Originalfälschung

Muss ein Original ein Original sein? Nicht, wenn man nach der Ansicht des Online-Shops Portofrei24 geht. Die werben zwar großspurig und mit Markenlogos unterstrichen damit, Originalware zu verkaufen – in diesem Fall zum Beispiel Handy-Akkus.

Allerdings heißt Original nicht zwangsläufig Original. Schließlich verkaufe man auch “kostengünstigere Produkte von Drittanbietern”. Die verwendeten Markennamen dienten daher unter Umständen “nur zur Verdeutlichung der Kompatibilität unserer Produkte mit den Produkten verschiedener Hersteller”.

Gut, dass ich den dezenten Hinweis rechtzeitig gesehen hab – nach schlechten Erfahrungen wollte ich nämlich ein originales Original kaufen – und nicht nur eine original verdeutlichte Fälschung.

In diesem Sinne, Danke auch!

Verloren

Eigentlich müssten sie überall sein: Autos, die nicht wiedergefunden wurden. Autos, die jahrelang auf Parkplätzen rumstehen, weil ihr Besitzer hilflos durch die Gegend irrt. Autos, die irgendwann verrotten und dann erst recht nicht mehr gefunden werden, weil sie nur noch Rost und Plastik sind.

Das könnte man zumindest meinen, wenn man bedenkt, wie viele Apps es inzwischen für das iPhone gibt, die nur einen Zweck haben: sein eigenes Auto wiederzufinden.

Ich finde das faszinierend. Dass ich keine Orientierung habe, habe ich schon geschrieben. Aber dass da draußen Tausende, ja wahrscheinlich Millionen andere Menschen sind, die ein Smartphone brauchen, um sich a) zu merken, wo sie geparkt haben und b) wie sie dorthin zurück kommen – irgendwie finde ich das beruhigend. Und befremdend.

In diesem Sinne, gute Fahrt!

Jung, ledig, gekauft

Sie war jung, sie war schön, und ich hatte sie im Internet bestellt. Wobei “bestellt” vielleicht das falsche Wort ist. Trotzdem drängt sich einem schon eben dieses Wort auf, wenn man sich einmal etwas ausgiebiger durch die Profile auf einer Online-Partnerbörse geklickt hat. Aber vielleicht sollte ich anders anfangen.

Wir leben im Internet-Zeitalter. Was der Mensch braucht, findet er im  Netz. Dabei ist es egal, ob man ein Buch kaufen, eine Reise buchen oder eben – wie ich vor einiger Zeit – die Frau für den Lebensabschnitt finden will. Alles ist nur ein paar Klicks und (meist) eine Kreditkartennummer entfernt. Das zumindest suggerieren die diversen Online-Partnerbörsen, die mit Slogans wie “wir verlieben Dich” um ebenso einsame wie zahlungskräftige Kundschaft werben.

Die Männer sind hier eindeutig in der Überzahl, zumindest wenn es um die Zahlungswilligkeit geht. Während nämlich das Anmelden zumeist noch kostenlos ist, werden spätestens, wenn es um das Ansprechen geht, in der Regel saftige Gebühren fällig. Und diesen Part übernehmen auch in der virtuellen Welt vor allem die Männer. Auch Emanzipation hat eben Grenzen.

Ganz abgesehen davon hat es ja auch etwas, sie durch Galerien von Frauenfotos zu bewegen wie durch einen Supermarkt. Gefällt einem eine Frau, landet sie im virtuellen Einkaufswagen – im Webdating-Slang auch als Menüpunkt “Favoriten” bekannt. Hat man einen mutigen Tag, schreibt man sie sogar an.

Ich hatte damals gleich mehrere mutige Tage. Nicht immer waren die von Erfolg gekrönt, hin und wieder aber doch. So traf ich zum Beispiel jene junge, schöne Frau, die als Einstieg für diesen Eintrag diente. Wir verabredeten uns in Stuttgart vor einem Kaufhaus. Besondere Erkennungszeichen brauchten wir nicht – Leute, die sich über Online-Partnerbörsen kennenlernen, erkennen sich.

Auch wir erkannten uns, gingen was essen und später noch auf einen Drink in eine Bar. Leider half alles nichts. Weder das Essen, noch der Drink. Wenn sie den Mund aufmachte, sprach sie von Stuttgart 21. Blieb ihr Mund geschlossen, beschäftigte sie sich mit Anti-Stuttgart-21-Aufklebern, die sie von Laternenpfählen, von Schaufenstern und von Autostoßstangen abkratzte.

Es ist nicht so, dass ich politische Menschen nicht schätzen würden. Ich hatte mir für eine erste Verabredung nur einfach etwas anderes vorgestellt. Vielleicht bin ich ignorant, aber ich bin mir bis heute nicht sicher, ob sie mir überhaupt jemals ihren Namen gesagt hat – es gab eben immer einen Aufkleber, der wichtiger war.

Ganz anders war es bei Verabredung Nummer zwei. Bis heute weiß ich nicht nur ihren Namen, ich weiß auch, wie unsere Kinder heißen würden (Klaus und Marie), wo wir Urlaub machen würden (in Schweden, wobei Camping in Dänemark ebenfalls eine Möglichkeit ist) und dass ihr letzter Freund sie verlassen hat, weil er einfach noch nicht “reif für eine ernsthafte Beziehung war”. Nicht mal eine gemeinsame Email-Adresse habe er gewollt – dabei waren sie doch schon fast ein halbes Jahr zusammen gewesen.

Frauen im Internet zu bestellen, ist offenbar schwieriger als gedacht. So einfach gebe ich allerdings nicht auf. “Billig, willig und stubenrein”, wirbt eine Internetseite mit eigenartiger Länderkennung. Vielleicht habe ich dort ja mehr Glück?

In diesem Sinne, kuscheln wäre schon nett …

Outfitpost

Ich habe ein schlechtes Gewissen. Ich habe Euch heute noch gar nicht gezeigt, was ich heute an hatte. Dabei gehört das doch längst zum guten Ton – zumindest unter Bloggern. Und welche Hose ich vergangene Woche gekauft habe, wisst Ihr auch noch nicht.

Keine Sorge, ich werde diese schrecklichen Wissenslücken nicht schließen. Dafür bin ich viel zu fasziniert – von all den “Modeblogs”, die in den vergangenen Monaten aus dem Boden gestampft wurden und nun das WWW bevölkern. Modeblogs (oder auf Neudeutsch: Fashionblogs) muss einfach die Zukunft gehören, so schnell wie sie sich im Web 2.0 verbreiten.

Vielleicht ist es, weil ich ein Mann bin. Die Begeisterung, mit der manche Frauen praktisch täglich ihre jeweilige Kleidung posten (“Outfitpost”), die Eröffnung von neuen Geschäften zelebrieren (“Primark”, “Topshop”) oder ihre neuesten Einkaufserrungenschaften/ -wunschlisten veröffentlichen, verwirrt mich einfach. Genau so, wie es mich durcheinander bringt, wenn beinahe zärtlich ein neuer Nagellack beschrieben und/oder ein neuer Lidschatten hervorgehoben wird.

Teil der Verwirrung ist allerdings, wie erfolgreich das funktioniert! Modeblogs sind für viele Firmen längst ein wichtiger Marketing-Bestandteil. Bezahlte Gewinnspiele, Einladungen zu Fashion-Weeks oder Produktproben sind üblich. Gilt die Empfehlung auf einer privaten Webseite doch um ein Vielfaches mehr als ein banaler Werbespot oder ein blinkender Banner auf irgendeiner Webseite.

Insbesondere für viele Frauen und (vor allem?) Mädchen gehört das Bloggen inzwischen ganz automatisch zum Leben dazu. Das Gefühl bekommt man jedenfalls, wenn man sich mal eine Weile von Blog zu Blog geklickt hat. Kein Wunder: Mussten Frauen früher noch hoffen, dass das Lieblingsoutfit auch wahrgenommen wird, können sie es heute einfach ins Internet stellen – am besten noch zusammen mit zwei, drei Alternativen.

Und ich? Wie gesagt: ich habe ein schlechtes Gewissen. Ihr wisst nun immer noch nicht, welche Hose ist gerade anhabe.

In diesem Sinne, bitte untenrum freimachen!

Kurz gelacht

Es wird Zeit, die Forderung einer alten Freundin wieder einmal Nachdruck zu verleihen: Erfindet endlich das Handy mit Promillegrenze! Warum? Ein paar Beispiele:

2:21 Hallo Thorsten, ich vermisse dich wirklich u komme mit der Trennung nicht klar, mit meinem neuen Freund käuft es auch nicht, weil ich immer an dich denken muss.. Auch wenn ich mit ihm schlafe denke ich an dich. Bitte gib uns noch eine Chance Kuss
2:47 1.komisch dass du mich nicht unter “schatz” eingespeichert hast, wie es frauen normalerweise tun, 2.schön,dass du an jemand anderes denkst,wenn du mit mir schläfst,3.vorteilhaft wenn der neue freund den gleichen namen hat wie der exfreund und 4.kannst du dir jetzt den dritten thorsten suchen.

23:32 ich weiß du bist frauen gegenüber sehr tolerant wenn du betrunken jagen gehst. aber wenn du noch weiter mit der hässlichen rummachst dann film ichs und stells morgen online! also lass den scheiß!!
11:23 yo danke. konnts gestern nimmer lesen und wollte dass sie vorliest. dann is sie gegangen :D

03:17 Papi, Hilfe!!!! Ich find niht heim… =( Zur hilfe, da vorne ist ne Kirche…ud ne straße…Laterne…und so… Kannst du mir Helfen??
03:20 Leg dich auf eine Bank und schlaf deinen Rausch aus. Dann rufst du mich nochmal an….wenn du bis dahin nicht gemerkt hast, das du vor der Wohnung stehst. Und bitte hör auf zu singen.

8:54 Ich hatte dir doch gesagt dass ich fahren kann!!!
09:07 Alter, du bist nicht gefahren! ich bin gefahren und du saßt auf dem beifahrersitz und hast mit einem pappteller gelenkt !

1:28 Wo bist du?
1:36 dasdoi daoj fnüdw
1:38 ah. cool. bring döner mit

Übrigens: die zitierten SMS sind nicht (alle) von mir – und es gibt noch mehr: www.smsvongesternnacht.de

In diesem Sinne, bitte pusten Sie jetzt in das Mundstück Ihres Mobiltelefons!

Offen gefühlt

Wenn jemand betonen möchte, dass er nun etwas besonders Bedeutungsschweres sagen möchte, dann beginnt er den Satz mit den Worten “offen gesagt”. Das war zumindest früher so. Heute wird schon lange nichts mehr “offen gesagt” – heute wird offen gefühlt!

Es ist nicht so, dass ich mich im Web besonders zurückhaltend bewege – siehe dieses Blog. Ich dürfte mich also eigentlich gar nicht beschweren oder wundern. Trotzdem kann ich vielleicht genau deshalb manchmal gar nicht anders, als den Kopf zu schütteln.

“Stehe jetzt vor der schwersten Entscheidung meines bisherigen Lebens”, teilte vor einigen Monaten eine flüchtige Bekannte via Facebook der Online-Welt mit – freilich ohne Details zu verraten. (Heute weiß ich, es ging darum, ob sie ihren Job aufgeben soll, um ihrem Freund in eine andere Stadt zu folgen). “Bin schwer enttäuscht, gehe jetzt ins Bett”, schrieb eine andere Bekannte ziemlich spät an einem Freitagabend. Wovon überließ sie der Phantasie des geneigten Lesers. “Verwirrtes Herz – er oder doch er” kryptisierte Bekannte Nummer drei kürzlich.

Facebook, Twitter, Blog und Co – es ist heutzutage leicht, sich vielen Menschen auf einmal mitzuteilen. Notfalls kann man auch immer noch in eine Talkshow im Vormittagsprogramm von RTL2 gehen. Aber muss das wirklich immer sein?

Es wäre vielleicht zu leicht, den oben genannten Personen zu unterstellen, sie wollten sich nur wichtig machen – ganz falsch wäre es nicht. Aussagen wie die (verfremdet) hier zitierten lassen vieles ahnen, ohne der Phantasie ihren Spielraum zu nehmen. Sie machen gewollt neugierig. Trotzdem wäre es reichlich unpassend, eine einigermaßen fremde Frau zu fragen, warum sie “schwer enttäuscht” ist oder wer “er” und wer der andere “er” ist. Die entsprechende Frau scheint aber in jedem Fall ein interessantes Liebesleben zu haben. Aber muss sie das wirklich in die Welt hinaus schreien?

Ich habe das Gefühl, manche Menschen teilen sich heutzutage lieber halb einer anonymen Masse mit statt einmal ganz mit einem guten Freund zu sprechen. Andererseits: Bin ich vielleicht einer von ihnen?

In diesem Sinne, sie? Oder sie?