt und Homer um einiges klüger – allerdings auch unglücklicher. Am endet bittet er den Kneipenbesitzer Moe, den Stift wieder zurück zu stecken. 

In diesem Sinne, immer vorsichtig beim Malen nach Zahlen!

Lebenshilfe

Googles Dominanz unter den Suchmaschinen ist wohl hinreichend bekannt: mehr als 90% der deutschen Internetnutzern navigieren mit Hilfe der Seite mit den bunten Buchstaben durchs Netz.

Einige von ihnen erhoffen sich von Google offenbar sogar echte Lebenshilfe: “ist felix der richtige mann für mich”, suchte eine Dame (oder ein Herr) vorgestern – und landete auf meiner Seite.

Ob sie hier eine Antwort gefunden hat, weiß ich nicht, ein wenig schmunzeln musste ich aber schon.

In diesem Sinne, unbekannterweise einen schönen Gruß!

Fehlinvestitionen

Der gedachte Versuchsaufbau ist einfach: der Proband sitzt an einem einfachen Tisch und wird aufgefordert, sich zu entscheiden: “In welche Firma möchten Sie investieren: A oder B?” Der Proband entscheidet sich und bekommt nach einer kurzen Pause das Ergebnis seiner Wahl mitgeteilt: sie war falsch. Hat er sich für Firma A entschieden, war es Firma B, die sich am Markt deutlich besser behaupten konnte, präferierte er Firma B, war es Firma A, die die schwärzeren Zahlen schrieb.

Interessant wird es nun, wenn der Proband erneut entscheiden muss, in welche Firma er bei der nächsten Runde investieren möchte: die Mehrheit der Versuchspersonen hält an der ersten Entscheidung fest und das nicht nur in dieser, sondern auch in weiteren Runden. Er investiert weiter in Firma A respektive B, egal wie rot die Zahlen sind, die diese schreibt.

Die Erklärung ist simpel: die erste Investition soll nicht umsonst gewesen sein. Dies gilt um so mehr, je mehr Geld die Versuchsperson fiktiv in den Sand gesetzt hat. Je größer die Fehlinvestition, desto größer auch der Verlust, der mit einer Umkehr eingestanden wäre. Entsprechend hält der Proband an seiner Wahl fest, selbst wenn die Verluste den zu erwarteten Gewinn längst überholt haben.

Auch wenn der tatsächliche Versuchsaufbau normalerweise komplexer ist (es hat nämlich wirklich einige Versuche in dieser Richtung gegeben), das Ergebnis bleibt im Großen und Ganzen gleich: der Mensch neigt dazu, an Einstellungen und Entscheidungen festzuhalten, selbst wenn diese sich rational betrachtet als unsinnig erwiesen haben.

Dies gilt leider nicht nur für die Finanzwelt, sondern auch für das ganz “normale” Leben. Wer einmal eine vermeintlich falsche Richtung eingeschlagen hat, ist oft nur schwer wieder davon abzubringen.

Vielleicht ist das der Grund, warum wir uns immer wieder in Beziehungen stürzen, von denen wir schon nach kurzer Zeit wissen, dass sie nicht gut für uns sind. Vielleicht halten wir deshalb an Jobs fest, die uns keinen Spaß machen, oder an Freundschaften, die eigentlich mehr Belastung als Bereicherung sind? In jedem Fall Wert, mal darüber nachzudenken.

In diesem Sinne, Firma A oder Firma B?

Kopf oder Zahl

Ein Koffer und eine Tasche – mehr braucht es nicht. Das findet jedenfalls Thomas Linde. Dann stirbt er. Das ist ärgerlich für ihn, aber gut für seinen Schöpfer, Uwe Timm. Die Nahtod-Erfahrung seines Protagonisten gibt dem Schriftsteller nämlich die Möglichkeit, die letzten Tage im Leben des Alt-68ers, Jazzkritikers und Beerdigungsredners besonders effektvoll Revue passieren zu lassen. 

“Rot” ist Timms stärkstes Buch, allerdings ist das hier nicht das Thema. “Ich lebe in weißen leeren Räumen, ohne Ballast [...] Zwei leere Zimmer in einer Dachwohnung”, lässt Timm seine Hauptfigur gleich am Anfang des Buches, auf Seite 10, erklären. ”Ein Koffer und eine Tasche, das ist mein Hausstand. Ich kann jederzeit weiterziehen.”

Ein großartiges Konzept. Ich habe schon einmal geschrieben, dass ich es mag, mit leichtem Gepäck zu reisen. Und auch wenn man gerade mal nicht unterwegs ist, wie befreiend muss es sein, sein Hab und Gut prinzipiell jederzeit unter den Arm klemmen und weiterziehen zu können? 

Aber ist es wirklich so einfach?
Habe ich nicht gerade (im letzte Post) noch genau das Gegenteil beschworen?

Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht.
Ich liebe es, on the road zu sein. Gleichzeitig kann es aber auch ein sehr schönes Gefühl sein, wenn man anfängt, irgendwo Wurzeln zu schlagen; wenn man spürt, dass man gerade dabei ist, irgendwo anzukommen.

In diesem Sinne, Kopf oder Zahl?

Heimatgefühle

Der Raum ist geschrumpft, zumindest kommt er mir kleiner vor. Einige der alten Möbel sind noch da. Dazwischen stehen allerdings allerlei andere Dinge rum, die anscheinend sonst nirgends Platz fanden: ein paar zusammenklappbare Gartenstühle, Kisten mit alten Videokassetten, Bücher. Was früher mein Zimmer war, ist heute eine Art Lagerraum. 

Der Ort, in dem ich aufgewachsen bin, ist nur vier Zugstunden von Berlin entfernt. Meine Eltern und viele meiner Freunde leben noch hier. Entsprechend schaue ich alle drei oder vier Monate hier vorbei. Normalerweise nur für ein paar Tage, trotzdem sind die Besuche jedes Mal eine kleine Reise in die Vergangenheit.

Mehr als zwei Jahrzehnte habe ich hier gewohnt, habe mich zu Hause gefühlt. Heute nicht mehr. Konnte ich mich früher langsam an Veränderungen gewöhnen, nehme ich diese jetzt wie im Zeitraffer betrachtet wahr. Jahrelang einstudierte Wege funktionieren plötzlich nicht mehr, weil sie neue Richtungen bekommen haben (im wahrsten Sinne des Wortes – in der Innenstadt wurde an zahlreichen Stellen die Verkehrsführung geändert). Wusste ich früher genau, wo man tagsüber in der Innenstadt günstig parken konnte und wann abends der letzte Bus fuhr, muss ich heute erstmal nachfragen. ”Meine Stadt” ist mir fremd geworden.

Ich finde das nicht so schlimm. Im Gegenteil, ich genieße den Blick aus der Distanz. Plötzlich erschließen sich mir Sichtweisen, die ich vorher so nicht gekannt habe. Zugleich wird mir bewusst, wie zu Hause ich mittlerweile hier in Berlin bin. Das gefällt mir.

In diesem Sinne, gute Reise!

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