Pferdemann

“Rieche ich nach Pferd?”

Manchmal denke ich, ich ziehe komische Menschen an. Ganz ohne es zu wollen. Die Frage hätte mich daher nicht wundern sollen. Wobei dieser Mensch eigentlich recht normal aussah. Schlaksig, ein paar Zentimeter größer als ich, stark angegraute, kurze Locken. Eigentlich nicht ungewöhnlich. Einzig die Augen wirkten etwas unruhig, irgendwie nervös.

“Rieche ich nach Pferd?”, wiederholte der Mann. “Ich möchte nämlich noch einkaufen gehen.”

Ich wusste nicht, dass man nach Pferd riechen muss, wenn man noch einkaufen gehen möchte. Aber ich kann ja auch nicht alles wissen. Dieser Mann roch jedenfalls nicht nach Pferd. Aber konnte ich ihm das so direkt sagen?

“Ich war den ganzen Tag im Stall, wissen Sie?”, sagte der Mann, der nicht nach Pferd roch und noch einkaufen wollte. Dabei begann er nervös hin und her zu wippen. “Deswegen befürchte ich, dass ich nach Pferd riechen könnte. Dabei will ich doch noch einkaufen.” Der Mann hielt mir einen Ärmel seiner Jacke unter die Nase.

Der Ärmel roch nicht nach Pferd. Als ich dem Mann das sagte, wirkte er erleichtert. Und traurig. Irgendwie beides zugleich.

“Dann gehe ich jetzt einkaufen”, sagte er schließlich fröhlich. “Auf wiedersehen.” Ich bin dann nach Hause gegangen. Dabei habe ich mich mich gefragt, warum ich eigentlich so ein Talent habe, komische Menschen anzuziehen. Selbst sie nicht nach Pferd riechen.

In diesem Sinne, woher kommt eigentlich dieser Ziegengeruch?

Männlicher Finger

Ich bin so froh, dass ich ein Mann bin. Das stand nämlich heute einen Moment auf der Kippe.

Es war keine neue Erkenntnis, die wir heute in der Redaktion diskutiert haben. Irgendwer hatte sie allerdings neu aus einem Zeitungsartikel gefischt: Bei Männern ist der Ringfinger länger als der Zeigefinger. Frauen hingegen tendieren zu eher gleich langen Zeige- und Ringfingern.

Der Grund liegt wie so oft in den Hormonen. Platt gesagt: Je mehr vom Männlichkeits-Hormon Testosteron ein Fötus im Mutterleib aufnimmt, desto größer wird der Längenunterschied zwischen den beiden Fingern. Das hat der englische Anthropologe John Manning vor ungefähr zehn Jahren herausgefunden.

Manning selbst hat sein Ergebnis mehrfach nachgeprüft und dabei immer neue Belege für den Testosteron-Überschuss gefunden. Am besten belegt ist der Zusammenhang laut einem Artikel aus Die Zeit beim Verhältnis von Fingerlängen und sportlicher Leistungsfähigkeit. Erfolgreiche Schwimmer, Sprinter, Fußballer, Skifahrer und Fechter haben demnach einen im Schnitt längeren Ringfinger als erfolglose oder Nicht-Sportler: “Bei einem Wettrennen sollte Fingerforscher Manning aus den Fingerlängen lesen, in welcher Reihenfolge fünf Läufer das Ziel erreichen. Seine Vorhersage war fast perfekt – nur Platz 3 und 4 waren vertauscht.”

Nun ist die Fingerlänge nicht die einzige Länge, von der Rückschlüsse auf andere Eigenschaften – oder Längen – gezogen werden. Bekannt ist der Vergleich zwischen Nase und dem sprichwörtlichen “Johannes” eines Mannes, der inzwischen als widerlegt gilt. Statt dessen sind zumindest einige amerikanische Forscher inzwischen der Ansicht, dass es eine minimale Korrelation zwischen Schuhgröße und der Länge des Penis gibt – in Korea dagegen muss auch hier wieder ein Finger herhalten.

Wie realistisch solche Vergleiche sind, lasse ich nun mal dahingestellt. Folgt man Mannings Zeige-Ringfinger-Theorie arbeiten in der Redaktion seit heute nachmittag jedenfalls deutlich mehr Männer als noch zu Beginn des Arbeitstages. Dafür habe ich einige Frauen aus den anderen Abteilungen kennengelernt, von denen ich bisher nicht mal wusste, dass sie existieren – bisher hatte ich sie für Männer gehalten.

In diesem Sinne, zum Glück glaube ich als Journalist nicht alles, was in der Zeitung steht …

FrauFrauFrau

Meine Zwangsschwangerschaft ist ja schon eine Weile her (Muttergefühle Teil I und Teil II), es wird also Zeit, dass ich endlich wieder ganz Frau bin. Das findet zumindest eine Firma, deren Name ich hier nicht nennen werde, die mich aber freundlicherweise schon jetzt an einen wichtigen Pressetermin in der Landeshauptstadt erinnert.

“Save the date” betitelte Schreiben, also vorab-Erinnerungen an Einladungen, die noch nachgereicht werden, machen mich ja ohnehin misstrauisch. Was heute in einem halb-transparenten Din-A4-Umschlag und mit meinem Namen versehen im Redaktionsbriefkasten lag, beweist, dass ich mit meinem Misstrauen Recht habe.

“xxx-Woman wurde von Frauen für Frauen entwickelt, ist eindeutig für Frauen positioniert und erfüllt die Bedürfnisse von Frauen die Wert auf eine gesunde und ausgewogene Lebensweise legen.” Allein im ersten Satz wird fünf Mal das Wort “Frau” verwendet. An anderer Stelle ist außerdem von einer “Weltneuheit” ist die Rede und dass jede (ja, jede!) Frau es trinken sollte. Das könnten mir dann auch “verschiedene Experten” erläutern – ich müsse nur der Einladung folgen.

Worum es geht? Um ein “Blüten-Beeren-Pflanzensaft-Getränk”. Aber das spielt ja nicht wirklich eine Rolle. Was zählt ist das “neue Ich”, das in der Überschrift versprochen wird. Und irgendwie ist es ja auch nett, dass ich als Mann da mitmachen darf. Ihr könnt mich dann Loretta nennen.

In diesem Sinne, danke für die Einladung!

Reise-Rang

Vielleicht sollte es Rangabzeichen für Reisende geben. Je länger jemand unterwegs ist, mit je weniger Geld er sich durchschlägt und natürlich um so weniger “tourimäßig” jemand reist, desto höher der Rang. Denn machen wir uns nichts vor: Reisen ist harter Wettbewerb!

Nicht von ungefähr ist “Seit wann bist Du schon unterwegs” eine der ersten Fragen des gewöhnlichen Traveller-Smalltalks – lange bevor den Gegenüber nach dem Namen fragt. Rangabzeichen würden hier vieles einfacher machen – und man käme viel früher dazu, sich namentlich vorzustellen.

Ein Land wäre allerdings sehr wahrscheinlich ruiniert, wenn meine Idee umgesetzt werden würde: Laos. Denn von dort kommt das Beer-Lao-T-Shirt – weltweit anerkannter Ersatz für offizielle Reise-Ränge. Glaubt mir: Nur eine Woche auf einer der typischen Backpacker-Routen irgendwo auf der Welt, und Ihr begegnet mindestens einem Beer-Lao-T-Shirt-Träger.

Wie kann das sein? Ausgerechnet das Bier aus einem der ärmsten und touristisch noch weitestgehend unerschlossenen Länder Südostasiens tritt auf T-Shirts einen weltweiten Siegeszug in den Rucksäcken der Backpacker an? Ja – und zwar gerade deswegen.

Südostasien und insbesondere Thailand gilt als ideales Einstiegsland für Backpacker aus Europa und den USA. Die Flüge dorthin sind erschwinglich, das Reisen selbst ist billig und einigermaßen einfach, dennoch schwingt überall dieser Hauch fotogener Exotik mit, der den Daheimgebliebenen später ein staunendes “Oh” oder “Wow” entlockt.

Allerdings ist gerade Thailand inzwischen auch ein beliebtes Ziel für Pauschalreisende. Die können zu Hause dann vielleicht nicht von der Zwei-Euro-Hütte direkt am Strand und den Kakerlaken in derselben erzählen. Dennoch entzaubern diese 0-8-15-Touristen schnell den Hauch von Abenteurer, mit dem sich Rucksackreisende doch so gern umgeben.

Wir praktisch, dass Laos direkt nebenan liegt - und trotzdem vom Massentourismus noch weitestgehend unbeachtet geblieben ist (vielleicht liegt es an den fehlenden Stränden). Wer sagt, er war in Laos, kann zumindest hin und wieder noch punkten. Und wie nett, dass die Laoten praktisch nur eine Biermarke haben – diese aber kaum exportieren. Wer Beer Lao trinken möchte muss und sollte das in Laos tun. Dazu rät sogar die Backpacker-Bibel Lonely Planet: Beer Lao wird im Südostasien-Guide sogar kurzerhand zum besten Beer der Region erklärt. Obwohl ich persönlich ja Chang vorziehe – auch wenn es “nur” aus Thailand kommt.

In diesem Sinne, Prost!

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