Karlsruhe

Zwangsbeliefert

Donnerstagabends nach Hause zu kommen ist für mich zur Zeit äußerst unterhaltsam. Denn donnerstags wird eines der vielen lokalen Anzeigenblätter ausgetragen. Das findet zumindest der lokale Anzeigenblattausträger. Mein Vermieter dagegen ist dagegen.

Da ich praktisch der einzige im Haus bin, der die diversen Umsonst-Zeitungen zumindest mal durchblättert (schon von Berufswegen her), ignorieren die meisten meiner Nachbarn die Anzeigenblatt-Stapel im Hausflur. Die Folge ist, aus den den Stapeln irgendwann größere Türme werden, die dann nach und nach umfallen und als Altpapier im Flur vergammeln.

Mein Vermieter hat daher einen Zettel an der Tür angebracht, in dem er auf eine Polizeiverordnung verweist, die das Zeitungenablegen außerhalb der Briefkästen verbietet (wozu man wissen muss, dass in die Briefkästen im Haus nicht mal ein A4-Umschlag passt, geschweige denn eine Zeitung). Dieser Zettel hing bis Donnerstagmorgen. Donnerstagabend hing her nicht mehr – dafür lag wieder ein Stapel des lokalen Anzeigenblatts im Hausflur.

Kurz darauf hing ein neuer Zettel an der Tür. Wieder der Hinweis auf die Polizeiverordnung, dieses Mal ergänzt um eine rote Unterzeile: „Unberechtigtes Entfernen wird strafrechtlich verfolgt!“ – in Großbuchstaben. Donnerstagabend – gestern – war der Zettel wieder verschwunden. Und wieder lag ein Stapel des lokalen Anzeigenblatts im Hausflur.

Der verschwand jedoch recht schnell. Als ich heute nach Hause kam hing außerdem wieder ein Zettel an der Tür. Selber Text, selber Hinweis auf strafrechtliche Konsequenzen, nur dieses Mal hinter Plexiglas und fest mit der Tür verschraubt. Auch dieses Schild ist inzwischen wieder verschwunden – samt Plastikrahmen. Nur die Schrauben stecken noch in der Tür. Mit anderen Worten: es bleibt spannend!

In diesem Sinne, Zeitung oder nicht Zeitung, das ist hier die Frage!

Journalist und Geschäftsführer eines Nachrichtenportals, schreibt hier privat. Mag Hotelbetten, Ernest Hemingway, Berlin, Erich Kästner, Wuppertal, Schreiben mit Füller, schöne Kneipen, dicke Bücher, Fotografieren, scharfes Essen und kaltes Bier.

7 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Wow, das ist ja echt schon spannend! Zu meiner eigenen Schmach muss ich zugeben, dass ich mich auf die Lauer legen würde. Bei deinen Arbeitszeiten ist das natürlich schlecht…

  2. Das Schild ist immer noch ab, die Schrauben stecken weiter nutzlos in der Tür und der größte Teil der Umsonstblätter stapelt sich ungelesen im Hausflur – soweit der Stand von heute.

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