Flugbegleiter

Manchmal wird einem erst bewusst, wie sehr man etwas vermisst hat, wenn man endlich dazu kommt, es wieder zu tun. Bei mir war das heute ganz eindeutig das Flüge-Buchen. Wie ich so die Seiten verschiedener Billig-Airlines durchgeguckt und Preise, Zielorte und Flugdaten verglichen habe, war es plötzlich wieder da: das Kribbeln im Bauch!

Es war kein verliebtes Kribbeln, eher so eine Art Vorfreude, wie man sie als kleines Kind in den Tagen vor Weihnachten empfindet. Freudige Erwartung gepaart mit einer gewissen Unsicherheit, was einen erwartet.

Es ist schon eine Weile her, da habe ich das recht exessiv gesucht. Als ich vor gut vier Jahren meine Bachelor-Arbeit geschrieben habe, bin ich zunächst mit einer guten Freundin nach London geflogen. Kurz darauf habe ich eher spontan einen Flug nach New York gebucht, weil meine Schwester gerade als AuPair in Garden City, Long Island, gewohnt hat. Anschließend konnte ich einem besonders billigen Angebot nach Barcelona einfach nicht widerstehen, und nachdem ich die Arbeit abgegeben hatte, bin ich spontan für ein paar Tage nach Prag geflogen, quasi als Belohnung.

Es kommt mir nicht so sehr darauf an, wohin ich fliege. Zu entdecken gibt es überall etwas und Überraschungen sind meiner Ansicht nach Teil jeder vernünftigen Reise. Jetzt habe ich endlich wieder mal so eine vor mir. Hin- und Rückflug für unter 25 Euro – wie soll ich da nein sagen? Es geht nach Riga und zwar im Dezember. Ich freue mich schon darauf, endlich mal wieder den Rucksack zu packen, auch wenn es nur für ein paar Tage ist.

Gibt es einen besseren Flugbegleiter als das Kribbeln im Bauch?

In diesem Sinne, gute Reise!

Rasierter Döner

Es hat einen Moment gedauert, bis ich realisiert hatte, was anders war. Erst dachte ich ja, es wäre die Frisur. Dabei sind die paar Büschel, die rechts, links und hinten die Glatze flankieren, längst nicht groß genug, als das man da groß variieren könnte. Es musste also der Bart sein: der fehlte nämlich. Mein Dönermann hat sich rasiert!
Wohin das wohl führen wird?

Ich bin ein regelmäßiger Kunde dieses kleinen Lokals an der Schönhauser Allee. Das Essen ist ausgezeichnet und von meiner Wohnung sind gerade einmal 200 Meter dorthin. Zudem liegt der Laden mehr oder weniger auf meinem Weg nach Hause, egal ob ich von der Tram-, U- und S-Bahn-Haltestelle komme. Alle paar Wochen gönne ich mir daher hier einen Döner, häufiger noch kaufe ich hier mein Feierabendbier.

Ein weiterer Vorteil ist, dass es anscheinend keine Schließzeiten gibt. Ich war schon zu jeder Tages- und Nachtzeit dort und nie war die Tür verschlossen. Das Angebot ist reichhaltig, und auch wenn ich normalerweise beim Döner bleibe, freue ich mich doch über die verschiedenen anderen Spezialitäten sowie die diversen “Specials” – Obstsalate, usw. – die regelmäßig die Verkaufstheke säumen und meist recht offensiv angeboten werden (“Du willst Früchte zu Döner!?!”).

Auffälligstes Interior des Ladens ist allerdings der Chef selber. Egal wann ich den Kiosk betrete, ob früh am morgen, mittags, abends oder spät in der Nacht – er ist immer da! Dieser Mann scheint nie zu schlafen. Und genau so zielsicher wie er trotz mehrere mehrmonatigem Schlafdefizit steht bringt er jedes Mal die obligatorische Frage an den Mann: “Döner? Mit Käse?”. Ich verneine jedes Mal, dennoch werde ich jedes Mal aufs neues gefragt. Mir würde etwas fehlen, wenn dem nicht so wäre.

Heute habe ich nur zwei Bier gekauft, die gibt es standardmäßig ohne Käse. Dennoch war die Veränderung im Gesicht des Chefs schockierend. Ist das womöglich nur der Anfang?
Was wird noch der Rasur zum Opfer fallen? Gibt es den Döner demnächst automatisch ohne Molkerei-Produkte? Das Bier nur noch warm? Wird “halb-scharf-halb-Kräuter” gestrichen?

Ich mache mir ein wenig Sorgen …

In diesem Sinne, guten Appetit!

Wordbird (Wunschdenken)

Manchmal wäre ich gerne Wordbird. Ich beneide Sie um Ihre Anonymität. Als ich angefangen habe, dieses Blog zu führen, habe ich mich bewusst entschieden, dies unter vollem Namen zu tun. Zu dem, was ich schreibe, stehe ich.

Der Nachteil des Ganzen ist, dass ich mir schon überlegen muss, was ich hier öffentlich mache und was nicht. Ich finde das schwierig. Schreiben ist für mich wie atmen. Ohne kann ich nicht leben. Es hilft mir, meine Gedanken zu strukturieren. Wenn ich aufschreibe, was ich denke, bremst das die Nervenimpulse in meinem Kopf auf eine Geschwindkeit, bei der ich mitlesen kann.

Ich schreibe öffentlich, in Webforen und Artikeln, und privat in Briefen und Emails oder nur für mich. Manche Dinge würde ich gerne öffentlich schreiben, ohne gleich öffentlich zu sein, andere kann von mir aus die ganze Welt erfahren. Weil ich nie genau weiß, wer liest, was ich hier schreibe, muss ich mich manchmal bremsen. Das ärgert mich dann.

Wordbird braucht sich nicht zu bremsen. Kaum jemand weiß, wer hinter diesem Pseudonym steckt. Diese Vorstellung hat was. Andererseits hoffe ich, dass meine Gedanken eine andere Bedeutung bekommen, wenn man mich kennt. (Obwohl ich mir schon wünsche, dass sie auch unabhängig von meiner Person gelesen werden.)

Wordbird will “radikal-ehrlich”, “entblößend” schreiben, so die Ankündigung im ersten Eintrag “Aus dem Kellerloch”. Ehrlich bin ich auch. Nur verkneife ich mir eben das eine oder andere Thema oder ignoriere bestimmte Aspekte. Dabei würde es mich doch durchaus interessieren was Du, werter Leser, darüber denkst. Wie gesagt, manchmal beneide ich Wordbird.

In diesem Sinne, einen schönen Gruß!

Schilder-News

Es gibt ein neues Schild vor dem Hostel. Der gerade mal ein Jahr alte, eher schlicht gehaltene Namenszug musste einem deutlich größerem und deutlich roterem Aufsteller weichen. Auf etwa 2,5×2 Metern wird vorbeikommenden Autos, Fußgängern und Radfahrern eine preiswerte Übernachtung inklusive Frühstück offeriert.

Was soll ich sagen – es funktioniert!
Wahre Menschenmassen haben heute Nacht ohne Reservierung ihren Weg an meinen Tresen gefunden. Die meisten vergeblich. Wir waren ohnehin mehr oder weniger ausgebucht, trotzdem hätte ich auch bei leerem Haus kaum einen davon eingecheckt.

Eine Auswahl:
Da war der gedrungene Mittdreißiger in Bomberjacke, der statt “Hallo” ein lautes “Habt Ihr Fernseher auf den Zimmern” in den Raum warf, und dann übergangslos anfing, von seiner Freundin zu erzählen. Die hätte er nämlich gerade mit einem anderen Typen im Bett erwischt hätte. “Darum brauch ich nun erstmal für zwei drei Tage ein Bett, wa?!”

Oder die Bierdunst gehüllte Typ mit blutunterlaufenden Augen und einem dicken Kratzer im Gesicht. Zusammen mit seinem Freund, der eine recht umfangreiche Auswahl silberner Ketten über (!) der Winterjacke trug, wollte er gegen halb vier morgens ein Bett: “Irgendwas billig”, betonte er.

Mein Vorschlag: ein großes “keine Verrückten” auf dem Schild könnte vielleicht schon helfen. Der Aufforderung ein Bett zu mieten sind schließlich auch alle nachgekommen.

In diesem Sinne, liebe Bekloppten, nicht immer jedes Schild wörtlich nehmen!

Mottoparty und Fotoalbum

Es ist schon ein Phänomen. Klickt man sich im Studi-Verzeichnis so von Profilseite zu Profilseite scheint es kaum noch jemanden zu geben, der seine Seite nicht mit einem Fotoalbum schmückt oder zumindest im Fotoalbum eines anderen verlinkt ist.

Ich finde das faszinierend. Selbst wenn das Profil selber für Nicht-Freunde gesperrt ist, kann man die Fotoalben oft abrufen. Plötzlich ist man dann mitten drin im (inszenierten) Leben eines oder einer völlig Fremden. Man sieht diese Person dann irgendwo am Strand in der Sonne liegend, auf gewollt lustigen Fotoserien mit Freunden oder auch kotzend über einer Kloschüssel, weil er oder sie auf der letzten Party ein paar Bier zu viel gekippt hat.

Besonders seltsam wird es dann, wenn man auf einmal auf der Seite einer verflossenen Liebe oder aber auch eines neuen Dates landet. Man hat erstere vielleicht Jahre nicht gesehen und bekommt nun völlig unkompliziert einen bebilderten Abriss über das seitdem Erlebte des oder der Ex. Oder, ist es das neue Date, sitzt man plötzlich mit am Frühstückstisch der neuen Flamme, noch ehe man es überhaupt gewagt hat, sie wegen einer zweiten Verabredung zu fragen.

Besonders beliebt neben den obligatorischen Abi-Ball-Fotos vom Abi 06 oder gar 07 (ich merke, ich werde alt) sind Bilder von Mottoparties. Thema des Abends ist dann Wahlweise “Bad Taste” oder “Porno”, die Leute tragen also entweder 80er-Jahre-Klamotten oder ziehen sich an wie Zuhälter und Nutten, wobei das eine Thema manchmal durchaus mit dem anderen zu korrespondieren scheint.

Um eine jahreszeitlich bedingte Mottoparty ging es vorhin hinter mir an der Supermarktkasse. Alle müssten sich verkleiden, dröhnte das Mädel hinter mir in ihr Handy. Das gelte auch für Frank. Und er solle sich nicht wieder als Nazi verkleiden, das würde nicht gelten.

Ob Frank nun schlicht ein Nazi ist oder ob das nur seine Standard-Verkleidung ist, weiß ich nicht. Ehrlich gesagt ist mir das gerade aber auch herzlich egal, denn ich war selber gestern auf einer Art Mottoparty und bin noch etwas verkatert: Die Party nannte sich “Oktoberfest” und war ein “Teamevent” der Firma, für die ich arbeite. Das Bier hat jedenfalls geschmeckt …

In diesem Sinne, o zapft is!

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