Monthly Archive for June, 2008

Zwischenmiete

Selten war mein Hausstand so überschaubar: meine Möbel habe ich verschenkt, vieles auch einfach weggeworfen. Der Rest steht, ordentlich in Kisten verpackt, im Keller meiner Eltern. Wenn ich morgen nach Süddeutschland aufbreche, darf nur mitkommen, was in den Kofferraum meines Autos passt. 

Theoretisch habe ich mich längst auf das vor mir liegende Nomadenleben eingestellt (“Kopf oder Zahl“, “Leichtes Gepäck“). Praktisch ist es immer noch komisch, das eigene Zuhause von heute auf morgen gegen eine möblierte Wohnung zur Zwischenmiete einzutauschen – und dabei zu wissen, dass auf die erste Zwischenmiete noch einige weitere folgen werden.

Das Verbreitungsgebiet meines neuen Brötchengebers ist groß. In den nächsten zwei Jahren soll ich möglichst viel davon kennenlernen. Wie es nach dieser Zeit weitergeht, weiß ich nicht. Ein neues, dauerhaftes Zuhause muss ich mir dann erst wieder suchen. Ein komisches Gefühl.

In diesem Sinne, einen Gruß von der Straße!

Und was …

… machen wir, wenn Deutschland das Finale gewinnt? 

Ein kurzes Video (Quicktime wird benötigt) und Impressionen aus Berlin, Ecke Schönhauser Allee / Eberswalder Straße.

In diesem Sinne …

Ausverkauf

Kann ein Gefühl aufgebraucht werden?
Kann man irgendwann so viel davon zu sich nehmen, dass am Ende einfach nichts mehr oder höchstens noch ein kleiner Rest übrig ist?

Momentan kommt es mir so vor. Gut drei Wochen habe ich nun wie im Abschiedsfieber gelebt. Schwammgleich habe ich versucht aufzusaugen, so viel ich konnte. Ich habe mich von zig Menschen verabschiedet, lauter vermeintlich letzte Treffen durchgestanden und mir immer wieder selber gesagt, dass ich dieses oder jenes nun zum vorerst letzten Mal tue und darum besonders bewusst erleben sollte. 

Jetzt bin ich leer. Nach all dem Aufsaugen scheint das Gefühl aufgebraucht und ich will es einfach nur noch hinter mich bringen. Morgen ist der große Tag. Morgen übergebe ich meine Wohnung, die eh nur noch ein Kistenlager ist, und kehre dann Berlin hinter dem Steuer eines Umzugswagens den Rücken zu. 

“Ich fands auch komisch”, schreibt dazu passend eine liebe Freundin via SMS, die eben diesen Schritt schon letzte Woche getan hat, “obwohl ich fast genau so komisch fand, dass die Welt danach nicht untergeht, und ich immer noch glücklich bin”

In diesem Sinne – Abschiedsschmerz? Mittlerweile leider ausverkauft!

Liebesbekenntnis

So wohnt es sich also in einem Museum. Im Minutentakt haben sich in den letzten Tagen fremde Leute die Klinke in die Hand gegeben, um einen prüfenden Blick auf mich und mein zu Hause zu werfen. Und das nicht nur im realen Leben: auch auf Felix’ Welt gehörte die Seite mit den Bildern meiner Wohnung (“In eigener Sache”) eine Woche lang zum am häufigsten aufgerufenen Teil des Blogs. 

Der Unterschied zum realen Museumsbesucher war freilich, dass ich die Leute auf meinem Blog nicht sehen geschweige denn mit ihnen sprechen konnte. In vielerlei Hinsicht sicher ein Vorteil, zumindest wenn man bedenkt, welch seltsame Mails ich zum Teil auf meine Anzeige hin bekommen habe. Andererseits ist mir vielleicht aber auch etwas entgangen. 

In den letzten Tagen habe ich mit so vielen fremden Menschen gesprochen wie lange nicht mehr. Das Verwirrende daran: die meisten davon waren durchaus sympathisch. Auf der Straße, in der Bahn, usw. – ich hätte sie nie angesprochen. Nachdem uns aber das Interesse an meiner Wohnung zusammen geführt hatte, war ich zumindest bei einigen davon fast traurig, nicht länger mit ihnen reden zu können. 

Wieso nimmt man diese Menschen sonst nicht wahr?
Wieso bedarf es immer irgend eines verbindenden Elements (eine verspätete Bahn, ein Sieg der deutschen Nationalmannschaft, ein Umzug usw.), um mit ihnen ins Gespräch zu kommen? 

Zugegeben, gerade wenn ich genervt oder in Eile bin, laufe ich gerne mit einer gewissen Grundmisanthropie durchs Leben. Andere oder zumindest fremde Menschen sind dann Hindernisse, die mir den direkten Weg zur fast verpassten U-Bahn versperren, oder bösartige Diebe, die den letzten Malbec im Kaisers wegschnappen, kurz bevor ich danach greifen kann. Sie sind alles mögliche, aber sicher keine liebenswerten Wesen. 

Oder doch?
Meine Museumserfahrung jedenfalls, scheint ja genau das Gegenteil zu beweisen! 

Ein kluger Mensch, heißt es, ist gerne bereit, einen Fehler zuzugeben und sein Verhalten zu ändern. Das klingt vernünftig. Ich hoffe nur, meine Mitmenschen sind nicht all zu überrascht, wenn ich demnächst die U-Bahn verpasse, anstatt sie über den Haufen zu rennen.

In diesem Sinne, das zur Seite springen in Zukunft einfach lassen!

Die Bierkarte, bitte!

Berlin Mitte ist Touri-Land. So jedenfalls der Eindruck, wenn man bei gutem Wetter eine Runde rund um den Hackeschen Markt dreht. 

Berlin-Touristen wiederum gehören nicht zu den klügsten Menschen auf der Welt. Im Gegenteil, sie brauchen Hilfe! Zumindest bei der Wahl ihrer Biererfrischungen. So jedenfalls der Eindruck, wenn bei irgendeinem Wetter in einem der Lokale unter den S-Bahn-Bögen einkehrt.

“Pils, herb” heißt es etwa in der Speisekarte eines dieser Lokale freundlich erklärend zum Thema Berliner Pilsner, “Pils, lieblich” beim Schlagwort Warsteiner. Da weiß man dann wenigstens, woran man ist.

Na dann, Prost! 
In diesem Sinne …

Letztmalig

Eigentlich tun wir es ständig, nur merken wir es oft nicht. Oder es ist uns egal. Dann wieder nehmen wir es uns sogar bewusst vor, freilich ohne immer Erfolg damit zu haben. Manchmal wird es uns auch erst Wochen oder gar Monate später klar: dass wir gerade etwas zum (vorerst) letzten Mal getan haben. 

Als Kind habe ich mit meinen Eltern einige Jahre lang immer wieder Urlaub auf einem Campingplatz an einem See in Österreich gemacht. Ich fand das großartig. Meine Schwester und ich konnten uns auf dem weitläufigen Gelände frei bewegen, meine Eltern dagegen hatten Ruhe, all die Bücher zu lesen, für die sie sonst keine Zeit hatten. Drei, vier Mal am Tag ging es zum Schwimmen an den See und abends zum Restaurant des Campingplatzes, um den älteren Kindern an den Videospiel-Automaten zuzugucken.  

Meist sind wir drei bis vier Wochen auf dem Campingplatz geblieben. Der Termin für die Rückfahrt wurde je nach Lust, Laune und Wetter kurzfristig bestimmt. Traditionell ging es am Tag vorher noch ein letztes Mal ans Wasser. Zum Schwimmen, natürlich, und um “dem See auf Wiedersehen zu sagen” (ein gewöhnliches Abschiedsritual, kein Auswuchs besonders naturnaher Erziehung o.ä.). 

Ich fand diesen letzten Tag immer furchtbar traurig. Der Campingplatz war mein Paradies, und aus dem wollte ich nicht vertrieben werden. Auch nicht von einem Tiefdruckgebiet, dass für mehrere Tage schlechtes Wetter und Regen bringen sollte.

Was in solchen Augenblicken half, war höchstens noch der Gedanken, ja im nächsten Jahr wieder zu kommen. Eine Weile hat das auch ganz gut funktioniert. Bis wir irgendwann nicht wieder gekommen sind.

Nach x Jahren Österreich wollten meine Eltern mal etwas anderes ausprobieren. Damals fand ich das furchtbar, heute kann ich das verstehen. Wohl auch deshalb, weil ich selber älter geworden bin. Mit eben diesem älter-Werden hängt allerdings auch zusammen, dass ich nicht mehr dabei war, als meine Eltern das nächste Mal auf besagten Campingplatz nach Österreich gefahren sind. Andere Ziele und vor allem: Urlaub ohne Eltern waren auf einmal viel reizvoller. 

Vierzehn Jahre ist es her, dass ich zuletzt auf besagtem Campingplatz in Österreich war. Es gibt ihn noch, behauptet das Internet. An das letzte Schwimmen kann ich mich nicht mehr erinnern, wohl aber an das Gefühl, das ich dabei hatte. Genau mit diesem Gefühl laufe ich nämlich zur Zeit durch Berlin. 

In diesem Sinne, frohes Abschied nehmen!

Lebenshilfe II

Noch mal was zum Thema Lebenshilfe von Google:
“Ist Felix ein Arsch”, war die Frage, die ein Suchender oder eine Suchende gestern in das Suchfeld des Quasi-Monopolisten eingetippt hat – und damit prompt auf Felix Welt gelandet ist.

Ich wüsste zu gern, ob er oder sie hier eine Antwort gefunden hat …

In diesem Sinne, nicht verzagen – Google fragen!

Duftnote

Der Mensch mag es, ein Dach über dem Kopf zu haben. Das gilt offenbar auch in Berlin. Seit ich vorgestern meine Anzeige, “Nachmieter gesucht”, online gestellt habe, füllt sich mein Postfach jedenfalls im Minutentakt.

Viele der Mails sind, um es einmal vorsichtig zu formulieren, interessant. Einige der potentiellen Nachmieter schicken mir ganze Lebensgeschichten, andere begnügen sich mit deutlich weniger Worten (“Ich will Wohnung”). Oder sie lassen die Worte einfach ganz weg und senden mir nur kurz und knapp eine (ihre?) Telefonnummer.

Manche Schreiber haben meine Anzeige offenbar besonders genau gelesen. Einer möchte zum Beispiel mein WG-Zimmer und “nach Möglichkeit auch den Rest der Wohnung besichtigen” (macht bei der Kategorie “Ein-Zimmer-Wohnung” natürlich Sinn). Eine andere Interessentin schrieb, sie würde meine Wohnung gerne für drei Wochen im August mieten.

Naja, zu guter letzt gibt es natürlich noch jede Menge ganz normale Emails. Zugegeben, die sind mir eigentlich die liebsten. Trotzdem ist der Gedanke komisch, einem von diesen so einfach mein zu Hause zu überlassen (zumal er oder sie auch den Großteil meiner Möbel übernehmen soll, denn in Ravensburg bleibe ich nur ein halbes Jahr, der nächste Umzug steht also schon in sechs Monaten an). 

Im Gegensatz zum Durchschnittsberliner habe ich meine gesamte Zeit in Berlin in dieser einen Wohnung verbracht. Fast drei Jahre lang hatte ich Zeit, mich hier heimisch zu fühlen und der Wohnung quasi meine Duftnote aufzudrücken (natürlich nur sinnbildlich). Zeit, mich an das hier und auch an die Wege hierher zu gewöhnen (ob von der Ringbahn, von der U2, usw., volltrunken, mit geschlossenen Augen, totmüde oder alles zusammen). Ja, mittlerweile erkenne (und grüße) ich meine Nachbarn sogar, wenn ich sie mal auf der Straße und nicht im Hausflur treffe!

Ich frage mich, was bleibt.
Berlin hat bei mir eindeutig Spuren hinterlassen – nur: was hinterlasse ich Berlin?

Nicht mal mehr zwei Wochen, dann bin ich weg. Doch mein Platz wird nicht leer bleiben. Nicht nur, dass jemand in meiner Wohnung mit meinen Möbeln wohnt. Auch sonst werden andere Menschen an meine Stelle treten. Meine Freunde, so sie denn in der Stadt bleiben, werden eben nicht mich, sondern irgendwen anderes anrufen, um den Samstag (oder den Montag, Dienstag, Mittwoch usw.) Abend zu planen. Der Platz in der Bahn, auf den ich mich vielleicht gesetzt hätte, wird eben von jemand anderem blockiert und die Laufbahn wird ohne mich sicher auch nicht verwaisen.

Das Leben, sehen wir dieser Tatsache einfach ins Gesicht, ist im ständigen Fluss. Trotzdem hoffe ich, hier die eine oder andere Duftnote zurück zu lassen – sinnbildlich natürlich.

In diesem Sinne, man riecht sich!

Germany’s Next Topmodel

Manche Themen liegen auf der Straße, andere wiederum sitzen auf der Couch. Komisch wird das dann, wenn diese Couch mitten auf der Laufbahn des Sportplatzes an der Max-Schmeling-Halle steht und sich drei stark geschminkte Frauen darauf räkeln. 

Ich habe keine Ahnung, was das für ein Shooting war. Gleich drei kleine Lastwagen waren angerückt, besagte Couch wurde mitten auf den Bahnen vier, fünf und sechs platziert und die Models oben drauf gesetzt. Die machten ernste Miene zum albernen Spiel, während der Fotograf eine Serie nach der anderen schoss und eine Assistentin fleißig Anweisungen gab. Drum herum drehte ich zusammen mit ungefähr 15 oder 20 weiteren Läufern meine Runden.

Muss ich mir nun Sorgen machen? Bin ich nun wohlmöglich Teil einer Germany’s Next Topmodel-Kulisse oder finde ich mich demnächst in den Katalogen eines großen Modezaren wieder? Wer weiß, Ihr werdet es jedenfalls als erstes erfahren …

In diesem Sinne, immer schön Lächeln!

Das Strafgericht

Leider, und damit spreche ich wohl zumindest einigen Menschen aus der Seele, ist nicht den ganzen Tag EM. Im Gegenteil: zwei mickrige Spiele pro Tag, Beginn immer erst um 18 Uhr – selbst ausführliche Analysen nach und exzessive Berichterstattung vor dem eigentlichen Spiel kann da nur bedingt Abhilfe schaffen.

Ärgerlich ist das besonders für viele Gastwirte, die teilweise Unsummen in Beamer, Leinwände und sonstiges Equipment gesteckt haben oder sich von Lock-Rabatten wie “40% auf jedes Steak während des Spiels” zumindest ein Mehr an Laufkundschaft erhoffen (etwa das Steakhaus in meiner Straße). Zumindest hier in Berlin scheint mittlerweile sogar jede Dönerbuden – und sei sie noch so mickrig – zum EM-Quartier mutiert zu sein, und sei es nur, indem man den Fernseher aus dem heimischen Wohnzimmer auf eine Obst-Kiste vor dem Laden transferiert hat.

Was also tun mit den vielen EM-freien Stunden zwischen den Spielen?

Zumindest einige Läden haben eine Lösung gefunden: hier läuft jetzt tagsüber das gewöhnliche Nachmittagsprogramm. Von der Gerichtsshow bis hin zur Daily Soap bleibt keine Sparte unberücksichtigt. Ja, Berlin wird langsam aber sicher zu Bangkok, hier wird man nämlich, zumindest in den Backpacker-Ghettos, ebenfalls den ganzen Tag mit bunten Bildern aus der Flimmerkiste unterhalten. Nur sind das dann zumindest meist aktuelle Kinofilme und nicht “Das Strafgericht”.

In diesem Sinne, gute Unterhaltung!