Monthly Archive for September, 2008

Die Spielzeugtheorie

Wenn man einem Kind grundlos sein Spielzeug weg nimmt, weint es. Das ist keine neue und auch keine besonders geistreiche Erkenntnis. Um so frustrierender, dass sie auch für Erwachsene gilt.

Es gibt Beziehungen, die fangen wunderbar unkompliziert an. Man lernt sich kennen, mag sich und von Anfang an läuft alles wie von selbst. Es ist dieses Kribbeln, das beide fühlen, und das sie ganz von allein von einem Schritt zum nächsten führt. Natürlich nicht ohne ein gewisses Maß an Unsicherheit, sonst wäre es langweilig, aber im Endeffekt ist der Weg von Anfang an vorgezeichnet. (Das Ganze gilt übrigens auch und vielleicht noch mehr für Affären).

Dann wieder gibt es die Beziehungen, bei denen von vornherein klar ist, dass sie nicht stattfinden werden. Das kann schmerzhaft sein, insbesondere wenn es die Wollende der beiden Parteien nicht von Anfang an begriffen hat, dass hier nie etwas stattfinden wird. Allerdings sind die Fronten zumindest irgendwie von Anfang an klar. (Auch das gilt in ähnlicher Art und Weise für Affären).

Schwierig wird es, wenn anfangs alles wunderbar zu verlaufen scheint, die Geschichte aber plötzlich in Richtung Variante zwei zu kippen scheint, ohne dass es einen erkennbaren Grund dafür zu geben scheint. War anfangs noch alles eindeutig und der Weg klar, gibt es plötzlich eine Wende, ohne, dass es der Nicht-Wendende verstehen kann.

Dabei spielt es zunächst nicht mal eine Rolle, ob er wirklich Interesse hatte oder vielleicht aus reinem Jagdinstinkt gehandelt hat. Selbst wenn das Kind fünf Minuten später ohnehin kein Interesse mehr an seinem Spielzeug gehabt hätte, dass ihm nun so einfach und vor allem grundlos jemand sein Spielzeug weg nimmt, ist doof. Das Gemeine ist nicht mal so sehr, das es weg ist, sondern, dass man es nicht versteht.

Leider habe ich keine Lösung für dieses Problem. Im Gegenteil, immer wieder tappe ich in diese Falle und frage mich, ob nicht vielleicht doch einfach meine Wahrnehmung irgendwie schief ist. Vielleicht sehe ich mich immer wieder fälschlicherweise auf der Zielgeraden, ohne die wahren Signale meiner Gegenüber zu sehen. Vielleicht mache ich auch immer wieder etwas falsch, von dem mir nicht einmal bewusst ist, dass es nicht gut ist.

Andererseits bin ich nicht der Einzige. Ich hätte die Geschichte auch mit einem “Ein Freund von mir” anfangen können, ohne zu lügen. 

In diesem Sinne, jetzt seid mal Ihr mit Antworten gefragt!

Lateinarbeit

Wie kommt es eigentlich, dass so viele Leute bei Google nach “Lateinarbeit” in Kombination mit “Felix” suchen?

Schon seit geraumer Zeit sind diese Suchbegriffe in der Top-10 der Google-Anfragen, über die die meisten Leute auf mein Blog kommen. (Weiter aktuell und äußerst beliebt sind natürlich Suchen nach Sex, Riga und Pornoparty, aber das nur am Rande).

Gibt es wirklich so viele Lateinarbeiten, die das lateinische Wort für “glücklich” beinhalten?

In diesem Sinne, Semper aliquid haeret!

Gewürfelte Welt

Ist der Zufall unser Freund? Oder ein böser Feind, den es zu meiden, vielleicht gar zu bekämpfen gilt?

Manchmal wüsste ich gerne, wie viele Zufälle nicht passiert sind. 

In ihrem Blog beschreibt eine Freundin von mir, wie sie wider jeder Wahrscheinlichkeit in der Mumbai zufällig einem alten Bekannten über den Weg läuft. Für sie ein durchaus bemerkenswertes Ereignis: wie groß ist schließlich die Wahrscheinlichkeit, in einer Millionenstadt ausgerechnet diesen einen Menschen zu treffen.

Die Überlegung macht Sinn. Andererseits frage ich mich, wie oft wohl durchaus die Möglichkeit für so einen Zufall da war, der Zufall aber eben nicht stattfand.

Es ist schon eine Weile her, noch während meiner Berliner Zeit, da traf ich diese Frau. Unsere Begegnung war beruflicher Natur. Sie war als Studentin bei einer Schulung dabei, die ich damals als Angestellter einer größeren Hotelgruppe absolvierte. Ich fand sie von Anfang an sympathisch, fand aber nicht wirklich die Gelegenheit, mich weiter mit ihr zu unterhalten (ja, zugegeben, ich war wohl einfach zu feige).

Einige Zeit später war ich gerade auf dem Weg zur Arbeit. Ich war etwas früher aufgebrochen, weil so viel zu tun war. Just in dem Moment, in dem ich aus meiner Straße in die Schönhauser Allee abbog, stand sie plötzlich vor mir. Wäre ich nur eine Minute später aus dem Haus gegangen, sie wäre schon ein paar Meter weiter und an meiner Straße vorbei und damit nicht mehr auf meinem Weg gewesen.

Welch unglaublicher Zufall, werdet Ihr zu Recht exklamieren – und ich sehe das ganz genau so. Aber gerade weil dem so ist, frage ich mich, wie oft, wie viele Male ich wohlmöglich diese eine Minute zu spät aus dem Haus gegangen bin. Wie oft habe ich mich in der Millionenstadt für die eine und nicht für die andere Richtung entschieden und bin so knapp – zufällig – am Zufall vorbei geschrappt?

Ich habe ihre Telefonnummer bekommen. Die Frau aus der Geschichte und ich, wir haben uns wieder gesehen. Gefunkt hat es trotzdem nicht. Vielleicht wäre das zu viel des Zufalls gewesen, wer weiß. Ich bin jedenfalls gespannt auf den nächsten Zufall. 

In diesem Sinne, frohes Würfeln!

Denkbewegung

Aus ökologischer Perspektive ist es natürlich politisch völlig inkorrekt so etwas zu sagen. Ich tue es trotzdem: Autofahren hilft mir beim Denken.

Keine Ahnung woran das liegt. Vielleicht weil das Fahren an sich, zumindest auf längeren Strecken, quasi nebenbei abläuft. Der Kopf ist frei für andere Sachen. Gleichzeitig ist man aber irgendwie beschäftigt. Vielleicht ist es gerade dieser Mix, der es macht. Denn mal ehrlich – einfach so hinsetzen und nur denken, wer tut das schon. Anders, wenn man beim Denken auch noch darauf achten muss, heil von A nach B zu kommen.

Zu meiner Verteidigung: ich wollte nicht nur denken, ich musste tatsächlich von A nach B – und nicht nur, um die Redaktionskatze auf einem Auto zu fotografieren. Beim Denken hat es trotzdem geholfen.

In diesem Sinne, gute Fahrt – frohes Denken!

Schlecht geplant

Der Plan war einfach: Heiraten mit 25, Kinder mit 30. Viel weiter habe ich damals, mit zwölf oder 13 Jahren nicht gedacht. Morgen in einem Monat werde ich 29 und bin weder verheiratet noch habe ich Kinder (zumindest keine, von denen ich wüsste). Habe ich etwas falsch gemacht?

Ich gebe zu, als ich mir diese Gedanken damals gemacht habe, war ich irgendwie der Meinung, das alles würde eben einfach passieren. Genauer habe ich da gar nicht drüber nachgedacht. So weit ich mich erinnern kann, kam mir auch gar nicht in den Sinn, dass ich überhaupt Einfluss darauf nehmen könnte.

Heute sehe ich das freilich anders. Einerseits gibt es genügend Leute in meinem Umfeld, die meinem Plan folgen (zumindest was das Heiraten angeht, mit den Kindern halten sich die meisten noch zurück). Andererseits gibt es aber auch diejenigen, die es eben nicht tun und mir auf diese Art zeigen, dass man unter Umständen auch alleine alt (oder zumindest älter) werden kann.

Wo zwischen diesen beiden Polen werde ich stehen? Oder anders gefragt: wo möchte ich stehen? Ich habe so viele andere Pläne, die eigentlich nicht wirklich zu einem geregelten Familienleben passen – und meine übrigen Pläne habe ich bisher normalerweise auch verwirklicht. 

Andererseits gefällt mir der Gedanke, selber eine Familie zu gründen, sesshaft zu werden und Kinder zu haben – wie eben vor Ewigkeiten schon geplant. Nur: wenn ich das bisher nicht geschafft habe, vielleicht kann ich es gar nicht, selbst wenn ich will?

Zu viele Fragezeichen, wenn Ihr mich fragt. Vielleicht ist es aber auch einfach Zeit, einfach ganz neue Pläne zu machen.

In diesem Sinne, Vorschläge dazu sind herzlich willkommen!

Wahrnehmungsfrei

Es gibt dieses Gerücht, Leute die pfeifen, seien fröhlich. Ich behaupte, Menschen die pfeifen, sind komisch. Zumindest die meisten. 

Es war gegen halb sieben, als ich die Umkleidekabine in meinem Fitness-Studio betrat. Meist ist die Kabine leer, heute nicht. Ein Mann stand vor seinem Spind und war offensichtlich damit beschäftigt, sich umzuziehen. Dabei pfiff er vor sich hin. Nicht leise oder nebenbei, sondern laut und offensichtlich erpicht darauf, gehört zu werden. Ich grüßte, er grüßte zurück, dann pfiff er weiter.

Nachdem ich mich umgezogen und aufgewärmt hatte, war ich gerade mit der ersten Runde im Kraft-Ausdauer-Zirkels beschäftigt, als ein anderer Typ sich zu mir und den vier oder fünf anderen trainierenden gesellte. Schon bei der ersten Übung stöhnte er laut auf. “Ho, ho”, sagte er weihnachtsmännisch und blickte in die Runde, “ho, ho, ganz schön schwer.” Keiner der Anwesenden reagierte, was den Weihnachtsmann nicht zu stören schien. Im Gegenteil: bei praktisch jeder Übung kommentierte er lautstark und durchweg aussagenfrei, was er gerade tat. 

Auch wenn mir der Kerl irgendwann Leid tat, so ganz begriffen habe ich ihn nicht. Auch aus dem Pfeifer bin ich bis jetzt noch nicht schlau geworden. Natürlich ist es schön, wenn sie Menschen mitteilen wollen, doch wieso sind manche auf gar so seltsame Weise erpicht darauf, von ihren Mitmenschen wahrgenommen zu werden?

In diesem Sinne, her mit den Antworten!

Logische Inkonsequenz

Es ist sowieso immer ganz anders. Egal wie viel Sinn die Erklärung in meinem Kopf gerade noch gemacht hat, die Realität macht mir sowieso wieder einen Strich durch die Rechnung. Ich weiß das, trotzdem tappe ich immer wieder in die selbe Falle. Und nicht nur ich – Ihr auch!

Wir Menschen neigen dazu, das Verhalten unserer Artgenossen zu analysieren. Wir wollen verstehen, warum sich jemand genau so verhält, wie er es eben tut. Insbesondere natürlich, wenn das Verhalten uns selber betrifft. Immer wieder stellen wir fest, welch blödsinniges Unterfangen das ist. Doch aufhören fällt offenbar schwer.

Die Geschichte beginnt mit einem Anruf. Einem Anruf, der nicht kam. Dabei hatte alles so gut angefangen. Wir waren uns von Anfang an sympathisch gewesen. Auf erste, unverfängliche Gespräche folgte schnell die ersten vorsichtigen Annäherungsversuche. Zufällige Berührungen, die in Wirklichkeit natürlich keineswegs zufällig waren, kleine Aufmerksamkeits-Botschaften via SMS. Irgendwann Telefonate, die viel länger dauerten als eigentlich nötig gewesen wäre. Zwei, drei Wochen ging das so. Dann, plötzlich: Funkstille.

“Ich ruf Dich an”, hatte es zum letzten Abschied noch geheißen. Doch der Anruf kam, wie schon gesagt, nicht. Weder am ersten, noch am zweiten oder dritten Tag. Auch schien sie plötzlich kein Interesse mehr an einem Anruf von mir zu haben: nicht einmal ihre Mailbox reagierte auf meine Versuche, sie zu erreichen. 

Eine ganze Weile habe ich gegrübelt, dann hatte ich meine Geschichte zusammen. Natürlich wusste ich nicht, ob sie stimmte, doch sie ergab einen Sinn. Ein blöder Kommentar von mir an der falschen Stelle, dazu dieser Ex-Freund, von dem sie erzählt hatte. Logisch baute alles aufeinander auf, und plötzlich stand mir glasklar vor den Augen, warum es nach einem so vielversprechenden Start doch nichts mit uns werden würde.

Dass ich trotz dem konsequent schlüssigem Aufbau meiner Erklärung und der in sich wasserdichten Geschichte komplett falsch lag, erfuhr ich wenige Tage später. Von einer mir unbekannten Nummer bekam ich eine SMS. Ihr altes Handy samt aller Nummern – auch meiner – sei einem Wasserschaden zum Opfer gefallen. Über den Freund eines Freundes habe sie sich meine Kontaktdaten besorgt. 

Ich fand das schön. Zugleich ist es aber frustrierend, denn immer wieder mache ich die Erfahrung, dass meine mit viel Mühe konstruierten Gedankenspiele so gut wie nie funktionieren. Versuche ich das Verhalten meiner Mitmenschen zu begreifen, stelle ich immer wieder fest, dass es letztlich ganz anders war, als ich es mir überlegt hatte.

Wir unterstellen unseren Mitmenschen gerne eine gewisse Logik. Aber mal ehrlich: folgen wir ihr selber? Wer versucht, mich zu begreifen, der wird wohl ebenfalls regelmäßig enttäuscht. Ein kleiner Trost, immerhin.

In diesem Sinne, frohes Analysieren – und korrigieren!

Ravenseeland

Ravensburg ist wie Neuseeland.
Also, zumindest fast. Ich war nach der Arbeit noch schnell ein paar Kleinigkeiten einkaufen. Da die Schlange hinter mir freitäglich lang war, wollte ich eigentlich möglichst schnell bezahlen. Die Kassiererin war dagegen. 

“Alles in Ordnung bei Ihnen?”
Die Worte habe ich auf Anhieb verstanden. Nur warum sie aus ihrem Mund kamen, das war mir zunächst ein Rätsel. 

Habe ich krank ausgesehen? Oder irgendwie nicht in Ordnung?

Ich weiß nicht mehr genau, was ich geantwortet habe. Während ich aber noch meinen Einkauf zusammen sammelte, war da wieder diese Frage. Dieses Mal war sie nicht an mich, sondern an den Herren hinter mir gerichtet. Plötzlich war alles klar: Neuseeland ist in Ravensburg angekommen!

In Neuseeland bedankt man sich beim Fahrer fürs Fahren, wenn man aus dem Bus steigt. In Neuseeland kann es passieren, dass man von der Immigration über argentinische Fußballergebnisse ausgefragt wird. In Neuseeland sind die Kassiererinnen freundlich, und es kann durchaus sein, dass sie völlig grundlos nach dem persönlichen Befinden fragen. 

In diesem Sinne, mir geht es gut, aber, danke!

Von wegen rational

Endlich ist es raus: wir Männer lassen uns bei Entscheidungen nicht von unserem Kopf, sondern statt dessen von unserer Körpermitte leiten. Je nach erregter die ist, desto größer ihr Mitspracherecht.

Ein US-amerikanischer Wissenschaftler fand heraus, dass Männer deutlich mehr Geld für Geschenke auszugeben bereit waren, nachdem ihnen Bilder von attraktiven Frauen vorgelegt worden waren. Je weiter fortgeschritten der Erregungszustand, desto niedriger war auch die Bereitschaft, beim Sex ein Kondom zu benutzen, und desto weniger Skrupel hatten die getesteten Probanden, Frauen gegebenenfalls mit Drogen gefügig(er) zu machen.

Ja, so sind sie, die Männer, werdet Ihr Frauen jetzt vielleicht sagen. Aber bevor Ihr weiterredet: Ihr seit nicht besser. Zumindest nicht, wenn man den Ergebnissen der Studie glauben kann, aus der die bisher genannten Ergebnisse stammen. Die ist von Dan Ariely, einem Professor für Verhaltensökonomie an der Duke University in Durham, North Carolina. Seine These: Rationalität ist eine Illussion – zumindest wenn es um das Handeln von Menschen, Männern wie Frauen, geht.

Das interessante an Arielys Thesen: der Mensch handelt nicht willkürlich irrational. Im Gegenteil, die meisten blödsinnigen Handlungen seien durchaus steuerbar. So ließ er seine Versuchspersonen beispielsweise zunächst ihre Sozialversicherungsnummer aufschreiben und anschließend verschiedene Waren, bei denen sie angeben sollten, wie viel sie jeweils dafür bezahlen würden. Das Ergebnis: je höher die Endziffern der Sozialversicherungsnummer, desto höher die Angebote.

Was aber anfangen mit diesen Ergebnissen? 

Zum einen: im Geschäft ab sofort immer den Sozialversicherungsausweis bereit halten.
Zum anderen: hinnehmen, dass es sowieso immer anders kommt, als man denkt, und anders ist, als man sich so schön ausgemalt hat. Aber das ist ja nichts neues – ich habe das alles nämlich schon einmal aufgeschrieben.

In diesem Sinne, wer hat sich erinnert?