Zwischenmiete

Selten war mein Hausstand so überschaubar: meine Möbel habe ich verschenkt, vieles auch einfach weggeworfen. Der Rest steht, ordentlich in Kisten verpackt, im Keller meiner Eltern. Wenn ich morgen nach Süddeutschland aufbreche, darf nur mitkommen, was in den Kofferraum meines Autos passt. 

Theoretisch habe ich mich längst auf das vor mir liegende Nomadenleben eingestellt (“Kopf oder Zahl“, “Leichtes Gepäck“). Praktisch ist es immer noch komisch, das eigene Zuhause von heute auf morgen gegen eine möblierte Wohnung zur Zwischenmiete einzutauschen – und dabei zu wissen, dass auf die erste Zwischenmiete noch einige weitere folgen werden.

Das Verbreitungsgebiet meines neuen Brötchengebers ist groß. In den nächsten zwei Jahren soll ich möglichst viel davon kennenlernen. Wie es nach dieser Zeit weitergeht, weiß ich nicht. Ein neues, dauerhaftes Zuhause muss ich mir dann erst wieder suchen. Ein komisches Gefühl.

In diesem Sinne, einen Gruß von der Straße!

Ausverkauf

Kann ein Gefühl aufgebraucht werden?
Kann man irgendwann so viel davon zu sich nehmen, dass am Ende einfach nichts mehr oder höchstens noch ein kleiner Rest übrig ist?

Momentan kommt es mir so vor. Gut drei Wochen habe ich nun wie im Abschiedsfieber gelebt. Schwammgleich habe ich versucht aufzusaugen, so viel ich konnte. Ich habe mich von zig Menschen verabschiedet, lauter vermeintlich letzte Treffen durchgestanden und mir immer wieder selber gesagt, dass ich dieses oder jenes nun zum vorerst letzten Mal tue und darum besonders bewusst erleben sollte. 

Jetzt bin ich leer. Nach all dem Aufsaugen scheint das Gefühl aufgebraucht und ich will es einfach nur noch hinter mich bringen. Morgen ist der große Tag. Morgen übergebe ich meine Wohnung, die eh nur noch ein Kistenlager ist, und kehre dann Berlin hinter dem Steuer eines Umzugswagens den Rücken zu. 

“Ich fands auch komisch”, schreibt dazu passend eine liebe Freundin via SMS, die eben diesen Schritt schon letzte Woche getan hat, “obwohl ich fast genau so komisch fand, dass die Welt danach nicht untergeht, und ich immer noch glücklich bin”

In diesem Sinne – Abschiedsschmerz? Mittlerweile leider ausverkauft!

Liebesbekenntnis

So wohnt es sich also in einem Museum. Im Minutentakt haben sich in den letzten Tagen fremde Leute die Klinke in die Hand gegeben, um einen prüfenden Blick auf mich und mein zu Hause zu werfen. Und das nicht nur im realen Leben: auch auf Felix’ Welt gehörte die Seite mit den Bildern meiner Wohnung (“In eigener Sache”) eine Woche lang zum am häufigsten aufgerufenen Teil des Blogs. 

Der Unterschied zum realen Museumsbesucher war freilich, dass ich die Leute auf meinem Blog nicht sehen geschweige denn mit ihnen sprechen konnte. In vielerlei Hinsicht sicher ein Vorteil, zumindest wenn man bedenkt, welch seltsame Mails ich zum Teil auf meine Anzeige hin bekommen habe. Andererseits ist mir vielleicht aber auch etwas entgangen. 

In den letzten Tagen habe ich mit so vielen fremden Menschen gesprochen wie lange nicht mehr. Das Verwirrende daran: die meisten davon waren durchaus sympathisch. Auf der Straße, in der Bahn, usw. – ich hätte sie nie angesprochen. Nachdem uns aber das Interesse an meiner Wohnung zusammen geführt hatte, war ich zumindest bei einigen davon fast traurig, nicht länger mit ihnen reden zu können. 

Wieso nimmt man diese Menschen sonst nicht wahr?
Wieso bedarf es immer irgend eines verbindenden Elements (eine verspätete Bahn, ein Sieg der deutschen Nationalmannschaft, ein Umzug usw.), um mit ihnen ins Gespräch zu kommen? 

Zugegeben, gerade wenn ich genervt oder in Eile bin, laufe ich gerne mit einer gewissen Grundmisanthropie durchs Leben. Andere oder zumindest fremde Menschen sind dann Hindernisse, die mir den direkten Weg zur fast verpassten U-Bahn versperren, oder bösartige Diebe, die den letzten Malbec im Kaisers wegschnappen, kurz bevor ich danach greifen kann. Sie sind alles mögliche, aber sicher keine liebenswerten Wesen. 

Oder doch?
Meine Museumserfahrung jedenfalls, scheint ja genau das Gegenteil zu beweisen! 

Ein kluger Mensch, heißt es, ist gerne bereit, einen Fehler zuzugeben und sein Verhalten zu ändern. Das klingt vernünftig. Ich hoffe nur, meine Mitmenschen sind nicht all zu überrascht, wenn ich demnächst die U-Bahn verpasse, anstatt sie über den Haufen zu rennen.

In diesem Sinne, das zur Seite springen in Zukunft einfach lassen!

Die Bierkarte, bitte!

Berlin Mitte ist Touri-Land. So jedenfalls der Eindruck, wenn man bei gutem Wetter eine Runde rund um den Hackeschen Markt dreht. 

Berlin-Touristen wiederum gehören nicht zu den klügsten Menschen auf der Welt. Im Gegenteil, sie brauchen Hilfe! Zumindest bei der Wahl ihrer Biererfrischungen. So jedenfalls der Eindruck, wenn bei irgendeinem Wetter in einem der Lokale unter den S-Bahn-Bögen einkehrt.

“Pils, herb” heißt es etwa in der Speisekarte eines dieser Lokale freundlich erklärend zum Thema Berliner Pilsner, “Pils, lieblich” beim Schlagwort Warsteiner. Da weiß man dann wenigstens, woran man ist.

Na dann, Prost! 
In diesem Sinne …

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