Malaria

Erst ist es nur ein leichtes Ziehen irgendwo in der Nähe des Magens. Es wird aber schnell stärker, wenn ich daran denke, wie sich die Türen hinter mir schließen. Haustüren, Flugzeugtüren, Zugtüren, U-Bahntüren. Selbst das Papier, auf dem ich nach dem Online-Check-In die Flugtickets ausgedruckt habe, fühlt sich irgendwie anders an als die übrigen 499 Blätter in dem dicken Stapel Kopierpapier in meiner Schreibtischschublade.

Tief in meinem Herzen und offenbar auch in meinem Bauch bin ich ein Reisender. Ich mag es anzukommen. Noch mehr genieße ich es aber, wenn ich wieder aufbrechen kann. Selbst wenn es nur für ein paar Tage ist. Ich liebe es, unterwegs zu sein nicht genau zu wissen, was auf mich zukommt.

Ich werde wieder nur mit Handgepäck fliegen, denn ich reise gerne leicht. Schon jetzt freue ich mich auf die flüchtige Flughafenwelt, die ganz explizit auf die Durchreise optimiert ist. Ich freue mich auch auf den nächtlichen Weg quer durch London, vom Flughafen Stansted im Norden bis nach Croydon im Süden. Selbst wenn die Landschaft größtenteils aus U-Bahntunnel besteht, es ist schön, wenn sie an mir vorbeizieht. Verrückt, nicht wahr?

Es ist schon eine Weile her, da habe ich mit Fieber und Magenkrämpfen in einem Hotelzimmer in Laos, Südostasien, gelegen. Damals hatte ich befürchtet, ich könnte mir irgendwo unterwegs Malaria eingefangen haben. Als nach ein paar Tagen alles wieder gut war, schien mir eine leichte Lebensmittelvergiftung wahrscheinlicher.

Vielleicht war es aber auch etwas ganz anderes: Reisefieber. Das würde passen: Reisefieber ist nämlich nicht heilbar – und macht sich gerne mit einem leichten Ziehen irgendwo in der Nähe des Magens bemerkbar.

In diesem Sinne, Grüße an die Frau Doktor!

Ehrlich (nicht) Sex

“Hallo. Ich finde Dich sympathisch, würde Dich gerne kennenlernen und vielleicht später mit Dir schlafen.” Das wäre die ehrliche Variante. Nur wieso würde das kaum jemand sagen, wenn er eine fremde Frau anspricht? Ist Ehrlichkeit denn nicht Trumpf?

Wohl nicht. Dabei würde sie – wohl dosiert natürlich – gerade in zwischenmenschlichen Beziehungen vieles einfacher machen. Ich meine, ist denn ein ehrliches “Das ist nett, aber wir werden niemals miteinander im Bett landen” so viel schlimmer als monatelanges Baggern, Bangen und Zeitverschwendung, das am Ende doch auf die selbe Erkenntnis hinaus läuft?

Nein! Denn seien wir mal ehrlich – bei den meisten Menschen können wir mit relativ großer Sicherheit von vornherein sagen, ob da jemals etwas passieren wird oder nicht!

Der Grund, dass wir trotzdem nicht von Anfang an mit offenen Karten spielen, ist Hoffnung. Selbst wenn wir ahnen, dass bei einer ehrlichen Aussprache eben dieser Satz käme, hoffen wir bis zuletzt auf die spontane Kehrtwende. Vielleicht nach dem dritten Glas Wein, vielleicht bei Stromausfall und nach einem unerwartet intensiven Gespräch bei Kerzenlicht? Nicht umsonst heißt es schließlich, dass die Hoffnung diejenige ist, die zuletzt stirbt.

Ja, der Mensch ist ein komisches Wesen. Wir sind Meister im Verdrängen, Schönreden und Faktenverdrehen. Einfacher wäre es wohl, die Tatsachen immer eben so ehrlich auszusprechen wie ihnen ins Gesicht zu sehen. Nur wäre das ja irgendwo auch langweilig. Wie ein Liebesfilm, bei dem Held und Heldin sich kennenlernen und ohne Umwege zueinander finden – für fünf Minuten Kino zahlt schließlich niemand neun Euro.

In diesem Sinne, lasset die Spiele beginnen!

De-friended

Ich wurde de-friended. Das ist Facebook-Deutsch und bedeutet, dass mir jemand die “Freundschaft” gekündigt hat. Fast hätte ich gar nichts davon mitbekommen, denn die Freundschaft zu kündigen ist bei Facebook in etwa so unkompliziert wie das Hochladen eines Bildes. Informiert wird man über das Ende der Online-Freundschaft ebenfalls nicht.

Es ist allerdings auch nicht so, dass ich mich sonderlich gekränkt fühlen würde. Von meinen derzeit rund 230 Facebook-Freunden habe ich einige lange nicht mehr, einige ohnehin bisher nur einmal und wieder andere noch nie persönlich getroffen. Was macht da schon einer mehr oder eine weniger, wenn ein Mausklick schon eine der wichtigsten Grundlagen für die Freundschaft war?

Eine (reale) Freundin von mir hatte sich vor einiger Zeit das Ziel gesetzt, die Zahl ihrer Freunde auf unter 100 zu drücken. “Mehr Freunde braucht kein Mensch” fand sie und meinte damit die Zahl der Freunde im StudiVZ. Manchmal frage ich mich, ob das vielleicht auch für reale Beziehungen gilt?

Schon weil ich sehr oft umgezogen und viel gereist bin, habe ich viele Bekannte, von denen ich einige nur alle paar Jahre sehe. Trotzdem sind einige davon inzwischen zu echten Freunden geworden. Andere wiederum sehe ich zwar ebenfalls immer mal wieder, als Freunde würde ich sie aber nicht bezeichnen, manche nicht mal als gute Bekannte.

Trotzdem bleiben wir in Kontakt – vielleicht einfach nur, weil wir Menschen uns nun einmal schwer damit tun, etwas los zu lassen. Dabei denke ich manchmal, dass vielleicht genau das genau das genau das Richtige wäre.

Die Zeit, die ich einem Bekannten widme, an dem mir eigentlich gar nicht so viel liegt, könnte ich doch viel besser nutzen, um jemanden zu treffen, der mir wirklich etwas bedeutet. Zudem stehle ich möglicherweise meiner Verabredung die Zeit, die ebenfalls woanders viel besser aufgehoben wäre. Ja, eigentlich braucht wohl wirklich niemand mehr als 100 “Freunde”.

In diesem Sinne – so weit die Theorie …

Falscher Film

Im Kino ist es einfach. Je dramatischer und emotionaler die Liebesgeschichte ist, desto besser. Je mehr Missverständnisse, desto unterhaltsamer. Im Kino funktioniert das, denn die großen Gefühle entladen sich am Ende im großen Happy End. Was 90 Minuten lang kompliziert war, ist dann plötzlich ganz einfach.

Mit der Frau, die neben einem im Kinosessel sitzt, ist das anders. Leider verdrängen wir das oft. Zwar haben wir eine ganze Kindheit lang gelernt, dass das echte Leben anders funktioniert als das gespielte Leben auf der Leinwand. Trotzdem projizieren wir den Leinwandplot nur all zu gerne auf unser eigenes, gänzlich unverfilmtes Hier und Jetzt.

Sie ist kompliziert, anstrengend und selbst ein banales Gespräch mit ihr endet im Streit. Wie man es auch macht, man macht es verkehrt. Doch das ist ja alles nur der Auftakt, der irgendwann in einer dramatischen “alles gut”-Schlussszene endet, bei der man sich küsst und mit der passenden Musik aus dem Off alles andere vergisst.

Komisch, dass wir immer wieder darauf reinfallen. Sollten wir es nicht irgendwann gelernt haben? Was schwierig anfängt, wird normalerweise nicht von heute auf morgen einfach, egal, wie verliebt wir sind. Wir wissen das, wollen es aber nicht begreifen. Warum eigentlich nicht?

In diesem Sinne, (falscher) Film ab!

Jogurtbecher

Fragen, die die Welt nicht braucht* - Teil 3:
*(auf die ich aber trotzdem gerne eine Antwort hätte)

Warum suche ausgerechnet ich mir im Supermarkt immer den kaputten Jogurtbecher aus?

Wieso merke ich das nicht, obwohl ich doch jedes Mal in der langsamsten Schlange stehe?

Apropos: Wieso ist es eigentlich immer dann voll, wenn ich einkaufen gehe?

Ob der Laden schlagartig leer wird, wenn ich zwar so tue, als würde ich hineingehen, es dann aber doch lasse?

Vielleicht wurde ich von einem Fernsehsender adoptiert und bin seit 31 Jahren unfreiwilliger Hauptdarsteller in einer Reality-TV-Show?

Vielleicht sollte ich aus der Idee ein Drehbuch machen?

Können Hauptdarsteller von Reality-TV-Shows Drehbücher vermarkten?

Verdammt, wieso muss mir Google alles versauen?

In diesem Sinne – Fragezeichen!

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