Göttlich langsam

In der griechischen Mythologie ist Hermes der Götterbote. In der wirklichen Welt ist es ein Paketdienst – und leider weder göttlich noch besonders schnell. Sogar für eine “automatisch erstellte Eingangsbestätigung” auf eine Email brauchte Hermes nämlich stolze vier (!) Tage! Man kann sich also ausrechnen, wie lange das dazugehörige Paket unterwegs war – beziehungsweise ist. Angekommen ist es nämlich noch nicht.

Bestellt hatte ich das Weihnachtsgeschenk am 11. Dezember. Wenig darauf wurde das entsprechende Paket dann auch auf die Reise geschickt. Was Hermes seitdem mit dem Geschenk tut, kann ich dank der Paketnachverfolgung im Internet zwar nachvollziehen – verstehen kann ich es deswegen aber noch lange nicht.

Wie kann es zum Beispiel sein, dass das Geschenk zwar seit dem 21.12. “an der zuständigen Hermes Niederlassung in Hagen eingetroffen” ist und dort seitdem (offenbar sehr aufwendig) “für die Zustellung sortiert” wird – ab dem 27.12. aber wiederum “bisher nicht an der zuständigen Hermes Niederlassung in Hagen eingetroffen” ist? Haben sie es beim Sortieren verloren?

Aber ich muss ja nicht alles verstehen geschweige denn verschicken. Mit Hermes werde ich zumindest letzteres jedenfalls nicht mehr tun.

In diesem Sinne, danke auch!

Zweites Mal

Früher war alles ein bisschen dramatischer. Das hat schon beim Schnee angefangen. So ein echtes Schneechaos war noch eine neue Erfahrung und wurde vom eigenen Empfinden entsprechend gewürdigt. Heute können sich die Schlagzeilen noch so überschlagen, irgendwie bleibt am Ende doch nur das Gefühl, das alles doch eigentlich schon mal erlebt zu haben.

Wenn man eine Erfahrung zum ersten Mal macht, ist sie immer etwas besonderes. Das kann positiv wie negativ sein, in jedem Fall ist es aufregend. Früher oder später gewöhnt man sich aber daran: an die Erfahrung – und auch daran, eine Erfahrung zum ersten Mal zu machen.

Es sind also nicht unbedingt die ersten Male, die irgendwann seltener werden. Sie werden nur weniger aufregend – weniger dramatisch. Mit der Erfahrung wächst die Zuversichtlichkeit, dass man schon heil aus der Sache herauskommen wird. Im Volksmund nennt man das dann wohl Gelassenheit.

Gelassenheit ist an sich auch eine gute Sache. Trotzdem: Manchmal fehlt mir die Dramatik. Sich noch mal so gefühlt unsterblich verlieben wie während der Pubertät, von mir aus auch unglücklich. Noch mal so hoch fliegen wie nach dem ersten großen Erfolg. Noch mal die Welt so offen vor sich haben wie nach dem ersten Abschluss.

Ich bin überzeugt, dass es nicht nur mir so geht. Wieso sonst stürzen sich Menschen mit Fallschirmen aus noch voll flugfähigen Flugzeugen? Warum boomen Extrem-Urlaube? Und wieso sonst muss immer alles das größte, schlimmste, tollste, gewaltigste, nervigste, erfolgreichste Ding “aller Zeiten” sein?

In diesem Sinne, auf neue Erfahrungen!

Kurz gelacht

Es wird Zeit, die Forderung einer alten Freundin wieder einmal Nachdruck zu verleihen: Erfindet endlich das Handy mit Promillegrenze! Warum? Ein paar Beispiele:

2:21 Hallo Thorsten, ich vermisse dich wirklich u komme mit der Trennung nicht klar, mit meinem neuen Freund käuft es auch nicht, weil ich immer an dich denken muss.. Auch wenn ich mit ihm schlafe denke ich an dich. Bitte gib uns noch eine Chance Kuss
2:47 1.komisch dass du mich nicht unter “schatz” eingespeichert hast, wie es frauen normalerweise tun, 2.schön,dass du an jemand anderes denkst,wenn du mit mir schläfst,3.vorteilhaft wenn der neue freund den gleichen namen hat wie der exfreund und 4.kannst du dir jetzt den dritten thorsten suchen.

23:32 ich weiß du bist frauen gegenüber sehr tolerant wenn du betrunken jagen gehst. aber wenn du noch weiter mit der hässlichen rummachst dann film ichs und stells morgen online! also lass den scheiß!!
11:23 yo danke. konnts gestern nimmer lesen und wollte dass sie vorliest. dann is sie gegangen :D

03:17 Papi, Hilfe!!!! Ich find niht heim… =( Zur hilfe, da vorne ist ne Kirche…ud ne straße…Laterne…und so… Kannst du mir Helfen??
03:20 Leg dich auf eine Bank und schlaf deinen Rausch aus. Dann rufst du mich nochmal an….wenn du bis dahin nicht gemerkt hast, das du vor der Wohnung stehst. Und bitte hör auf zu singen.

8:54 Ich hatte dir doch gesagt dass ich fahren kann!!!
09:07 Alter, du bist nicht gefahren! ich bin gefahren und du saßt auf dem beifahrersitz und hast mit einem pappteller gelenkt !

1:28 Wo bist du?
1:36 dasdoi daoj fnüdw
1:38 ah. cool. bring döner mit

Übrigens: die zitierten SMS sind nicht (alle) von mir – und es gibt noch mehr: www.smsvongesternnacht.de

In diesem Sinne, bitte pusten Sie jetzt in das Mundstück Ihres Mobiltelefons!

Zeit, Du Betrüger!

Die Zeit kann es uns ja doch nicht Recht machen. Mal läuft sie zu schnell, dann wieder viel zu langsam. Wenn wir uns auf etwas freuen, können sich ein paar Stunden ewig hinziehen. Trotzdem reicht diese Ewigkeit nie, um die Vorfreude angemessen auszukosten. Und wehe, wir wünschen uns, dass ein Moment möglichst schnell vorbei geht – unfreiwillig lernen wir dann, was “Ewigkeit” wirklich bedeutet.

Nicht nur das. Zeit ist relativ, nicht nur im Einsteinschen Sinne, sondern auch bezogen auf unser eigenes Leben. Für einen kleinen Jungen, der gerade seinen fünften Geburtstag gefeiert hat, entspricht das Jahr bis zum nächsten Geburtstag einem Fünftel seines Lebens – relativ gesehen also genau so viel wie für einen 25-Jährigen die Zeit bis zum 30. Geburtstag oder für einen 50-Jährigen die Zeit zum 60. Geburtstag. Kein Wunder also, dass die Zeit mit zunehmenden Alter immer mehr zu rasen scheint.

Die Zeit vergeht immer gleich schnell? Trotz alledem: aber ja doch. Nur weiß sie das verdammt gut zu verbergen …

In diesem Sinne, Gruß an die Zeit, den alten Betrüger!

Gehirnsurfen

Manchmal betrachte ich mein Gehirn in Großaufnahme. Natürlich nicht wirklich, denn dafür müsste ich wohl meinen Kopf aufschneiden und eine Kamera reinhalten – keine besonders schöne Vorstellung also. Trotzdem habe ich hin und wieder das Gefühl, wie ein elektrischer Impuls kreuz und quer durch das neuronale Gewusel in meinem Kopf zu schwirren.

Mal rein biochemisch gesprochen ist Denken keine besonders aufregende Sache. Unsere Sinne liefern unserem Gehirn Input in Form von kleinen Stromstößen, die unsere Nervenbahnen entlang rasen und anschließend verarbeitet werden. Zum Beispiel, indem sie mit anderen Eingaben verknüpft werden. Funktioniert eine Verknüpfung – etwa “Ofen” und “heiß” – bleibt sie bestehen. Funktioniert sie nicht, verkümmert sie und verschwindet schließlich. (Ich weiß, ganz so einfach ist das nicht – Hirnforscher mögen mir trotzdem diese Simplifizierung nachsehen).

An seine Grenzen stößt das Gehirn, wenn es einfach mal nichts tun soll – im Volksmund wird dieser Zustand auch Langeweile genannt.

Das Gehirn kann aber nicht nicht-denken. Hat das Gehirn keine Aufgabe, beginnt es wahllos Verbindungen auszuprobieren – vielleicht lohnt es ja, die eine oder andere davon auszubauen? “Ofen” – “heiß” ist offensichtlich. Aber von “Ofen” gibt es doch auch eine Nervenbahn zu “Ferienwohnung” (mit Ofen). Von dort geht es weiter nach Holland (wo die Ferienwohnung war) zu Fahrrad (ist man da ständig gefahren) zu Schwimmbad (einer der Wege, die man mit dem Fahrrad gefahren ist) zu Melanie (hat man in dem Schwimmbad kennengelernt), …

An manchen Abenden habe ich das Gefühl, dieses Verknüpfen im wahrsten Sinne des Wortes “live” mitzuerleben – und bin dann immer wieder erstaunt, von welchem Punkt in meinem Kopf ich auf welchen Wegen zum nächsten komme. Mit anderen Worten: Der Ofen ist nur der Anfang!

In diesem Sinne, frohes Denk-Denken!

PS: Ja, das auf der Fotomontage bin ich – ist allerdings ein paar Jahre und ein paar tausend Kilometer her.

Kaffeeflug

Nein, ich werde mich nicht beklagen. Aber das Belächeln kann ich mir doch nicht verkneifen. Denn was früher die Kaffeefahrt war, ist heute offenbar der Flug mit Ryanair – der Kaffeeflug sozusagen. Nur dass der Kaffee natürlich auch etwas kostet.

Vom Flughafen Karlsruhe-Baden sind es keine eineinhalb Stunden Flug nach London. In nicht mal 90 Minuten wurde von einer fröhlich lächelnden Stewardess per Bordmikro nacheinander …

  • erst das normale Essen und Trinken empfohlen
  • dann die dazugehörigen Snacks
  • dann der Bordshop angepriesen
  • dann der Ryanair-Stewardessen-im-Bikini-Kalender verkauft
  • dann Ryanair-Lotterie-Lose beworben
  • dann Schnaps angeboten (“buy one – get a second bottle for free!”)
  • und dann noch Zugtickets und Unterkunfts-Empfehlungen an den Fluggast gebracht.

Anschließend gab es noch eine lustige Kavallerie-Musik – weil wir “wieder mal pünktlich am Zielort gelandet sind”. All das gab es in meinem Fall für gerade mal 17 Euro inklusive aller Steuern und Gebühren. Daher beschwere ich mich auch nicht. Im Gegenteil – es hat Spaß gemacht und schien sogar die Stewardessen (übrigens nicht die aus dem Kalender) zu amüsieren.

Das Ganze erklärt übrigens auch, warum Ryanair keine Langstreckenziele anfliegt – für so lange Flüge gibt es schlicht kein Verkaufsprogramm!

In diesem Sinne, ein bisschen Spaß muss sein …

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